Alfred Maydorn
Nachdem es monatelang sehr ruhig war um eine der wildesten Börsensstorys der letzten Jahre, geht die Spekulation um Washington Mutual nun in eine neue Runde. Am Freitag legte der Titel in New York um über 90 Prozent zu, nachdem neue Gerüchte die Runde machten.
Urplötzlich schnellte die WaMu-Aktie am Freitag um 90 Prozent nach oben und beendete den Handel bei 0,079 Dollar und damit auf einem neuen Jahreshoch. Der Tagesumsatz von 47 Millionen Aktien erinnerte an die wilden Zeiten vor gut einem Jahr, als zeitweise über 200 Millionen Papiere täglich den Besitzer wechselten und die extremen Kursausschläge der Pleite-Sparkasse Tausende von Tradern anlockten. In Deutschland notiert die Aktie am Monatgnachmittag bei 0,065 Euro und damit über 50 Prozent höher als am Freitag.
Im frühen Handel am Montag in New York legt die Aktie um weitere 23 Prozent auf 0,097 Dollar zu.
Viel Spekulation um nichts
Die Hoffnung auf mögliche Schadenersatz- oder Ausgleichszahlungen in Milliardenhöhe erfüllten sich damals nicht. Während ein Großteil der Gläubiger zumindest teilweise bedient werden sollte, sah es so aus, als würden die WaMu-Aktionäre leer ausgehen.
Überraschende Wende
Völlig überraschend gibt es seit Freitag neue Hoffnung für die leidgeprüften WaMu-Aktionäre. Laut eines Berichtes des Nachrichtendienstes Bloomberg sollen die WaMu-Aktionäre nach der Entschuldung von Washington Mutual die Kontrolle über die reorganisierte Gesellschaft erhalten - entweder zum Teil oder sogar komplett.
Hintergrund dieser neuen Fantasie sind Klagen eines Aktionärs, der vier US-Hedgefonds vorwirft, sie hätten Insiderinformationen zum eigenen Vorteil verwendet. Die Fonds gehören zu den größten Gläubigern der insolventen Sparkasse. Hinter den Kulissen wird nun anscheinend an einer Einigung gearbeitet, nach der die Hedgefonds auf einen Teil ihrer Ansprüche zugunsten der WaMu-Aktionäre verzichten und im Gegenzug die Klage bezüglich des Insiderhandels fallen gelassen wird.

Die Spekulanten sind zurück
Obwohl noch keine genauen Details über einen möglichen „Deal" bekannt wurden, reichten allein die neuen Spekulationen aus, um den Kurs der Aktie nach oben schießen zu lassen. Damit ist die WaMu-Spekulation wieder eröffnet. Eine für den 6. Juni vorgesehene Verhandlung vor dem Insolvenzgericht, bei der es um den Reorganisationsplan gehen sollte, wurde aufgrund der neuen Erkenntnisse auf den 29. Juni verschoben.
Nur hartgesottene Zocker sollten sich auf eine erneute Sparkassen-Spekulation einlassen. Die extremen Kursbewegungen vor rund einem Jahr haben gezeigt, dass bei dieser Aktie so gut wie alles möglich ist: von mehreren hundert Prozent Kursgewinn bis zum Totalverlust.