Michael Herrmann
TUI treibt den Konzernumbau voran. Die Aufsichtsräte von Europas größtem Reiseanbieter wollen sich zusammensetzen, um die Pläne zum Umbau zu einem reinen Touristikunternehmen zu diskutieren. Die Optionen sind vielfältig und die Pläne engagiert.
Wie DER AKTIONÄR bereits vor wenigen Tagen berichtete, plant TUI-Chef Michael Frenzel den Umbau des Konzerns zu einem reinen Touristikunternehmen. Heute will sich nun auch der Aufsichtsrat mit diesem Thema beschäftigen. Voraussetzung für den Ausbau scheint der Verkauf von Hapag-Lloyd, von dessen Mehrheitsanteilen sich der Aufsichtsrat bereits vor zwei Jahren trennen wollte. Durch die weltweite Wirtschaftskrise geriet die Reederei jedoch in große Schwierigkeiten, weshalb ein Verkauf nur schwer möglich gewesen wäre. Nun scheint Hapag-Lloyd aber über dem Berg zu sein. Eine Trennung rückt daher immer näher, denn der TUI-Chef Frenzel kann die entstehenden Einnahmen gut gebrauchen, um die Expansionspläne im Reisegeschäft fortzuführen.
Expansionspläne
Einen ersten Vorgeschmack dieser Strategie bekamen Anleger durch die jüngst getätigte Beteiligung am Spezialveranstalter Boomerang-Reisen, dessen Schwerpunkt auf Individualreisen in Australien und Neuseeland liegt der aber auch Reisen nach Afrika, Kanada oder in die Südsee anbietet. Künftig sollen ausgewählte TUI-Reisebüros die Boomerang-Produkte verkaufen. Weiteres Wachstum in Deutschland dürfte allerdings schwierig werden, da TUI mit einem Marktanteil bei organisierten Reisen von über 20 Prozent bereits Marktführer ist. Möglich wäre allerdings eine Erhöhung der Anteile an dem vor drei ausgegliederten Pauschalreisegeschäfts.
Ausbau der Angebote
Ein weiteres Ziel ist der Ausbau lukrativer Angebote wie exklusive Hotels oder auch Kreuzfahrten. Im vorigen Jahr war TUI bereits erfolgreich mit einem eigenen Schiff in den Kreuzfahrtmarkt eingetreten, der immer noch als sehr chancenreich gilt. Die "Mein Schiff" war im dritten Quartal zu 93 Prozent ausgelastet. Bereits im nächsten Jahr soll daher ein weiteres Schiff in See stechen und Weitere könnten im Erfolgsfall folgen.
Ruslland, China und Indien im Visier
Bereits seit längerem plant Frenzel zudem den Ausbau des internationalen Geschäfts. Vorangekommen ist TUI dabei zuletzt vor allem in Russland. Hier kommt TUI die Aufstockung der Anteile des russischen Großaktionär Alexej Mordaschow auf 25 bis 30 Prozent zu Gute. Frenzel und Mordaschow wollen gemeinsam den russischen Markt für Reiseveranstalter erobern, auf dem sie große Wachstumschancen sehen. Die Russen gelten als reisefreudig und bereit, viel Geld für Urlaub auszugeben. Auch in China und Indien, wo zusammen schätzungsweise etwa 2,5 Milliarden Menschen Leben, hat TUI schon sondiert.

Spekulationsobjekt
Schlüssel für die Ausweitung des Reisegeschäfts bleibt der Verkauf der Hapag-Anteile. Um einen hohen Preis zu erzielen hieß es dazu, dass man keine Eile habe. Mit wegweisenden Entscheidungen im Aufsichtsrat ist deshalb heute wohl nicht zu rechnen, sodass die Spekulationen über die Neuausrichtung des Konzerns in den nächsten Wochen weitergehen dürften. Die TUI-Aktie dürfte damit auch in den kommenden Wochen immer wieder für heftige Kursauschläge - in beide Richtungen - gut sein. Daher sollten derzeit nur spekulativ orientierte Anleger bei Europas größtem Reisekonzern einsteigen.