Florian Söllner
Der erste große deutsche Solarplayer geht in die Insolvenz. Die Pleite der Berliner hatte sich bereits angedeutet. Auch andere deutsche Solarmodulhersteller kämpfen ums Überleben.
Solon ist pleite. Gestern Abend wurde der Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. "Intensive Gespräche" mit Investoren, finanzierenden Banken und den Bürgen hätten nicht zum Erfolg geführt. Aufgrund massiver operativer Verluste und hoher Schulden war das Scheitern absehbar. DER AKTIONÄR hatte im August im Zuge der Titelstory "Die Solar-Todesliste" lediglich eine Überlebenschance von 25 Prozent für Solon angegeben. Der 2009 im Aktienreport "Deutschlands schlechteste Aktien" empfohlene Turbo-Bear auf Solon hat über 300 Prozent zugelegt.
Sunways geht das Cash aus
Nach dieser Nachricht geht die Angst vor weiteren Pleiten um. Gewarnt hatte DER AKTIONÄR auch bei Q-Cells und Conergy. Bei beiden Firmen sollten Anleger trotz diverser Kapitalmassnahmen aufgrund der sich verschärfenden Wettbewerbssituation vorsichtig bleiben. Weiter zugespitzt hat sich mittlerweile die Situation beim Nischen-Player Sunways. Die liquiden Mittel waren zuletzt von 14 Millionen Euro im Vorjahr auf nur noch 2,1 Millionen Euro geschrumpft. (siehe auch: "Sunways: Das wird eng").
Solar-Fabrik: Lage hat sich verbessert
Doch es gibt auch eine positive Entwicklung. Die Chancen der Solar-Fabrik AG gut aus der Krise zu kommen, haben sich seit Sommer deutlich erhöht. So hat sich die Firma mittlerweile auf die Kernkompetenz - die reine Fertigung von Modulen - konzentriert und Randbereiche aufgegeben. Es gibt durchaus Hoffnung, dass einige solcher deutschen Produzenten überleben. Erst gestern sagte Wolfgang Hummel dem AKTIONÄR: "Die Kostenvorteile chinesischer Firmen gegenüber den deutschen Wettbewerbern schrumpfen."
Auch Analyst Gerard Reid, der im August noch von einer "ernsten Lage" bei Solar-Fabrik gesprochen hatte, hat sich in einem neuerlichen Hintergrundgespräch mit dem AKTIONÄR deutlich zuversichtlicher gezeigt, was die Perspektiven von Solar-Fabrik angeht.
Vorsicht, bei diesen Solaraktien
Meiden sollten Anleger hingegen weiter die Papiere von Q-Cells, Colexon, Conergy, Sunways, Ascent Solar, China Sunergy und Energy Conversion Devices. Denn es weht weiterhin massiver Gegenwind. Erst vor wenigen Tagen wies die Citigroup daraufhin, dass die Gewinnmargen der Modulhersteller derzeit bei null oder darunter liegen. Selbst chinesische Volumenhersteller stecken in der Krise. 2012 könnten die Margeneffekte den Analysten zufolge sogar noch dramatischer werden. Zwar rechnen alle Experten auf lange Sicht mit einem großen Boom der Solarbranche - doch diesen werden nicht mehr alle Player miterleben.
Der Autor dieses Artikels hat sich heute zu Solon im DAF-Interview geäussert.