Michael Schröder
Die Hoffnung auf anstehende Schritte zur Lösung der EU-Schuldenkrise sorgte zuletzt für das eindrucksvolle Comeback der Bullen am heimischen Aktienmarkt. Dennoch gibt es weiterhin viele Fragezeichen rund um die Schuldenpolitik der Staaten und die Entwicklung der Weltwirtschaft. Wie bewerten die Vorstände der heimischen Small- und MidCaps die aktuelle Situation? DER AKTIONÄR fragte nach.
DER AKTIONÄR sprach mit Dr. Hans Cornehl, Vorsitzender des Vorstands der Tipp24 SE, über die aktuelle Situation an den Finanzmärkten und mögliche Auswirkungen auf sein Unternehmen.
DER AKTIONÄR: Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation an den Finanzmärkten?
Dr. Hans Cornehl: Eine Generation von Spekulanten hat sich bereichert, indem sie Prognosen kapitalisiert hat, für die sie nicht selbst gerade steht. Die aus diesen (Fehl-) Prognosen entstandenen Risiken treffen die Gemeinschaft insgesamt, vor allem auch diejenigen, die nie an den Chancen an den Finanzmärkten partizipieren konnten oder wollten. Die Nervosität an den Kapitalmärkten erklärt sich aus der Unsicherheit, wo und wann die Rechnung aus diesen Risiken zu begleichen sein wird - ob dies der Fall sein wird, kann niemand mehr in Zweifel ziehen. Erst wenn diese Fragen geklärt sind und eine akzeptierte Lösung für die dramatische soziale Ungerechtigkeit - bei der der Bürger für die Verfehlungen Einzelner aufkommen muss - geschaffen wurde, wird die Volatilität der Finanzmärkte wieder abnehmen.
Sehen Sie die Gefahr einer Rezession? Wie groß wären die Auswirkungen für Ihr Unternehmen?
Die Anzeichen und Frühindikatoren einer Rezession in wichtigen Industrieländern sind unverkennbar. Ob auch Deutschland in eine Rezession abgleitet oder es lediglich eine deutliche Konjunkturabschwächung gibt, bleibt abzuwarten. Allerdings hat sich bislang das Lotteriegeschäft nicht nur in Deutschland völlig konjunkturunabhängig entwickelt.

Was erwarten Sie vor diesem Hintergrund im laufenden Gesamtjahr?
Wir erwarten für das Geschäftsjahr 2011 einen Umsatz auf Vorjahresniveau in Höhe von mindestens 104 Millionen Euro sowie ein EBIT von mindestens 40 Millionen Euro.
Wie sehen Ihre mittelfristigen Planungen aus?
Sollten die derzeitigen rechtlichen und ökonomischen Rahmenbedingungen auch über das Jahr 2011 hinaus in 2012 stabil bleiben, lässt sich die Prognose für 2011 auch für das Jahr 2012 gleichermaßen fortschreiben. Allerdings ist diese Prognose vor dem Hintergrund des derzeitig sehr bewegten regulatorischen Umfelds mit erheblichen Unsicherheiten belegt.
Vielen Dank für das Gespräch!