Thomas Bergmann
Die Übernahme von Tognum scheint in trockenen Tüchern. Vorstand und Aufsichtsrat des Motorenherstellers wollen das erhöhte Angebot von Daimler und Rolls-Royce annehmen. Gleichzeitig wurde die Annahmeschwelle gesenkt. Die Luft ist damit raus aus der Akie.
Der Tognum-Deal ist so gut wie perfekt. Wie bereits berichtet haben Daimler und Rolls-Royce ihr Angebot für Tognum um zwei Euro auf 26 Euro erhöht. Vorstand und Aufsichtsrat des Motorenherstellers wollen laut Pressemeldung von gestern Abend dieses Angebot auch annehmen und ihre Anteile von insgesamt rund fünf Prozent andienen. Damit kämen die Bieter deutlich über die gesenkte Annahmeschwelle von 30 Prozent.
Bislang wollten Daimler und Rolls-Royce mindestens 50 Prozent der Tognum-Aktien auf sich vereinen. Doch mit dem ersten Angebot von 24 Euro wären die Großkonzerne kläglich gescheitert. Neben Vorstand und Aufsichtsrat von Tognum hatten auch die übrigen Aktionäre den Preis als zu niedrig eingestuft.
Tognum stimmt zu
Mit der neuen Offerte konnten zumindest die Tognum-Gremien überredet werden. "Der Vorstand und der für die Übernahme eingerichtete Evaluierungsausschuss des Aufsichtsrats der Tognum AG haben sich hinsichtlich einer etwaigen Angebotsänderung bereits am Sonntag, den 15. Mai in einer außerordentlichen Sitzung beraten und begrüßen das erhöhte Angebot vorbehaltlich einer abschließenden Prüfung", heißt es in der Pressemitteilung aus Friedrichshafen. Zusammen mit dem Daimler-Paket von 28,43 Prozent kommen die Bieter damit deutlich über die nun geforderten 30 Prozent.
Angebotsfrist bis 1. Juni
Aufgrund der Angebotsänderung verlängert sich auch automatisch die Annahmefrist um zwei Wochen bis zum 1. Juni. In diesen 14 Tagen können Aktionäre ihre Anteile zu je 26 Euro andienen.
Auf eine erneute Aufstockung des Angebots brauchen die freien Aktionäre nicht mehr zu hoffen. Diese Geschichte ist jetzt durch. Es besteht lediglich die Option, dass Daimler und Rolls-Royce ihren Anteil weiter über die Börse aufstocken werden. Doch auch hierbei ist nicht mit Kursexzessen zu rechnen. Die beiden Großkonzerne werden dies wahrscheinlich Schritt für Schritt und über einen längeren Zeitraum vornehmen.
Völlig offen ist auch, ob irgendwann ein Squeeze-out angestrebt wird. Dieses Verfahren kann eröffnet werden, wenn ein Großaktionär mindestens 95 Prozent eines Unternehmens hält. Bis es soweit ist, können aber Jahre vergehen.

Gewinne mitnehmen!
Es besteht zwar nicht mehr die Gefahr eines Scheiterns, doch nach dem jüngsten Angebot ist die Luft aus der Tognum-Aktie raus. Wer investiert ist, sollte einen Großteil seiner Gewinne realisieren und die verbleibende Position mit einem engen Stopp laufen lassen.