Alfred Maydorn
Mit Verzögerung hat das deutsche Solarunternehmen Systaic heute seine Bilanz für 2009 vorgelegt. Allerdings mit einer deutlichen Einschränkung seitens der Wirtschaftsprüfer. Zudem besteht noch immer Finanzierungsbedarf. Die Aktie verliert weiter an Wert.
Bis auf 2,56 Euro war die Systaic-Aktie abgestürzt, nachdem am frühen Mittwochmorgen bekannt wurde, dass die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte&Touche den Jahresabschluss für 2009 nur eingeschränkt bestätigt. Bei Bilanzpositionen von insgesamt 96,5 Millionen Euro konnten die Prüfer die Werthaltigkeit nicht einschätzen.
In die Verlustzone
Die Größenordnung der fragwürdigen Bilanzpositionen ist markant, machen sie doch immerhin rund 44 Prozent des gesamten Jahresumsatzes von 218,5 Millionen aus. Im Vergleich zum Vorjahr - das teilte Systaic in dem am Nachmittag veröffentlichten Jahrsabschluss 2009 mit - seien die Umsätze im um knapp zehn Prozent gestiegen. Während das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) mit 9,4 Mio. Euro annähernd auf Vorjahresniveau lag, musste nach Steuern ein Verlust von einer Million Euro ausgewiesen werden. Im Vorjahr wurde noch ein Gewinn von 3,0 Millionen Euro erzielt.
Schwacher Start
Auch der Auftakt in das neue Geschäftsjahr ging gründlich daneben. So teilte Systaic mit, dass "aufgrund eines verzögerten Projektstarts von einem Konzernumsatz deutlich unter dem Niveau des gleichen Vorjahresquartals und von einem negativen Konzernergebnis auszugehen ist". Am 11. Mai sollen konkrete Zahlen veröffentlicht werden.
Angespannte Finanzsituation
Recht konkret ist das Management, was den Finanzierungsbedarf angeht. So bestehe auch nach dem jüngsten Mittelzufluss von 17,3 Millionen Euro durch die Forderungsbegleichung eines spanischen Kunden im Jahresverlauf 2010 weiterer Finanzierungsbedarf. Der Vorstand verhandle deshalb mit Banken und weiteren Finanzierungspartnern über eine Anschlussfinanzierung zur Absicherung laufender und neuer Projekte.
Zunehmende Verunsicherung
Statt endlich Klarheit zu schaffen, haben die "eingeschränkten" Zahlen und der nach wie vor bestehende Finanzierungsbedarf die Anleger weiter verunsichert. Obwohl sich die Aktie deutlich von ihren Tiefstkursen erholen konnte, verliert sie noch immer fast fünf Prozent an Wert und kostet derzeit 2,77 Euro.
Finger weg!
DER AKTIONÄR hatte bereits Anfang März zum Verkauf der Aktie geraten, als das Unternehmen erstmals auf die angespannte Finanzlage hingewiesen hatte. Mit dem heutigen Tag hat sich die Einschätzung der Situation keinesfalls gebessert. Obwohl sich der Titel seit Jahresbeginn fast gedrittelt hat, sollten Anleger um die Aktie einen weiten Bogen machen. Mehr als eine kurzfristige technische Erholung ist nicht zu erwarten - und selbst darauf verbietet sich eine Spekulation.
