Werner Sperber
Symrise hat die Anleger mit den Zahlen für das erste Quartal 2009 nicht überzeugen können und auch das Management ist unzufrieden mit den Ergebnissen. Langfristig orientierte Anleger haben trotzdem eine 50 Prozent-Chance.
Symrise hat die Anleger mit den Zahlen für das erste Quartal 2009 nicht überzeugen können und auch das Management ist unzufrieden mit den Ergebnissen. Langfristig orientierte Anleger haben trotzdem eine 50 Prozent-Chance.
Offensichtlich sind die Anleger von den Erstquartalszahlen von Symrise enttäuscht, da sie die Aktie in einem freundlichen MDAX-Umfeld abstrafen. Allerdings spielen dabei auch charttechnische Aspekte eine Rolle. Der in Holzminden ansässige Anbieter von Duft- und Geschmacksstoffen sowie Applikationsverfahren produziert für Parfum-, Kosmetik- und Nahrungsmittelhersteller. Das operative Geschäft ist in die beiden etwa gleich großen Sparten Flavor & Nutrition, also Geschmacks- und Nahrungsmittelzusätze, sowie Scent & Care, also Duft- und Pflegemittelzusätze, unterteilt. Mittlerweile lässt sich nicht mehr genau herausrechnen, wie viel Umsatz den am 28. April 2008 übernommenen Sparten der dänischen Firma Chr. Hansen zuzuordnen ist. Grob dürften es aber im ersten Quartal 2009 gut zwölf Millionen Euro gewesen sein, die vor allem in Nordamerika erzielt worden sind. Alleine dieser, der Sparte Flavor & Nutrition zugeordneten, Akquisition hat es Symrise zu verdanken, ein Umsatzplus erreicht zu haben.
Die Kosten waren zu hoch
Insgesamt stiegen die Erlöse im Jahresvergleich um 2,6 Prozent (ohne Chr. Hansen: etwa minus ein Prozent) auf 346,7 Millionen Euro. Dabei verringerten sich die Umsätze in der Region Mitteleuropa/Naher Osten (EAME) um 11,9 Prozent auf 171,3 Millionen Euro. Vorstandsvorsitzender Dr. Gerold Linzbach erklärte, dass die Kunden oftmals teure Produkteinführungen verschieben würden. Aufgrund der hohen Rohstoffpreise sowie gestiegener Aufwendungen für Marketing, Forschung und vor allem Verwaltung hat die Profitabilität gelitten. Der Nettogewinn ging um 16,1 Prozent auf 20,9 Millionen Euro beziehungsweise 0,18 Euro je Aktie zurück. Der operative Free Cashflow legte aber um gut 190 Prozent auf 27,3 Millionen Euro zu.
Die Kosten sollen sinken
Der Vorstand will weiter sparen und erwartet frühestens für die zweite Jahreshälfte eine wirtschaftliche Belebung. Erstmals hat Symrise eine Anleihe begeben, mit der die mittelfristige Kapitalbasis gestärkt werden soll. Das heute emittierte Schuldscheindarlehen im Volumen von 75 Millionen Euro läuft über vier Jahre. Finanziell hat sich Symrise aber angesichts der Hansen-Übernahme ohnehin relativ stabil entwickelt. Die flüssigen Mittel zum 31. März erhöhten sich im Jahresvergleich um 23 Prozent auf 78,1 Millionen Euro. Die Netto-Finanzschulden stiegen um 17 Prozent auf 629,3 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote sank von 36,9 auf 34,8 Prozent.
Es wird vieles anders
Anlässlich der Präsentation der Zahlen für 2008 am 4. März 2009 hat Dr. Linzbach erklärt, für Akquisitionen weiter offen zu sein, wobei vor allem ergänzende Geschäfte interessant seien. Das Unternehmen werde aber kein unprofitables Geschäft erwerben. Zudem erwartete der Vorstand, im laufenden Jahr schneller zu wachsen als der Markt. Heute gab es zusätzlich nur die allgemeine Mahnung: Die Menschen glauben, dass nach dem Ende der Krise alles wieder so ist wie davor. Dabei hat sich die Weltwirtschaft fundamental und dauerhaft verändert. Die Situation wird nicht mehr sein wie zuvor und das ist auch gut so.

14 Euro sind möglich
Yasmin Majewski, Analystin der Commerzbank, hat in ihrer Ersteinschätzung noch vor den Erstquartalszahlen die Symrise-Aktie mit Sell bei einem Kursziel von 9,90 Euro eingestuft. Symrise begegne ein anspruchsvolles Umfeld. Die aktuellen Spekulationen um eine Übernahme hielt sie für unbegründet. Im Durchschnitt erwarten die Analysten für 2009 einen Gewinn je Anteilschein von 0,89 Euro (KGV 11) und für 2010 von 1,02 Euro (KGV 10). DER AKTIONÄR sieht dagegen durchaus Chancen auf eine Kurssteigerung. Derzeit sind die Papiere an einem Horizontalwiderstand und der 200-Tagelinie abgeprallt, die bei 10,50 Euro verlaufen. Am 12. Mai, am Tag nach der Hauptversammlung, notiert die Aktie ex-Dividende von 0,50 Euro. Schaffen es die Anteilscheine Notierungen von gut acht Euro zu halten, wo die langfristige Abwärtstrendlinie verläuft, sind auf Jahressicht Kurse von 14 Euro möglich. Der Stopp-Loss sollte bei 7,50 Euro gesetzt werden.
