VTG-Vorstand: "Wir werden die Prognose in der oberen Hälfte des Zielkorridors treffen"
Die Aktie des Schienenlogistikkonzerns VTG befindet sich seit einigen Wochen auf Talfahrt. Operativ läuft es bei den Hanseaten dagegen weiter rund. Die Q3-Zahlen lagen im Rahmen der Erwartungen und auch der Ausblick passt. Der Vorstand geht sogar davon aus, die Prognose in der oberen Hälfte des Zielkorridors zu treffen. DER AKTIONÄR fragte nach.
DER AKTIONÄR sprach mit dem VTG-Vorstandsvorsitzenden Dr. Heiko Fischer über die Gefahr einer Rezession, seine Planvorgaben für die VTG AG und die Gründe für den jüngsten Kursrückgang.
DER AKTIONÄR: Herr Dr. Fischer, wie beurteilen Sie die aktuelle Situation an den Finanzmärkten?
Dr. Heiko Fischer: Sollte die Unsicherheit der Finanzmärkte auf die Realwirtschaft übergreifen, könnte das mittelfristig auch die Transportvolumen drücken. Ich hoffe jedoch, dass unsere Kunden und die Wirtschaft insgesamt aus der letzten Krise gelernt haben und nicht wieder ein Herdentrieb einsetzt, der den Absturz der Weltwirtschaft forciert.
Sehen Sie die Gefahr einer Rezession? Wie groß wären die Auswirkungen für Ihr Unternehmen? Welche Maßnahmen haben Sie eingeleitet bzw. werden Sie einleiten, um dagegen zu steuern?
Grundsätzlich steigt der Gütertransport in Europa nach wie vor. Nachdem die Nachholeffekte aus der Finanzkrise des Jahres 2009 abgeklungen sind beobachten wir eine leichte Abschwächung des globalen Transportwachstums. Wir haben jedoch derzeit keine Anzeichen dafür, dass unsere Geschäfte einbrechen. Die Nachfrage nach Waggons ist unverändert hoch, und auch unsere Kunden berichten von einer immer noch guten Auslastung. Daher bin ich zuversichtlich, dass sich nach der zu beobachtenden Beruhigung des zuvor stürmischen Wachstums keine Rezession wie 2009 einstellen wird.
Die Q3-Zahlen lagen insgesamt im Rahmen der Erwartungen. Einzig der Konzernüberschuss wurde durch ein negatives Finanzergebnis überraschend stark belastet. Wo liegen die Gründe?
Die zusätzlichen Aufwendungen, um die wir das Ergebnis bereinigt haben, resultieren lediglich aus der vorzeitigen Ablösung eines bestehenden Kreditvertrages durch eine privat platzierte US-Anleihe. Bisher weisen wir 23 Millionen Euro als Folge der Umfinanzierung aus, zu denen auch Marktbewertungen von ineffektiven Derivaten gehören, die wir dank der neuen Anleihe mit ihrem festen Zinssatz nicht mehr brauchen. Leider ist der Marktzins seit der Umfinanzierung weiter gefallen, damit waren die Korrekturen der Bewertungen höher als erwartet. Allerdings wird sich das langfristig mit dem Auslaufen der Derivate wieder auflösen.
Ist künftig wieder mit einer Entlastung des Finanzergebnisses zu rechnen?
Die Umfinanzierung im Jahr 2011 hat unser Finanzergebnis stark belastet. Diese Belastung aus Einmaleffekten wird in den kommenden Jahren spürbar zurückgehen.
Wie lautet ihre Prognose für das laufende Gesamtjahr?
Wir erwarten einen Jahresumsatz in der oberen Hälfte unserer Prognose von 720 bis 760 Millionen Euro und ein EBITDA zwischen 165 und 170 Millionen Euro.
Können Sie hier - vier Wochen vor Jahresschluss - schon etwas konkreter werden?
Wir erwarten die Prognose in der oberen Hälfte des Korridors zu treffen.

Trotz des eher defensiven Geschäftsmodells mit einer soliden Kundenbasis und längerfristigen Vermietungsverhältnissen ist die Aktie in den letzten Tagen deutlich unter Druck geraten. Wo liegen die Gründe für diesen Kursrutsch?
Im Wesentlichen dürfte dieser Kursverlust den Unsicherheiten an den Kapitalmärkten geschuldet sein. Wir liegen mit unserer Prognose von 165 bis 170 Millionen Euro operativem Ergebnis absolut im Plan.
Wie sehen vor diesem Hintergrund Ihre mittelfristigen Planungen aus?
Wir werden, wie in den Vorjahren, auch weiterhin sowohl organisch als auch durch Akquisitionen wachsen. Die rechtzeitige Neustrukturierung unserer Konzernfinanzierung gibt uns die dafür notwendige Flexibilität.
Vielen Dank für das Gespräch!
Leserkommentare
Die Kommentarfunktion wird moderiert. Die Moderation liegt alleine bei der Börsenmedien AG. Kritische Diskussionen sind erwünscht, persönliche Beleidigungen hingegen werden entfernt.
Disqus ist ein Online-Dienst und wird von der Big Head Labs, Inc. aus San Francisco in den USA zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden sind in den Börsenmedien-Datenschutzbestimmungen zu finden.
Aktien-Reports
Weitere Artikel zum Thema
Der Waggonvermiet- und Schienenlogistikkonzern VTG hatte im ersten Halbjahr mit den eingetrübten Konjunkturaussichten und zahlreichen Einmaleffekten zu kämpfen. Bei einem leichten Umsatzplus ging der Gewinn deutlich zurück. Zudem wird die Konzernführung für das Gesamtjahr pessimistischer....mehr |
Solides Wachstum, planmäßige internationale Expansion, erhöhte Dividende. Bei der VTG AG läuft das Geschäft wie auf Schienen. Abgerundet wird das Bild durch eine aussichtsreiche Charttechnik. Risikobewusste Anleger können daher auf dem aktuellen Niveau eine Position auf- beziehungsweise ausbauen. ...mehr |
Der Schienenlogistikkonzern VTG hat zum 1. Dezember die Geschäftstätigkeit des amerikanischen Waggonvermietunternehmens SC Rail Leasing America Inc. übernommen und seine Kundenzahl in Nordamerika verdoppelt. Die Aktie kann ihre Erholungsbewegung weiter fortsetzen. ...mehr |
VTG konnte Umsatz und Gewinn im ersten Halbjahr weiter steigern. Die Erlöse wurden um 21,7 Prozent in die Höhe geschraubt, das EBITDA erreichte ein Plus von 11,8 Prozent. Die Aktie ist einen Blick wert!...mehr |
Der Strategie-Report fährt auf BMW ab. Der Anlegerbrief performaxx rät nur sehr risikobereiten Anleger zu einem Engagement bei Praktiker. Die Euro am Sonntag hält den crash-bedingt niedrigen Aktienkurs von Tomorrow Focus für eine gute Einstiegschance. Die Börse am Sonntag ist weiterhin von den Sartorius Vorzugsaktien angetan. Zudem gibt es Änderungen in Musterdepots....mehr |























