Thorsten Küfner
Während die traditionellen Banken 2009 schwer unter der Krise zu leiden hatten, setzt die Umweltbank ihren Rekordkurs fort. DER AKTIONÄR sprach deshalb mit dem Vorstandsvorsitzenden und Gründer der Nürnberger Bank, die ausschließlich ökologisch sinnvolle Projekte finanziert, Horst P. Popp.
Abschreibungen auf riskante Wertpapiere, ein Anstieg der Kreditausfälle, unzufriedene Kunden - diese Probleme scheint die Umweltbank nicht zu kennen. Das Nürnberger Institut, das ausschließlich Projekte finanziert, die ökologisch sinnvoll sind, dürfte deshalb 2009 erneut ein Rekordergebnis erzielt haben. DER AKTIONÄR sprach deshalb mit dem Vorstandsvorsitzenden und Gründer Horst P. Popp.
Herr Popp, sind Sie mit dem Verlauf des Geschäftsjahrs 2009 zufrieden?
Wir sind mit dem Jahr 2009 hochzufrieden. Das zweite Halbjahr ist mindestens so gut gelaufen wie das erste, wenn nicht sogar noch besser. Allerdings kann ich noch nicht zu viel verraten, da die endgültigen Zahlen erst Ende Januar beziehungsweise Anfang Februar veröffentlicht werden.
Ist auch die Zahl der Kunden erneut gestiegen?
Ja, denn da wir sozusagen auf Wachstum programmiert sind, wachsen wir jeden Tag weiter. Teilweise wachsen wir noch schneller als wir uns dies gewünscht haben, da die Nachfrage der Kunden gerade durch die Finanzkrise zuletzt deutlich gestiegen ist.
Denn durch die Krise sind die Kunden wesentlich zurückhaltender geworden, was Spekulationen anbelangt und legen eher Wert auf Sicherheit. Bei uns wissen die Anleger genau was mit ihrem Geld gemacht wird - es werden Umweltprojekte gefördert.
Dies dürfte dazu geführt haben, dass 2009 das beste Einlagenzuwachsjahr in der Geschichte der Umweltbank war.

Viele Banken haben derzeit mit steigenden Kreditausfallraten zu kämpfen. Spürt die Umweltbank auch eine Zunahme der Kreditausfälle?
Nein, da wir schon immer eine sehr konservative Kreditpolitik betreiben. Die Vorgabe für unsere Kreditabteilung lautet: Ausfallrate von 0 Prozent. Zwar gibt es immer wieder Einzelfälle, bei denen wir vereinzelt kleine Teilausfälle zu beklagen haben. Aber wir konnten bereits 2008 sogar Rückstellungen auflösen und auch derzeit tendiert die Ausfallrate gegen 0.
Wie entwickelt sich derzeit die Nachfrage nach Krediten für Solarprojekte?
Wir erleben derzeit keinen echten Wintereinbruch, auch wenn die Nachfrage natürlich unter dem Niveau des Sommers liegt. Aber aufgrund der Gefahr, dass zur Jahresmitte die Einspeiseevergütung gesenkt wird, versuchen viele Investoren noch im ersten Halbjahr ihre Projekte voranzutreiben. Daher läuft es derzeit deutlich besser als vor einem Jahr, als die Nachfrage noch auf sehr geringem Niveau verharrte.
Wie viel Prozent des Kreditvolumens der Umweltbank werden jeweils für Solar/Wasser-/Wind-/Biomasse-Projekten verwendet?
Bezogen auf die Halbjahreszahlen zum 30.06. (im Vergleich zum Stand Ende des Jahres dürfte sich allerdings nur wenig verschoben haben) wurden 49 Prozent des Kreditvolumens für Solarprojekte verwendet (der Anteil der Solarprojekte am Geschäftsvolumen liegt etwas niedriger), 30 Prozent werden für ökologisches Bauen genutzt. 14 Prozent des Kreditvolumens fließen in Wind- und Wasserkraftprojekte, wobei wir vor allem im Bereich Wasserkraft fortlaufend neue Kreditanträge erhalten, da wir uns gerade in diesem Segment als Spezialist hervorgetan haben. Denn in diesem Bereiche ist vor allem spezielles Know-How gefragt. Die restlichen sieben Prozent fließen in die Bereiche Biogas/Biomasse und ein kleiner Teil in die ökologische Landwirtschaft.
Können sich ihre Anteilseigner nun auf eine Dividendenerhöhung (Anm. d. Red.: zuletzt 0,50 Euro je Aktie) freuen?
Ja, das können sie. Für unser weiteres Wachstum betreiben wir aber nach wie vor Gewinnthesaurierung. Dies hat uns ermöglicht, in den vergangenen Jahren so dynamisch zu wachsen, ohne eine Kapitalerhöhung durchzuführen (die letzte wurde 2001 durchgeführt). Mit den einbehaltenen Gewinne sowie der Ausgabe eines neuen Genussscheins Ende März im Volumen von 5,5 Millionen Euro sehen wir uns für 2010 wieder sehr gut gerüstet.
Langfristig planen wir, knapp die Hälfte unserer künftigen Gewinne zu thesaurieren und die andere Hälfte an unsere Aktionäre auszuschütten.
Wie lauten die mittel- bis langfristigen Ziele der Umweltbank?
Wir halten an unserem Ziel fest, jedes Jahr 10.000 Kunden hinzuzugewinnen. Bis Ende 2011 wollen wir 100.000 Kunden betreuen. Danach nehmen wir uns vor, die Kundenzahl innerhalb der darauf folgenden zehn Jahre nochmals zu verdoppeln.
Warum müsste Ihrer Meinung nach der Aktienkurs der Umweltbank 2010 zulegen?
Weil sich die Umweltbank 2009 sehr gut entwickelt hat und dies auch 2010 tun wird. Wir sind weiterhin auf einem starken operativen Wachstumspfad. Für mich ist mit Blick auf das nächste Jahrzehnt nicht absehbar, warum dieses Wachstum ins Stocken geraten sollte.
Über welche Meldung würden Sie sich 2010 besonders freuen?
Ehrlich gesagt, wären wir nicht einmal traurig darüber, wenn das öffentliche Interesse sogar etwas nachlassen würde. Freuen würde ich mich aber beispielsweise darüber, wenn es heißen würde: Die Umweltbank ist in der Lage, durch eine Kapitalerhöhung oder einen Großaktionär das Eigenkapital zu verdoppeln oder zu verdreifachen. Das käme einem Quantensprung gleich, wodurch wir das Ziel, 200.000 oder sogar zwei Millionen Kunden zu betreuen, schnell in Angriff nehmen könnten.
Herr Popp, vielen Dank für das Gespräch
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