Andreas Deutsch
Die Aktien der Wett- und Glücksspielanbieter werden heute wieder im Fokus der Anleger stehen. Dieses Mal sollte es für die Titel allerdings in die andere Richtung gehen. Angeblich wollen deutsche Politiker das Urteil des Europäischen Gerichtshofs von gestern nicht hinnehmen. Der Glücksspiel-Staatsvertrag soll erhalten bleiben.
Von Händlerseite heißt es am Donnerstagmorgen, dass deutsche Politiker das Monopol für Sportwetten und Glücksspiele (Glücksspiel-Staatsvertrag) offenbar erneuern und dabei noch festigen wollen. Der rheinland-pfälzische Regierungschef und Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz Kurt Beck sagte der Neuen Osnabrücker Zeitung: "Klar ist, dass wir das Monopol weiterhin wollen und brauchen."
"Quintessenz des Urteils"
Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) will das Staatsmonopol sogar noch ausweiten. Pferdewetten und Automatenglücksspiele sollen künftig darin miteinbezogen werden. Für ihn sei "dies die Quintessenz des Urteils", so Schünemann zur Oldenburgischen Volkszeitung.

Nicht rechtens
Der Europäische Gerichtshof hatte gestern den Glücksspiel-Staatsvertrag nicht EU-Recht-konform genannt. In dem Urteil heißt es, dass in Deutschland Glücksspiele und Sportwetten nicht in "kohärenter und systematischer Weise" begrenzt würden. Seit 2008 gilt hierzulande der Glücksspielstaatsvertrag. Dieser besagt, dass private Unternehmen in Deutschland keine Sportwetten mehr anbieten dürfen. Toto und Oddset, die staatlichen Anbieter, wurden somit zu Monopolisten. Damit wollte der Staat das Glücksspiel, zu dem auch Sportwetten gehören, "kanalisieren".
Monopol oder Liberalisierung?
Die Aktien der Wett- und Glücksspielanbietern dürften nach der gestrigen Kursrallye heute unter Druck geraten. Investierte Anleger sollten die politische Diskussion genau verfolgen und sich mit einem Stopp gegen Kursverluste absichern.