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STRATEC Biomedical mit weiterem Vertrag: "Lassen bald von uns hören"

Markus Horntrich

Die STRATEC Biomedical Systems AG einen Vertragsabschluss mit dem französischen Diagnostikunternehmen bioMérieux bekannt gegeben. Im Interview mit dem AKTIONÄR erläutert Finanzvorstand Marcus Wolfinger die Details des neue Auftrags.

Auf Basis der Zahlen für das Geschäftsjahr 2009 zählt die STRATEC Biomedical Systems AG im Vergleich zu Unternehmen der gleichen Größenordnung mit einer EBIT-Marge von 18,5 Prozent und einem Cashflow von etwa einer Million Euro pro Monat zu den ertragsstärksten Unternehmen in Deutschland.
Vor wenigen Tagen hat STRATEC einen Vertragsabschluss mit dem französischen Diagnostikunternehmen bioMérieux bekannt gegeben. DER AKTIONÄR wollte im Gespräch mit Finanzvorstand Marcus Wolfinger (im Bild links) unter anderem wissen, wie dieser neue Auftrag einzuordnen ist.

DER AKTIONÄR: Gratulation, Herr Wolfinger, zum neuen Auftrag. Bitte erläutern Sie kurz den Gegenstand des neu abgeschlossenen Vertrags.

Marcus Wolfinger: Vielen Dank für die Glückwünsche. Mit dem französischen Diagnostikunternehmen bioMérieux haben wir einen Vertrag über die Entwicklung und Lieferung von Komponenten für die nächste Generation des in-vitro-diagnostischen Analysensystems namens VIDAS unterzeichnet.

Was wird mit diesem Analysensystem untersucht und wo wird es eingesetzt?

VIDAS arbeitet Routinetests wie auch Monitoringtests, also Überwachungstests zur Untersuchung von Behandlungsverläufen sowie Tests für die Erkennung von Infektions-, Herzkreislauf- und Krebserkrankungen ab. Aufgrund des Durchsatzes von bis zu 100 Tests pro Tag kommt es in kleinen und mittelgroßen Laboratorien und Krankenhäusern zum Einsatz.

Handelt es sich bei bioMérieux um einen Neukunden?

Zu bioMérieux haben wir seit etlichen Jahren eine Kundenbeziehung. Für das Unternehmen, welches in 2009 einen Umsatz von 1,2 Milliarden Euro erwirtschaftete, entwickelten und produzieren wir bereits seit 2002 den Mikrotiterplattenanalyzer DAVINCI® in Serie. Zu dieser Geschäftsbeziehung kamen wir durch unser Geschäft mit einer Akzo-Nobel-Tochter, die von bioMérieux übernommen wurde.

Wie werten Sie selbst den Auftrag von bioMérieux?

VIDAS ist eine im Markt etablierte und von bioMérieux entwickelte und produzierte Systemlösung, die mit rund 26.000 weltweit genutzten Systemen die größte auf Immunoassays basierende Laborplattform für Anwendungen im klinischen und industriellen Bereich darstellt.

Die nächste Generation des VIDAS wird nun um neue Komponenten erweitert, für deren Entwicklung, Produktion und Lieferung STRATEC zuständig ist. Hierdurch wird die Systemlösung zu einer vollautomatischen Lösung bei der Arbeitsschritte automatisiert werden, die das Laborpersonal derzeit noch von Hand ausführt.

Von einem bestehenden Kunden erneut einen Auftrag für eines seiner bedeutendsten Systeme zu erhalten, das er darüber hinaus in der Vergangenheit ausschließlich selbst entwickelt und produziert hat, ist ein echter Vertrauensbeweis. Ferner bestätigt dies, dass der Trend in der Diagnostikindustrie zum Outsourcing von Entwicklungs- und Produktionskapazitäten keine Eintagsfliege ist und unvermindert anhält beziehungsweise inzwischen unumkehrbar ist.

Die Pressemitteilung enthielt keine Angaben zur Auftragsgröße. Können Sie uns im Rahmen der vereinbarten Geheimhaltungsvereinbarungen helfen, den Vertrag in Größenordnungen einzuordnen?

Unser Verkaufspreis pro Komponente wird deutlichst unter unserem derzeitigen durchschnittlichen Gerätepreis liegen. Die Anzahl der zu produzierenden Komponenten wird dagegen wesentlich höher ausfallen, als in bisherigen Lieferverträgen für Analysensysteme vereinbart. Es ist unser Ziel die weltweit installierte Basis von 26.000 VIDAS-Systemen in einem Zeitraum von sieben bis zehn Jahren, das entspricht in etwa dem Produktlebenszyklus eines Analysensystems, zu ersetzen.

Ab welchem Zeitpunkt kann STRATEC mit ersten Umsatzerlösen aus dem Verkauf der Systemkomponenten rechnen?

bioMérieux plant die Einführung des neuen, vollautomatisierten Immuno-Analysensystems VIDAS für Europa in 2012 und für die USA sowie für den Raum Asien-Pazifik nach 2012. Vor diesem Hintergrund wird STRATEC bereits im Geschäftsjahr 2012 erste Umsatzerlöse aus der Serienlieferung von Systemkomponenten erzielen. Nach 2012 sollten unsere Umsatzerlöse mit dieser Systemlösung aufgrund dessen höheren Marktdurchdringung ansteigen.

2010 will STRATEC den Umsatz von 79,6 Millionen Euro in 2009 auf mindestens 96 Millionen Euro steigern. Die operative Marge soll in 2010 gegenüber 2009 um mindestens 0,5 Prozentpunkte ausgebaut werden. Werden Sie diese ambitionierten Ziele einhalten können?

Für das Geschäftsjahr 2010 erwarten wir konkret Umsatzerlöse in einer Bandbreite von 96 bis 102 Millionen Euro und einen Anstieg der EBIT-Marge auf mindestens 19 Prozent. Die Zahlen des ersten Quartals 2010 haben diese Prognose bereits bestätigt.

Ist im Laufe des Jahres 2010 mit dem Abschluss eines weiteren Vertrags zu rechnen?

Nach dem Vertragsabschluss ist vor dem Vertragsabschluss. STRATEC spricht unentwegt mit Entscheidungsträgern in der Diagnostikindustrie. In dieser Branche ticken die Uhren sehr langsam. Bis ein neuer Entwicklungsvertrag unterschrieben wird, vergehen ab dem ersten konkreten Gespräch nicht selten 24 Monate. Im Vorfeld der Vertragsunterschrift stehen beispielsweise Markt- und Machbarkeitsstudien. Wir gehen davon aus, in Sachen Vertragsabschluss schon bald wieder etwas von uns hören lassen zu können.

Konnten Sie hinsichtlich des möglichen Aufstiegs in den TecDAX in den letzten Wochen Fortschritte machen - auf welchem Platz stehen Sie aktuell?

Auf der aktuellen Rangliste des 30 Werte umfassenden TecDAX steht STRATEC gemessen nach der Marktkapitalisierung auf Rang 27 und gemessen am Börsenumsatz auf Rang 38. Insbesondere beim Börsenumsatz sollte unsere Aktie noch aufholen, damit sich die Wahrscheinlichkeit einer TecDAX-Aufnahme erhöht. In den letzen Monaten haben wir bei beiden Kriterien einige Ränge gut gemacht.

Wie sehen denn derzeit die Analystenschätzungen für 2010 und 2011 aus?

Die aktuelle Konsensschätzung der Analysten für unsere Umsatzerlöse liegt bei 101,6 Millionen Euro für 2010 und bei 120,9 Millionen Euro für 2011.

Herr Wolfinger, vielen Dank für das Interview.

TecDAX im Visier

Beim letzten Update hat DER AKTIONÄR noch auf weitere, neue Entwicklungsprojekte spekuliert. Dem Vernehmen nach wird STRATEC in absehbarer Zeit eine weitere Neuakquisition melden können. Die Wachstummsstrory ist intakt, was dem Kurs auch helfen sollte, in Sachen Börsenumsatz unter die Top 30 zu kommen, so dass ein TecDAX-Aufstieg über kurz oder lang zu erwarten ist. Die Aktie bleibt bei Kursschwäche ein Kauf.

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