Volkswirt Kohl: „Märkte setzen auf wirtschaftliche Erholung“
Viele Marktteilnehmer hoffen auf ein energisches Einschreiten der EZB um die Euro-Krise einzudämmen. Davon angefeuert, befindet sich der deutsche Aktienmarkt wieder im Aufwind. Geht es nach David Kohl von Julius Bär, setzen die Märkte derzeit auf eine wirtschaftliche Erholung.
DER AKTIONÄR: Herr Kohl, EZB-Chef Draghi hat seinen großen Ankündigungen wenig Taten folgen lassen. Warum reagierten die Aktienmärkte in den letzten Tagen dennoch so euphorisch?
DAVID KOHL: Nach der ersten Enttäuschung, dass die EZB nicht sofort am Anleihemarkt tätig geworden ist, wird die neue (angekündigte) Maßnahme der EZB zunehmend als ein Garant dafür gesehen, dass es nicht zum schlimmsten kommt. Die Märkte setzen daher auf eine wirtschaftliche Erholung. Vielversprechende Zahlen aus den USA und China stützen diese Hoffnung.
Wie werden Draghi & Co in den nächsten Wochen verfahren - wird die EZB eine Art Brückenfinanzierung für die ganzen Banken geben, heißt, können die Banken ihre ganzen Anleihe-Bestände bei der EZB abladen?
Das ist ja derzeit schon der Fall. Die Abhängigkeit der Bank von EZB Liquidität bleibt weiterhin hoch.
Sofern die EZB eingreift und weitere Anleihen aufkauft. Wäre das dann der Befreiungsschlag, auf den die Märkte warten beziehungsweise der jetzt fast schon vorweg genommen wird?
Ein Befreiungsschlag ist das nicht, sondern eher eine Sorge weniger.
Wo liegen derzeit ihrer Ansicht nach die größten Gefahren für die Börsen?
Der Konjunkturabschwung könnte sich noch verschärfen, das Bundesverfassungsgericht lehnt den ESM ab und die US Fiskaldebatte rückt näher.
Herr Kohl, vielen dank für das Gespräch.
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