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Solarworld: Trotz Schloss Schluss?

Florian Söllner

Gelingt Solarworld der finanzielle Befreiungsschlag oder steht der große deutsche Solarmodulhersteller vor dem Ende? Experten haben Zweifel am Geschäftsmodell. Die Schrammen in der Bilanz sind groß.

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Solarworld-Chef Frank Asbeck hat jüngst von Thomas Gottschalk ein Schloss gekauft - um ihn muss man sich offenbar keine Sorgen machen. Um "seine" Solarworld hingegen schon. Das Unternehmen hatte in der letzten Woche gemeldet, dass es notwendig sei, die Verbindlichkeiten neu zu strukturieren. Bereits in der Q3-Bilanz war ersichtlich, dass ein Ungleichgewicht entsteht: Die liquiden Mittel hatten sich auf 230 Millionen Euro mehr als halbiert - gleichzeitig bestanden kurzfristige Verbindlichkeiten von 250 Millionen Euro und eine Milliarden Euro langfristige Schulden. Innerhalb eines Jahres war die Eigenkapitalquote von 35 auf 22 Prozent geschrumpft.

Gleichzeitig fehlt die Kraft, im operativen Geschäft Geld zu verdienen. In der letzten Quartalsbilanz hatte Solarworld geschrieben: "Die wirtschaftliche Lage des Konzerns wird vom Management (...) als zunehmend schwierig beurteilt." Und weiter: "Vor dem Hintergrund der fortgesetzt schwachen Nachfrage werden wir auch im 4. Quartal unsere Produktionskapazitäten entlang der gesamten Wertschöpfungskette, insbesondere im Waferbereich, nicht auslasten."

Solarworld verliert Marktanteile

Wolfgang Hummel vom Zentrum für Solarmarktforschung erklärt wieso: "Solarworld konnte von den Zubauzahlen in Höhe von 7,6 GW in 2012 in Deutschland nur unterdurchschnittlich profitieren. Das Geschäft bei Solarparks und großen Freiflächen in Deutschland musste Solarworld der chinesischen Konkurrenz überlassen. Die Fertigung am deutschen Standort ist, auch bei einem hohen Automatisierungsgrad zu teuer. Zu lang ist die Wertschöpfungskette und zu hoch der Eigenanteil. Solarworld kann bei seinem Geschäftsmodell die Vorteile des kostengünstigen Einkaufs nicht nutzen, die heute der Silizium-, Wafer- und Zellenmarkt bietet."

Auch Strafzölle auf chinesische Anbieter in den USA konnten Solarworld nicht entscheidend stützen. "Die Zölle halfen Solarworld nicht seine Wettbewerbschwäche zu kompensieren", so Hummel. Ein Beispiel dafür: Das neue Volkswagen-Werk in Chattanooga, Tennessee, USA, wird durch einen Solarpark versorgt, der trotz der US-Importzölle mit chinesischen JA Solar-Modulen bestückt ist.

Problem: Langfristverträge

DER AKTIONÄR hatte auf die "hohen Risken" hingewiesen. Das Hauptproblem: Solarworld verliert nicht nur Geld durch die Produktion und den Verkauf von Solarmodulen. Darüber hinaus belasten ungünstig abgeschlossene Langfristverträge. Solarworld hat viel zu viel Silizium bestellt. Zumal gleichzeitig die lukrativen Verträge zur Lieferung von Wafern wegbrechen.

Besser als Q-Cells?

Vieles ist nun denkbar bei Solarworld - unter anderem ein Debt-to-Equity-Swap wie ihn einst Q-Cells versucht hatte. Dieser Tausch von Schulden in Aktien könnte durchaus die Bilanz sanieren, würde jedoch unweigerlich zu einer immensen Verwässerung der Altaktionäre führen.

Immerhin: Solarworld hat im Vergleich zur schließlich gescheiteren Q-Cells den Vorteil einer viel besseren Marke. Trotz aller Probleme gibt es eine Chance, wenn das Problem der zu teueren Fertigung gelöst (Neuverhandlung der Abnahmeverpflichtungen, weniger Fertigungstiefe) wird und/oder innovative Produkte (Speicherung etc.) für den Privatkundenmarkt gefunden werden. Langfristanleger halten sich jedoch weiterhin strikt zurück. Auch für Zocker ist die Lage derzeit zu unübersichtlich.

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