Florian Söllner
Große Veränderungen belasten die Solarbranche. Commerzbank-Analyst Robert Schramm sagt, wie schlimm es wirklich wird und wieso er langfristig dennoch an den Sonnensektor glaubt.
Der Ausverkauf im Solarsektor ist im vollen Gange. Aufgrund der EEG-Novelle - Solarworld-Chef Frank Asbeck spricht sogar von der Zerstörung großer Teile der Branche - freuen sich derzeit nur Anleger, die sich auf der Short-Seite positioniert haben. DER AKTIONÄR hat Commerzbank-Analyst Robert Schramm zur aktuellen Lage befragt.
DER AKTIONÄR: Herr Schramm, wie dramatisch sind die EEG-Veränderungen für den deutschen Solarsektor wirklich?
Robert Schramm: Die Höhe der Vergütungseinschneidung und das Tempo, in dem das umgesetzt wird, waren für den Kapitalmarkt und die Firmen negativ überraschend. Das wird den Markt aber nicht zerstören. Wir haben weiterhin ein Umfeld, in welchem der Markt in Deutschland 2,5 oder 3,0 Gigawatt groß sein kann.
Welche Firmen sind die größten Verlierer des neuen Umfeldes?
Für Solarhersteller wie Solon, Solarworld oder Q-Cells, die stark am Heimatmarkt hängen - Solarworld setzt etwa zwei Drittel seiner Module in Deutschland ab - wird es in den nächsten Jahren hart werden.
Solarworld hat eine Premiumstrategie und verkauft die teuersten Module der Welt. Dieser Ansatz kommt nun besonders unter Druck. Solarworld wird dennoch auch nach den Förderkürzungen noch eine positive Marge erzielen können.
Während Solarworld seine Preise fast so stark wie die Vergütungsreduzierung senken werden muss, kann es sein, dass asiatische Hersteller mit kleineren Preissenkungen auskommen werden. Grundsätzlich haben es Solarmodulhersteller mit niedriger Kostenbasis derzeit leichter.
Welche der deutschen Solarplayer sind gut positioniert?
Am besten werden Händler, Projektierer und Solarmaschinenbauer mit der Kürzung der Einspeisevergütung zurecht kommen. Unsere Favoriten sind Phoenix Solar, Centrotherm oder SMA Solar und derzeit weniger die Produzenten.
Wie geht es mittelfristig mit dem Sektor weiter, und was sollten Anleger beachten?
Wir glauben, dass das Wachstum auch künftig extrem stark sein wird. Die USA, Frankreich, Italien sowie Asien werden Wachstumstreiber und die deutsche Marktschwäche überkompensieren. Für Anleger ist es wichtig geworden, Selektion zu betreiben.
Nachdem mit einem Solon-Short bereits mehr als 100-Prozent Gewinn erzielt wurden, sieht DER AKTIONÄR weitere Chancen. Mehr dazu im heute erschienenen Spezialreport "Solar-Ausverkauf: Letzte Chance auf 100 Prozent". Die Top-Empfehlung dieses Reports hat am heutigen Tag ein neues Mehrjahres-Tief erreicht!