Volkswirt Kohl: „Unternehmensanleihen statt Aktien“
Viele Marktteilnehmer hoffen darauf, dass nach dem energischen Einschreiten von EZB und FED die Märkte weiter nach oben streben. Zumindest in den letzten Handelstagen ist die Risikobereitschaft der Investoren weiter gestiegen. Geht es nach David Kohl, dem Chefvolkswirt von Julius Bär, so sollten Anleger Aktien mit Vorsicht genießen.
DER AKTIONÄR: Herr Kohl, die Europäische Zentralbank EZB und die Fed haben zuletzt die Geldschleusen geöffnet. War das ihrer Meinung nach jetzt nun der große Wurf, sprich, die richtige Strategie?
DAVID KOHL: Die EZB und Fed verfolgen grundsätzlich verschiedene Ziele bei ihren Ankaufprogrammen. Die Fed möchte die Wirtschaft retten, koste es was es wolle, die EZB die Währung. Die unterschiedliche Ausrichtung hat Auswirkungen, der Euro wird stabilisiert, wohingegen die US-Währung leidet. Die Maßnahmen sind hilfreich für eine Liquiditätsrally. Allerdings ist damit noch nicht genug für eine wirtschaftliche Erholung getan. Die schwache Wirtschaftsentwicklung dürfte noch einige Monate die Börsen belasten.
Die Eurokrise belastet die Konjunktur. Die wirtschaftliche Dynamik hat in den letzten Monaten deutlich nachgelassen. Wann nimmt der Wachstumsmotor wieder an Fahrt auf?
Die EZB hat im November 2011 mit Zinssenkungen begonnen, um auf die schwache Konjunktur zu reagieren. Eine lockere Geldpolitik wirkt erst nach 9 bis 15 Monaten, das heißt jetzt. Allerdings hat die Fiskalpolitik die Konjunktur in derselben Zeit eher belastet, daher erwarten wir nur bescheidene positive Wachstumstendenzen bis Jahresende. Unter der Voraussetzung weiterer geldpolitischer Maßnahmen (zum Beispiel Zinssenkungen) in der Eurozone und der Vermeidung einer fiskalpolitischen Vollbremsung in den USA zu Beginn 2013, könnte der Wachstumsmotor bereits in der ersten Jahreshälfte 2013 wieder Fahrt aufnehmen.
DAX und Co sind zuletzt deutlich angestiegen. Wie sollten sich die Anleger jetzt verhalten?
Liquidität, schwache Konjunktur und starke Unternehmensbilanzen, sprechen eher für hochverzinsliche Unternehmensanleihen als für Unternehmensbeteiligungen sprich Aktien.
Herr Kohl, vielen dank für das Gespräch.
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