Star-Comedian Bernhard Hoëcker: Börse macht Spaß!
Bernhard Hoëcker ist einer der beliebtesten Comedians Deutschlands – und Hobbybörsianer. DER AKTIONÄR hat ihn auf dem Weg zu einem Auftritt in Heidelberg für einen kurzen Plausch über seine Erfahrungen an der Börse getroffen.
DER AKTIONÄR: Herr Hoëcker, sind Sie an der Börse eigentlich genau so ein Besserwisser wie bei „Genial Daneben"?
Bernhard Hoëcker: Erst mal vielen Dank für das Kompliment Besserwisser. Nun ja, ich bin an der Börse zumindest genauso jemand, der Dinge hinterfragt und nicht sofort glaubt, wie etwa bei der Fernsehshow „Genial Daneben".
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Und das funktioniert?
Natürlich funktioniert das. Hat jemals jemand, der privat an der Börse spekuliert, behauptet, es würde nicht funktionieren?
Die Frage ist, funktioniert es tatsächlich?
Nun ja, ich habe mal vor Jahren einen festen Betrag auf ein Konto gelegt und gesagt, das ist das Geld, mit dem ich an der Börse hantiere. Seitdem führe ich eine ausführliche Excel-Tabelle, in der ich alles aufrechnen lasse. Im Schnitt bin ich im Plus, wenngleich Aktien wirklich nur ein kleiner Teil meiner gesamten Geldanlage-Strategie sind.
Was kaufen Sie außer Aktien sonst noch?
Fast alles. Ich habe zum Beispiel schon mal einen Hedgefonds gekauft oder mit Optionsscheinen auf steigende Rohstoffpreise gesetzt. Wichtig ist, dass ich insgesamt immer im Plus bleibe. Ab und zu habe ich aber auch Geld abgeschöpft und bin davon in den Urlaub gefahren.
Macht Ihnen Börse immer noch Spaß, oder werden Sie bald alles für Urlaub ausgeben?
Natürlich macht es mir immer noch Spaß. Wobei, im Moment nicht, weil ich keine Scheine auf steigende DAX-Stände und Goldpreise im Depot habe (lacht).
In der Freizeit treiben Sie sich ja gerne in Industrieruinen herum. Sind das auch Ihre Favoriten an der Börse?
Also wenn Ruinen die Favoriten an der Börse wären, wäre ich wahrscheinlich nicht so zufrieden (lacht). Nein, das ist einfach ein spannendes Hobby, weil es wie eine Zeitreise ist. Scherzhaft sage ich immer, dass Krisen super sind, da sie total viele verlassene Plätze hervorbringen. Natürlich nur aus Sicht des neugierigen Fotografen.
Sind Sie insgesamt ein eher risikoscheuer Anleger?
Nein, ich kaufe zum Beispiel gerne bei schlechten Nachrichten. Gelohnt hat sich etwa Carnival. Als die Costa Concordia gekippt ist, habe ich gekauft und später mit einem Plus von 20 Prozent verkauft.
Manchmal geht es aber auch daneben. Sie sollen ja bei Cargolifter investiert sein?
Ach ja, Cargolifter. Ich fand das Konzept super und habe dann im Internet verfolgt, was da gemacht wurde, und schließlich bei 20 Euro gekauft. Ich habe jetzt aber nach gefühlten 600 Jahren doch meine Cargolifter-Aktien verkauft.
Haben Sie dafür wenigstens noch eine Pizza bekommen?
Nein, leider nicht. Aber das lag jetzt schon so lange rum und ich hatte keine Lust mehr, so ein hohes Minus ansehen zu müssen. Wobei ich das Konzept immer noch spannend finde.
Wann sagen Sie im Allgemeinen: Hoëcker, Sie sind raus!
Ich sage mir vorher eigentlich immer mittels Stop-Loss, bei welchem Kurs verkauft wird. Es ist zwar ärgerlich, wenn ein Papier die Latte reißt und danach abgeht, aber damit muss man einfach leben.
Was finden Sie im Moment spannend?
Was mich sehr interessiert, sind Seltene Erden. Da habe ich zwar noch nicht investiert, will mich aber auf jeden Fall einmal in das Thema einlesen.
Gibt es auch Sachen, die Sie nicht machen?
Ja. Mir wurden zum Beispiel mal Lebensmittel-Spekulationen angeboten. Da habe ich schon ein komisches Gefühl. Ich habe kein Problem damit, dass es solche Instrumente gibt, da sie für Produzenten sinnvoll sein können. Selber will ich mich daran aber nicht beteiligen. Bei Öl habe ich dagegen kein Problem, zu spekulieren, denn nur wenn es teuer ist, macht man sich Gedanken über Alternativen.
Also wetten Sie auf höhere Ölpreise?
Ich habe es zumindest schon einmal gemacht. Allerdings als der Ölpreis von über 140 auf unter 40 Dollar gefallen ist. Ich konnte mir erst einfach nicht vorstellen, dass der Ölpreis unter 120 Dollar fällt. Dann erst recht nicht unter 100. 70 Dollar konnte schon gar nicht sein.
Spielt Charttechnik für Sie eine Rolle?
Nein. Das Problem bei der Charttechnik ist doch Folgendes: Wenn sie wirklich funktionieren würde, wäre der Markt nicht mehr zufällig. Allerdings gibt es natürlich so viele Leute, die daran glauben und danach handeln. Das ist das Gleiche wie mit dem Vollmond. Viele Menschen glauben, dass sie wegen des Vollmondes nicht schlafen können, obwohl das völliger Quatsch ist. Weil sie daran glauben, können sie aber tatsächlich schlecht schlafen.
Ihre Karriere-Alternative zum Künstler soll ja der Posten des EZB-Chefs gewesen sein. Meinen Sie, das wird noch was?
Das kommt darauf an, wie erfolgreich sich der Kollege anstellt. Ich bin da sehr gespannt und beobachte das.
Was sagt denn der halbe Volkswirt zur aktuellen Zentralbankpolitik?
Oh mein Gott, wie groß muss das Vertrauen in die Zentralbanker sein, wenn man jetzt schon jemanden fragt, der sein Volkswirtschafts-Studium abgebrochen hat und nicht einmal in der Branche arbeitet (lacht)?
Dennoch: Was haben Sie für ein Gefühl bei den aktuellen Maßnahmen der EZB?
Grundsätzlich glaube ich, niemand weiß wirklich, was passiert - aber alle tun so. Die einen sagen, dass es sauteuer ist, wenn man es so macht, und die anderen sagen, dass es anders noch teurer ist. Es erscheint mir wie ein großer Würfel und alle streiten darum, welche Zahlen auf den Seiten stehen. Wie er fällt, ist aber völlig unklar.

Hat der Euro denn eine Zukunft?
Ich hoffe es sehr, denn auf der Habenseite steht ein ganz besonderer Wert, nämlich der des Friedens in Europa. Diesen Wert kann kaum einer ermessen. Dafür bin ich auch bereit, Geld zu bezahlen.
Unterhält man sich unter Comedy-Kollegen eigentlich auch über Aktien?
Ja, durchaus. Wenn man mal warm geworden ist, redet man schon auch mal über Investments. Die Tipps, die man sich untereinander gibt, sind aber eher nach dem Motto: „Boah das hat alles keinen Sinn." Ernsthafte Ideen sind da eher selten.
Also werden eher Floskeln ausgetauscht. Haben Sie eine Lieblingsfloskel?
Meine Lieblingsfloskel, wenn ich mich über Wirtschaft unterhalte ist „Hätte ich". Dicht gefolgt von „Dann könnte ich".
Herr Hoëcker, vielen Dank für das Interview.
Ja, vielen Dank auch, und schöne Grüße an die Chartfreunde.
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