ThyssenKrupp: Scheitert der Verkauf?
Die Führung von ThyssenKrupp ist derzeit nicht um ihren Job zu beneiden. Die Probleme bei Steel Americas sind kaum zu bewältigen. Die Anlaufverluste summieren sich auf eine nicht geahnte Höhe. Da schien es fast ein Segen, dass ein Käufer für die Edelstahlsparte gefunden war. Doch jetzt gibt es auch hier Probleme.
Die Wettbewerbshüter der EU-Kommission wollen sich den Verkauf der Edelstahlsparte von ThyssenKrupp an den finnischen Konzern Outokumpu genauer anschauen und kündigten eine vertiefte Prüfung an. Durch die Integration von Inoxum in Outokumpu würde der weltgrößte Hersteller von rostfreiem Stahl geschaffen. Die vorläufige Prüfung habe ergeben, dass die Übernahme auf verschiedenen Märkten für die Produktion und den Vertrieb von Flachprodukten wettbewerbsrechtlich "sehr bedenklich" sein könnte, teilte die EU-Kommission mit.
Hiesinger zeigt sich zuversichtlich
Ganz überraschend kommt das für die beiden Konzerne allerdings nicht: Angesichts der größe des neuen Konzerns hatten sie mit einer genauen Prüfung durch die Wettbewerbshüter gerechnet. ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger geht davon aus, dass die Transaktion erst Ende des Jahres vollzogen werden wird. Daran dürfte dann aber nicht nur die EU-Behörde Schuld haben. Immerhin will sich das Gremium nicht ganz so lange Zeit nehmen. Binnen 90 Arbeitstagen, also bis zum 26. September, soll eine Entscheidung gefallen sein. Hiesinger zeigt sich zuversichtlich, dass die EU-Behörden am Ende doch grünes Licht für die Übernahme geben werden.

Die Prüfung kommt nicht überraschend. Dennoch reicht die Meldung, um die Aktie von ThyssenKrupp heute erneut unter Druck zu setzen. Dies zeigt, wie nervös die Märkte derzeit auf vermeintlich negative Nachrichten reagieren. DER AKTIONÄR sieht zwar auf dem aktuellen Niveau ein durchaus gutes Chance/Risiko-Verhältnis für die Aktie von ThyssenKrupp. Dennoch müssen Anleger neben guten Nerven wohl auch etwas Zeit mitbringen. Das Hauptaugenmerk der Investoren wird auf einer möglichen Lösung in Übersee liegen. Gelingt ein Verkauf des brasilianischen Werks, könnte das der erhoffte Befreiungsschlag sein.
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