Markus Horntrich
Tonkens Agrar profitiert derzeit von steigenen Preisen für Agrarrohstoffe. Nach den erfreulichen Zahlen für das erste Halbjahr 2010/11 verriet Firmenchef Gerit Tonkens, was vom "Kartoffelbauern" im laufenden Jahr noch zu erwarten ist und wie die Perspektiven für das nächste Geschäftsjahr sind.
Im Geschäftsjahr 2009/2010 erzielte Tonkens Agrar noch einen Gewinn je Aktie von 1,22 Euro. Nach Einschätzung von Silvia Quandt soll sich das Ergebnis im laufenden Jahr auf 2,53 Euro mehr als verdoppeln. DER AKTIONÄR wollte vom Gründer und Großaktionär Gerrit Tonkens wissen, ob es außer den Kartoffelpreisen auch noch andere ertragsstimulierende Faktoren gibt.
DER AKTIONÄR: Herr Tonkens, Sie sind dabei, zehn Millionen Euro in eine neue Kartoffelveredelungsanlage zu investieren. Was hat denn diese Anlage für eine Amortisationszeit?
Gerrit Tonkens: Das Gebäude hat einen Wert von 1,3 Millionen Euro, der Rest wird in Maschinen investiert. Damit sind wir in der Lage, 30 Tonnen Kartoffeln pro Tag zu schälen und vakuum zu verpacken. Wir gehen von einer Amortisationszeit von sieben Jahren aus.
Wie finanzieren Sie dieses größte Investment in Ihrer Firmengeschichte?
Wir setzen ungefähr 20 Prozent Eigenkapital ein, der Rest kommt über eine Bankfinanzierung, wobei wir auch darauf hoffen, daß wir einen nichtrückzahlbaren Zuschuss in beträchtlicher Größenordnung bekommen.
Sie erhalten per April 230 Euro für die unveredelte Tonne Kartoffeln. Um wie viel steigt Ihr Abgabepreis, wenn Sie die Kartoffeln in geschälter und verpackter Form verkaufen?
Der Preis steigt auf 700 Euro die Tonne, also fast das Dreifache wie bei der unveredelten Kartoffeln. Wir wollen im Jahr durchschnittlich 9.000 Tonnen durchsetzen, das sind zwischen 15 und 20 Prozent unseres gesamten Absatzes.
Gehen diese Kartoffeln alle ins Ausland oder ist auch die Nachfrage am deutschen Markt so groß, dass Sie diese Investition tätigen mussten?
Die geschälten Kartoffeln bleiben alle in Deutschland, ins Ausland liefern wir nur ungeschälte Kartoffeln.
Welche Preise hätten Sie erzielt, hätten Sie die ganzen Produkte nach der Ernte sofort verkauft beziehungsweise um wie viel wären die Preise niedriger gewesen, wenn Sie sofort verkauf hätten?
Während der Ernte erhalten wir Preise von circa 160 Euro die Tonne als Speisefrühkartoffeln, also knapp 100 Euro weniger. Sie sehen daher, es lohnt sich derzeit, die Kartoffel länger am eigenen Lager zu behalten.
Wann werden Sie mit dem Bau der zweiten Biogasanlage beginnen und wie groß ist diese in ihrer Kapazität im Vergleich zur ersten Anlage?
Wir bauen derzeit die erste Biogasanlage, die so ausgelegt ist, dass wir in der Endphase circa ein Megawatt Leistung erzielen können. Wir bauen derzeit ein Blockheizkraftwerk von 500 Kilowatt und können zu einem späteren Zeitpunkt ein zweites dazustellen. Bei dieser Kapazität haben wir den Vorteil, dass der Anlagenbetrieb billiger ist, als wenn man zwei kleine Anlagen betreibt. In diesem Jahr planen wir nicht, mit dem Bau der zweiten Biogasanlage zu beginnen.
Was für Expansionspläne haben Sie noch in der Schublade liegen?
Wir wollen Flächen hinzupachten oder hinzukaufen, wie auch die Verarbeitungskapazitäten für die Kartoffeln erhöhen. Aber dies ist alles nicht für dieses Jahr geplant. Wir können in die gekaufte Halle auch andere Weiterverarbeitungsanlagen aufstellen, zum Beispiel zum Zwiebelschälen oder zum Kartoffelgaren et cetera. Geplant ist das für das Jahr 2012.
Wie sind Sie mit den Zahlen für das erste Halbjahr 2010/2011 zufrieden?
Es ist uns gelungen, einen Umsatz von knapp 8,4 Millionen Euro bei einem Gesamtertrag von 10,24 Millionen Euro zu erzielen. Das Ergebnis je Aktie lag bei 1,03 Euro. Dies ist fast so viel, als wir im gesamten Jahr 2009/10 verdient haben. Dort hat der Gewinn je Aktie bei 1,22 Euro gelegen.

Wie komfortabel fühlen Sie sich mit der Schätzung von Silvia Quandt, wonach sich das Ergebnis je Aktie im laufenden Jahr von 1,22 Euro auf 2,53 Euro mehr als verdoppeln soll?
Ich glaube, daß wir in line liegen und das Ziel der Gewinnverdoppelung im Vergleich zum Vorjahr erreichen können und das Gewinnwachstum auch im kommenden Jahr weiter gehen wird.
Welche Erwartungen haben Sie zum Aktienkurs?
Wir haben im laufenden Geschäftsjahr jetzt noch knapp drei Monate zu arbeiten. Der Blick der Aktionäre geht ja immer sechs Monate in die Zukunft, und dies bedeutet, dass wir in ein Jahr hineinwachsen, wo wir deutlich bessere Ertragsperspektiven haben: Zum einen durch die Kartoffelaufbereitungsanlage, zum anderen durch die ganzjährige Verfügbarkeit der regenerativen Energien.
Wenn Sie berücksichtigen, dass wir bereits im ersten Halbjahr eine EBIT-Marge von über 21 Prozent erzielt haben, dann kann sich jeder Aktionär ausrechnen, dass wir im kommenden Jahr eine höhere EBIT-Marge erreichen werden. Und dies sollte von den Anlegern honoriert werden.
Herr Tonkens, vielen Dank für das Gespräch
