Martin Weiß
Die Aktie von Europas größtem unabhängigem Internetkonzern hat sich in den vergangenen drei Wochen wacker geschlagen. Das Minus beträgt bislang "nur" 25 Prozent. Eine Verkaufsstudie könnte jetzt aber doch noch einen massiven Kurseinbruch nach sich ziehen.
Gut ist offenbar nicht gut genug. United Internet (UI) hat im Wochenverlauf das beste erste Halbjahr in seiner Firmengeschichte gemeldet und die Prognosen für das Gesamtjahr 2011 konkretisiert, trotzdem empfiehlt Goldman-Sachs-Analyst Hugh McCaffrey Anlegern den TecDAX-Titel schnellstmöglich zu verkaufen. Das Kursziel für UI, unter dessen Dach bekannte Namen wie 1&1, GMX und Web.de firmieren, wurde von 14 auf 12 Euro gekappt.
Aktie vor Absturz
Die Reaktion der Anleger auf den Call lässt nicht lange auf sich warten. Beim Wertpapierhändler Lang & Schwarz notiert die UI-Aktie rund 3,9 Prozent niedriger bei 10,75 Euro. Die vorherrschende Angst am Gesamtmarkt vor einer Weltwirtschaftskrise könnte im Tagesverlauf aber noch zu deutlich höheren Verlusten führen.
Hugh McCaffrey begründet sein hartes Urteil mit den Kosten in United Internets Applications-Sparte. In dem Bereich bündelt der Konzern unter anderem seine Hosting-, Online-Marketing- und Cloud-Produkte.
Die Sparte galt bislang als besonders wachstumsträchtig und sei deshalb wesentlich für den Wert von United Internet. Der Analyst befürchtet nun niedrigere Margenprognosen und damit einhergehend sinkende Bewertungsmultiplikatoren.
Das zweite Kerngeschäftsfeld mit Internetzugängen könne dies nicht kompensieren, heißt es in der Studie weiter.

Unsichere Zeiten
Mit dem Bruch der mittelfristigen horizontalen Unterstützung eröffnet sich - unterstützt durch die miese Stimmungslage am Gesamtmarkt - für die Aktie zusätzliches Abwärtspotenzial. Sollte es zu einem Ausverkauf kommen, können Anleger versuchen, mit einem Abstauberlimit im Bereich um 9/10 Euro zum Zug zu kommen.