TecDAX-Experte: "Branchenausrichtung ist wieder stimmig"
Er fristet sein Dasein im Schatten des DAX, selten sorgt er für Schlagzeilen. Trotzdem: Der TecDAX ist eine Erfolgsgeschichte erster Güte. Einer der Erfolgsfaktoren des TecDAX: stetiger Wandel. Das Erscheinungsbild des Index hat sich in den letzten Jahren mehrfach geändert.
DER AKTIONÄR sprach mit Roger Peeters von Close Brothers Seydler über die aktuelle Entwicklung des TecDAX sowie die Aussichten des Börsenbarometers.
DER AKTIONÄR: Das Erscheinungsbild des TecDAX hat sich in den letzten Jahren mehrfach geändert. Wie bewerten Sie die Entwicklung des heimischen Technologiesegments in den letzten Jahren?
Roger Peeters: Grundsätzlich positiv, denn die erfolgte Rückkehr zu einem Technologieindex, durch den Austausch mehrerer Unternehmen aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien durch konventionelle Technologieunternehmen bringt das Börsenbarometer wieder zurück in die Struktur, die man eigentlich erwartet.
War der Rauswurf der Solarkonzerne ein Verlust oder eher ein Befreiungsschlag für den Index?
Ich würde nicht von einem Rauswurf sprechen, Abstieg bringt es besser auf den Punkt. Und hier handelt es sich nicht um eine beliebige Entscheidung der Börse, sondern um eine im Vorhinein erkennbare Reaktion auf einen sinkenden Börsenwert, welcher wiederum durch verschlechtertes operatives Geschäft der Firmen erklärbar ist. Dass es hier im Trend öfter dazu kam, hat den eingangs beschriebenen positiven Nebeneffekt, dass die Branchenausrichtung wieder stimmig ist.
Sehen Sie künftig wieder die Gefahr, dass eine andere Wachstumsbranche wie beispielsweise die Halbleiter-Aktien übermäßig starkes Gewicht bekommt?
Halbleiter-Werte vielleicht nicht, zumal hier auch die Breite an Unternehmen fehlt, aber generell wiederholen sich solch Modezyklen natürlich immer wieder in abwechselnden Branchen. Die Anzahl börsennotierter Medienfirmen, die es etwa zu Neuer Markt Zeiten gab, war eine ähnliche Übertreibung.
Zuletzt ist der TecDax häufig den anderen Indizes hinterhergehinkt. Was muss passieren, damit sich das in Zukunft ändert?
Auf 12-Monats-Sicht ist das Delta zum DAX etwa so überschaubar, dass ich es nicht überthematisieren würde. Genau genommen war der TecDAX in diesem Zeitraum sogar weniger volatil als der DAX, was unter anderem an den Finanzwerten im DAX liegt, die es im TecDAX nicht gibt.
Worauf sollten Anleger bei Investments in TecDAX-Werte besonders achten?
Das Geschäftsmodell sollte erprobt sein. Eine lange Historie der Firma und auch des Wertpapiers an der Börse sind hier absolute Pluspunkte. Auch muss die Bewertung moderat sein. Schnell gibt es bei echten oder vermeintlichen Technologiefirmen Bewertungsaufschläge für Wachstum, die in der Höhe nicht angemessen sind.
Was sind Ihre heimischen High-Tech-Favoriten, wo sollten Anleger besser die Finger von lassen?
Bei ADVA Optical gefällt uns die Positionierung insgesamt sehr gut. Freenet imponiert mit enorm stabilem Kursverlauf und Aixtron ist eine mutige, aber nicht unattraktive Turnaround-Wette. Im Renewable-Bereich liegen auch jetzt noch einige Risiken.
DER AKTIONÄR hat den jüngsten Wechsel in der TecDAX-Zusammensetzung zum Anlass genommen, alle 30 TecDAX-Aktien zu prüfen. Das zufriedenstellende Ergebnis: Etliche Tec-Aktien made in Germany sind sehr attraktiv bewertet und bieten reichlich Kurspotenzial. Die aktuelle Ausgabe des AKTIONÄR erhalten Sie hier bequem als ePaper.
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