Alfred Maydorn
Die Aktionäre der insolventen US-Sparkasse Washington Mutual haben vor dem US-Konkursgericht erneut einen Teilerfolg errungen. Und sofort machen wieder Spekulationen über mögliche Abfindungsangebote die Runde. Die Chancen darauf haben sich zumindest verbessert.
In einer erneuten Anhörung am Donnerstag vor dem Konkursgericht hat die offizielle Vertretung der Aktionäre von Washington Mutual (WaMu), das sogenannte Equity Committee, einen kleinen Erfolg erzielt. Die Richterin Mary Walrath hat JPMorgan und die Aufsichtsbehörde FDIC aufgefordert, den WaMu-Aktionären Einblick in ihre Unterlagen zu gewähren.
Brisantes Material
Am 17. Juni wird es eine erneute Anhörung geben. Sollten sich die beteiligten Parteien bis dahin nicht geeinigt haben, hat die Richterin angekündigt, vielleicht doch eine Untersuchung durch einen unabhängigen Prüfer einzuleiten. Eine solche Prüfung könnte sich über mehrere Monate hinziehen. Für JPMorgan und die FDIC wäre sie zudem mit Risiken verbunden, denn einige Dokumente würden brisantes Material beinhalten, äußerte sich einer der Anwälte auf der Anhörung.
Hohe Ansprüche
Es geht um die Umstände der vielfach kritisierten Zerschlagung von Washington Mutual durch amerikanische Behörden und die anschließende Übernahme großer Teile der ehemals größten US-Sparkasse durch JPMorgan. Die WaMu-Aktionäre sind der Auffassung, der im September 2008 von JPMorgan gezahlte Kaufpreis von 1,9 Milliarden Dollar sei deutlich zu niedrig gewesen. Es wird geschätzt, dass sich eventuell einklagbare Ansprüche auf bis zu 20 Milliarden Dollar summieren könnten.
Neue Gerüchte
Es kursieren auch immer wieder Gerüchte, dass JPMorgan den WaMu-Aktionären eine Abfindung anbieten könnte, um eingehende Untersuchungen der umstrittenen Übernahmen zu verhindern. Im Gespräch sind acht Dollar pro Aktie. Diesen Betrag hatte JPMorgan im Jahr 2008 einige Monate vor der Zerschlagung schon einmal geboten. Gegenüber dem aktuellen Aktienkurs entspräche diese einem Aufschlag von 6.300 Prozent.

Gewagte Spekulation
Am Donnerstag ging die Aktie von Washington Mutual mit einem Plus von knapp fünf Prozent auf 0,125 Dollar aus dem Handel. In Anbetracht der neuen Entwicklungen ist nun mit einer Rückkehr der Spekulanten zu rechnen, was sich entsprechend positiv auf den Aktienkurs auswirken dürfte. In Deutschland notiert die Aktie bereits etwas fester bei 0,106 Euro. Wer mitzocken will, kann mit einem kleinen Betrag möglichst unter 0,11 Euro noch einsteigen. Das Risiko ist hoch: Eine Vervielfachung des eingesetzten Kapitals ist ebenso möglich wie ein Totalverlust.