Vertex: "Der Titel weist signifikantes Potenzial auf"
DER AKTIONÄR sprach mit dem neuen Management von BB Biotech über die Chancen im Healthcare-Sektor. Lesen Sie im zweiten Teil des großen Interviews mehr über die Aussichten der Kernbeteiligung Vertex Pharmaceuticals, die Chancen der kleineren Investments und die Perspektiven für den gesamten Biotech-Sektor.
Seit Ende September des vergangenen Jahres leiten Elhan Kosar und Daniel Koller das Management der Schweizer Beteiligungsgesellschaft BB Biotech. DER AKTIONÄR sprach mit den beiden Experten über die richtige Strategie für Investments im Healthcare-Sektor, die Perspektiven für die wichtigsten Titel aus dem Portfolio und Aussichten für den gesamten Biotech-Sektor.
Bei Vertex wird es dieses Jahr spannend. Noch für das erste Halbjahr werden die Daten aus der entscheidenden Phase III mit dem potenziellen Hepatitis-C-Mittel Telaprevir erwartet. Wann rechnen Sie mit den Daten?
Daniel Koller: Im Verlauf des Jahres werden aller Voraussicht nach Daten mehrerer Registrierungsstudien zu Telaprevir veröffentlicht. Im Frühsommer ist mit ersten Erkenntnissen zu rechnen, welche dann an der diesjährigen AASLD-Konferenz im Herbst präsentiert werden.
Wir gehen davon aus, dass Telaprevir im kommenden Jahr den Markteintritt schafft. Das Medikament hat das Potenzial, eine der erfolgreichsten Lancierungen zu werden.
In der aktuellen Börsenbewertung von fast acht Milliarden Dollar stecken schon einige Vorschusslorbeeren mit drin. Wie viel Aufwärtspotenzial sehen Sie im Fall positiver Daten noch für den Titel?
Daniel Koller: Der Titel weist noch signifikantes Potenzial auf. Dieses hängt aber nicht nur vom alleinigen Erfolg von Telaprevir in den kommenden Jahren ab, sondern zunehmend auch von der Entwicklung möglicher Konkurrenten.
Biogen-Idec-Chef Mullen hat vor kurzem seinen Abschied für Juni angekündigt. Am Markt wird nun spekuliert, dass Großaktionär Carl Icahn einen neuen Versuch starten könnte, das Unternehmen zu verkaufen. Glauben Sie, dass diese Gerüchte den Aktienkurs, der zuletzt schon wieder deutlich angesprungen ist, weiter beflügeln werden? Für wie realistisch erachten Sie ein Übernahme-Szenario für Biogen Idec?
Elhan Kosar: Biogen Idecs Erfolgsgeschichte basiert einerseits auf Rituxan, welches von Roche vertrieben wird und andererseits auf der langjährigen erfolgreichen Entwicklung und Vermarktung von Avonex und Tysabri zur Behandlung von Multipler Sklerose. Ein Übernahmeszenario hängt primär vom zukünftigen Potenzial dieser Medikamente sowie der Produktpipeline des Unternehmens ab.
Auch bei Genzyme gab es zuletzt Gerüchte um eine stärkere Einmischung von Multi-Milliardär Icahn. Das Unternehmen hat seine Aktionäre in den letzten Monaten nicht unbedingt mit guten Nachrichten verwöhnt. Wie sehen Sie hier die weitere Entwicklung? Bleiben Sie investiert?
Daniel Koller: Genzyme hat die wichtigsten Produktionsprobleme wieder unter Kontrolle gebracht und sollte per Sommer 2010 wieder über eine hohe Kapazität als auch über eine verbesserte Qualitätssicherheit verfügen. Die Gesellschaft hat sich personell im Bereich Qualitätssicherung und Produktion signifikant verstärkt. Dies sollte es ihr erlauben, das Kerngeschäft weiterhin erfolgreich zu verteidigen.
Ihre Beteiligung Arena Pharmaceuticals liefert sich ein Wettrennen um eine neue "Schlankheitspille" mit Vivus und Orexigen. Wer hat im Moment die Nase vorn?
Elhan Kosar: Der Markt zur Behandlung von Fettleibigkeit ist enorm und wird für mehrere neue Arzneimittel Platz bieten. Im Gegensatz zu Konkurrenzprodukten basiert Arenas Lorcaserin auf einem besser verträglichen Wirkstoff, was das Unternehmen in eine gute Position bringt.
Im Falle eines positiven Entscheides durch die Behörden erwarten wir eine erfolgreiche Markteinführung. Zudem wird danach in weiteren Studien Lorcaserin in Kombinationen mit anderen Wirkstoffen getestet, um eine Maximierung der Gewichtsreduktion zu erzielen.
Gibt es eine Ihrer kleineren Beteiligungen, für die 2010 wichtige Daten oder FDA-Entscheide anstehen?
Elhan Kosar: Dieses Jahr wird für einige Gesellschaften von hoher Bedeutung sein. Nebst der für Arena wichtigen Zulassungsentscheidung zu Lorcaserin werden ebenso regulatorische Beschlüsse bei Amgens Denosumab (Osteoporose) und Nicox' Naproxcinod (Schmerzmittel) erwartet. Wichtige Phase-III-Studienresultate stehen sowohl für Fidaxomicin von Optimer (Antibiotikum) als auch für den Jak1/2-Inhibitor von Incyte (Knochenmarkkrebs) aus.
Der Nasdaq Biotech Index, den Sie selbst auch als Benchmark für Ihre Performance angeben, befindet sich derzeit wieder deutlich im Aufwind. Wie weit kann der Höhenflug bis Ende des Jahres noch gehen?
Elhan Kosar: Wir sind überzeugt, dass viele der Gesellschaften aufgrund der signifikanten operativen Fortschritte und weiterhin sehr attraktiven Bewertungen noch einigen Spielraum nach oben aufweisen. Da viele Gesellschaften über ein Gewinnwachstum von 20 Prozent verfügen, wäre ohne eine Bewertungserweiterung mit einer deutlichen Aufwertung vieler Biotechnologieaktien zu rechnen.
Die Börsenbewertung von BB Biotech weist derzeit einen Discount von über 20 Prozent gegenüber dem inneren Wert auf. Welche Maßnahmen wollen Sie ergreifen, um den Abschlag abzubauen?
Daniel Koller: Wir arbeiten daran, den Abschlag zu reduzieren, indem wir einerseits mit dem angelaufenen Aktienrückkaufprogramm fortfahren, andererseits die Anstrengungen vertiefen, unsere Aktionärsbasis zu verbreitern. Wir sind überzeugt, dass die Biotech-Industrie mittels neuen differenzierenden Medikamenten auch zukünftig nachhaltig überdurchschnittlich wachsen wird und damit das Interesse eines breiten Investorenkreises verdient.
Vielen Dank für das Gespräch!
Lesen Sie die aktuelle Einschätzung von DER AKTIONÄR zur Aktie von BB Biotech in der aktuellen Ausgabe des Printmagazins, die seit gestern am Kiosk erhältlich oder hier als e-Paper abrufbar ist.
Hier geht's zum ersten Teil des großen Interviews mit BB Biotech.
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