Michael Schröder
Die Aktie des Schienenlogistikkonzerns VTG befindet sich seit einigen Wochen auf Talfahrt. Operativ läuft es bei den Hanseaten dagegen weiter rund. Die Q3-Zahlen lagen im Rahmen der Erwartungen und auch der Ausblick passt. Der Vorstand geht sogar davon aus, die Prognose in der oberen Hälfte des Zielkorridors zu treffen. DER AKTIONÄR fragte nach.
DER AKTIONÄR sprach mit dem VTG-Vorstandsvorsitzenden Dr. Heiko Fischer über die Gefahr einer Rezession, seine Planvorgaben für die VTG AG und die Gründe für den jüngsten Kursrückgang.
DER AKTIONÄR: Herr Dr. Fischer, wie beurteilen Sie die aktuelle Situation an den Finanzmärkten?
Dr. Heiko Fischer: Sollte die Unsicherheit der Finanzmärkte auf die Realwirtschaft übergreifen, könnte das mittelfristig auch die Transportvolumen drücken. Ich hoffe jedoch, dass unsere Kunden und die Wirtschaft insgesamt aus der letzten Krise gelernt haben und nicht wieder ein Herdentrieb einsetzt, der den Absturz der Weltwirtschaft forciert.
Sehen Sie die Gefahr einer Rezession? Wie groß wären die Auswirkungen für Ihr Unternehmen? Welche Maßnahmen haben Sie eingeleitet bzw. werden Sie einleiten, um dagegen zu steuern?
Grundsätzlich steigt der Gütertransport in Europa nach wie vor. Nachdem die Nachholeffekte aus der Finanzkrise des Jahres 2009 abgeklungen sind beobachten wir eine leichte Abschwächung des globalen Transportwachstums. Wir haben jedoch derzeit keine Anzeichen dafür, dass unsere Geschäfte einbrechen. Die Nachfrage nach Waggons ist unverändert hoch, und auch unsere Kunden berichten von einer immer noch guten Auslastung. Daher bin ich zuversichtlich, dass sich nach der zu beobachtenden Beruhigung des zuvor stürmischen Wachstums keine Rezession wie 2009 einstellen wird.
Die Q3-Zahlen lagen insgesamt im Rahmen der Erwartungen. Einzig der Konzernüberschuss wurde durch ein negatives Finanzergebnis überraschend stark belastet. Wo liegen die Gründe?
Die zusätzlichen Aufwendungen, um die wir das Ergebnis bereinigt haben, resultieren lediglich aus der vorzeitigen Ablösung eines bestehenden Kreditvertrages durch eine privat platzierte US-Anleihe. Bisher weisen wir 23 Millionen Euro als Folge der Umfinanzierung aus, zu denen auch Marktbewertungen von ineffektiven Derivaten gehören, die wir dank der neuen Anleihe mit ihrem festen Zinssatz nicht mehr brauchen. Leider ist der Marktzins seit der Umfinanzierung weiter gefallen, damit waren die Korrekturen der Bewertungen höher als erwartet. Allerdings wird sich das langfristig mit dem Auslaufen der Derivate wieder auflösen.
Ist künftig wieder mit einer Entlastung des Finanzergebnisses zu rechnen?
Die Umfinanzierung im Jahr 2011 hat unser Finanzergebnis stark belastet. Diese Belastung aus Einmaleffekten wird in den kommenden Jahren spürbar zurückgehen.
Wie lautet ihre Prognose für das laufende Gesamtjahr?
Wir erwarten einen Jahresumsatz in der oberen Hälfte unserer Prognose von 720 bis 760 Millionen Euro und ein EBITDA zwischen 165 und 170 Millionen Euro.
Können Sie hier - vier Wochen vor Jahresschluss - schon etwas konkreter werden?
Wir erwarten die Prognose in der oberen Hälfte des Korridors zu treffen.

Trotz des eher defensiven Geschäftsmodells mit einer soliden Kundenbasis und längerfristigen Vermietungsverhältnissen ist die Aktie in den letzten Tagen deutlich unter Druck geraten. Wo liegen die Gründe für diesen Kursrutsch?
Im Wesentlichen dürfte dieser Kursverlust den Unsicherheiten an den Kapitalmärkten geschuldet sein. Wir liegen mit unserer Prognose von 165 bis 170 Millionen Euro operativem Ergebnis absolut im Plan.
Wie sehen vor diesem Hintergrund Ihre mittelfristigen Planungen aus?
Wir werden, wie in den Vorjahren, auch weiterhin sowohl organisch als auch durch Akquisitionen wachsen. Die rechtzeitige Neustrukturierung unserer Konzernfinanzierung gibt uns die dafür notwendige Flexibilität.
Vielen Dank für das Gespräch!