Leon Müller

Tomorrow Focus hat Mitte vergangener Woche seine Zahlen für 2009 vorgelegt, dabei sowohl hinsichtlich Umsatz als auch Gewinn positiv überrascht. DER AKTIONÄR sprach mit Stefan Winners, dem Chef des Internetkonzerns, über die Ergebnisse, die Strategie für 2010 und die Bedeutung des Apple iPad für die Medien- und Internetbranche.
Tomorrow Focus hat im zurückliegenden Jahr einmal mehr einen Rekordeinnahmen eingefahren, den Umsatz um 19,5 Prozent auf 92,2 Millionen Euro gesteigert. Treiber dieser starken Entwicklung war insbesondere das E-Commerce-Segment. Um 26,2 Prozent stiegen die Erlöse. Auch im Portalgeschäft konnte Tomorrow Focus Erfolge feiern. Auch wenn das Segmentergebnis negativ blieb, lässt sich ein Silberstreif am Horizont erkennen. Focus Online wies eine schwarze Null aus. DER AKTIONÄR sprach mit Stefan Winners, dem Chef des Internetkonzerns, über die Ergebnisse, die Strategie für 2010 und die Bedeutung des Apple iPad für die Medien- und Internetbranche.
Herr Winners, wie geht es Ihnen?
Stefan Winners: Sehr gut. Wie sollte es auch anders sein. Wir haben 2009 - dem wohl schwierigsten Jahr seit Ende des Zweiten Weltkriegs - ein Umsatzwachstum von 19,5 Prozent erzielt. Ich denke, dass kann sich sehen lassen.
Die Entwicklung in den einzelnen Segmenten war aber unterschiedlich ausgeprägt. Das Portalgeschäft schrieb rote Zahlen.
Selbst im Portalgeschäft konnten wir den Umsatz auf Jahressicht steigern und den Verlust verringern. Focus Online beispielsweise hat bei rund zehn Millionen Euro Umsatz eine schwarze Null geschrieben. Das vierte Quartal war hier besonders stark.
Läuft es also wieder besser im Werbemarkt?
Durchaus. Der Bereich Advertising hat im 4. Quartal wieder die Kurve gekriegt. Und wir haben die Reichweite gesteigert. Das letzte AGOF-Ranking hat ergeben, dass wir uns binnen Jahresfrist von Platz 4 auf Platz 2 unter den Vermarktern verbessert haben. Wir erreichen inzwischen jeden zweiten Deutschen, der online ist.
Dennoch, das Ergebnis im Segment blieb negativ.
Wir haben hier antizyklisch investiert. Nehmen Sie Finanzen100, jameda.de oder nachrichten.de. Das sind komplett neue Projekte, die auch in 2010 im Portalbereich noch Anlaufverluste zu verzeichnen haben und erst ab 2012 zum Gewinn beitragen werden. Auch der Online-Werbemarktplatz Adjug fällt in dieses Segment. Insgesamt haben wir im Portalsegment 2009 rund 3,5 Millionen Euro investiert. Weitere 2,5 Millionen Euro flossen in das E-Commerce-Segment, dort vor allem in die Internationalisierung von HolidayCheck. Dort haben wir den Umsatz um 26,2 Prozent auf 64,5 Millionen Euro gesteigert.
Bleiben wir noch kurz bei Adjug. Was darf man von dem Werbemarktplatz erwarten?
Adjug hat 2009 etwa fünf Millionen Euro umgesetzt. Wir haben die Beteiligung im November aufgestockt, weil wir von dem Unternehmen überzeugt sind. Wir gehen davon aus, dass Adjug den Umsatz in 2010 um rund 100 Prozent auf dann 10 Millionen Euro steigern kann.
Umsatz ist nicht alles. Wie ist es um die Margen bestellt?
Langfristig dürfte Adjug zwischen zehn und 20 Prozent EBIT-Marge erwirtschaften.
Bereits in wenigen Wochen wird das iPad von Apple auf den Markt kommen.
Das iPad wird ein großes Thema sein. Unsere Technologietochter Cellular arbeitet hier bereits an verschiedenen Projekten.
Ausschließlich für Konzerninterne Kunden oder sind auch -externe darunter?
Wir haben mehrere externe als auch interne Kunden, die Cellular damit beauftragt haben, Anwendungen für das iPad zu entwickeln. Cellular baucht zudem im Moment duzende IPhone-Apps.
Nehmen wir nur mal die internen. Mit welcher App gehen Sie als erstes an den Start?
Ob als erstes kann ich nicht sagen. Auf in jedem Fall wird die iPad-App von Focus Online eine der ersten sein, die wir auf den Markt bringen.
Themenwechsel. Vor wenigen Wochen haben Sie im Interview mit dem AKTIONÄR angekündigt, in Bälde einen Finanzvorstand zu engagieren. Wann wird es soweit sein?
Der Aufsichtsrat hat final beschlossen, einen Finanzvorstand zu suchen. Gehen Sie davon aus, dass wir noch im Laufe dieses Jahres einen Finanzvorstand engagieren werden.
Womit dürfen Ihre Aktionäre sonst noch rechnen?
Wir haben drei große Ziele in diesem Jahr. Erstens: Die bestehenden Geschäfte deutlich ausbauen und wachsen, national wie international. Zweitens: Wir wollen die Eigenkapitalquote deutlich steigern. Zu diesem Zweck werden wir die Bankverbindlichkeiten bis Ende 2010 um zehn Millionen Euro reduzieren. Drittens: Wir werden in Übernahmen investieren, befinden uns bereits in Gesprächen, die im zweiten Halbjahr zu einem oder zwei Abschlüssen führen sollten...
...finanziert über eine Kapitalerhöhung...
...Nein, eine Kapitalerhöhung ist nicht notwendig, um unsere Ziele zu erreichen. Der Cash-Flow ist hoch genug. Wir brauchen kein frisches Kapital.
Soll heißen?
Wir fassen beispielsweise die Möglichkeit ins Auge, Mediavolumen gegen eine Beteiligung am Unternehmen zu tauschen. Wir haben eine hohe Reichweite, die wir hier einsetzen können. Und gerade junge Unternehmen brauchen Aufmerksamkeit- und die können wir bieten. Wenn - und ich betone an dieser Stelle, dass wir sehr, sehr selektiv investieren - unter diesen jungen Unternehmen eines ist, das uns überzeugt, werden wir womöglich die Option Media for Shares ziehen.
Vielen Dank für das Gespräch Herr Winners.
Kaufen mit Kursziel 7,00 Euro
DER AKTIONÄR sieht in Tomorrow Focus einen der Top-Picks im Medien- und Internetsektor. Die Aktie verfügt trotz des Anstiegs seit Herbst vergangenen Jahres über weiteres Potenzial. Das Kursziel auf Sicht von 12 Monaten beträgt 7,00 Euro. Daraus ergibt sich ein Aufwärtspotenzial in Höhe von über 60 Prozent. Ein Stopp bei 2,90 Euro sichert nach unten ab.