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Nimmt Rupert Murdoch Sky Deutschland von der Börse?

Leon Müller

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Seit Tagen schon steigt die Aktie von Sky Deutschland, hat sich in der Spitze von 1,766 auf 2,11 Euro und damit um 20 Prozent verteuert. Hintergrund für diese Rallye sind offenbar Spekulationen, wonach Großaktionär Rupert Murdoch die Gesellschaft von der Börse nehmen wolle. Ein denkbares Szenario, aber auch ein realistisches?

Die Aktie von Sky Deutschland hat auf der Long-Seite positionierten Anlegern in den zurückliegenden Tagen hohe Gewinne beschert. In der Spitze verteuerte sich das Papier des Münchener Bezahlsenders von 1,766 Euro am 5. März auf 2,11 Euro heute - was einem Anstieg um 20 Prozent entspricht. Damit hat sich die Sky-Aktie den Titel "Top-Performer im MDAX" verdient. Der Kursanstieg ist fix, einzig die Hintergründe bleiben fraglich. Gerüchten zufolge soll Rupert Murdoch - über seine News Corporation mit 45,42 Prozent größter Anteilseigner des Konzerns - das Unternehmen von der Börse nehmen wollen. Die Gerüchte sind nicht neu, erhalten lediglich neue Nahrung. Als Rechtfertigung für den jüngsten Kursanstieg taugen sie jedenfalls kaum...

Zu einfache Rechnung

Ausgangspunkt für das Hochkochen der Gerüchte sind Spekulationen, Murdoch beabsichtige den britischen Privatsender British Sky Broadcasting (BSkyB), bei dem er ebenfalls größter Einzelaktionär ist, von der Börse zu nehmen. Ein Händler in Frankfurt interpretierte dieses Gerücht kurzerhand als Indiz dafür, Sky Deutschland könnte selbiges widerfahren: "Sollte das so kommen, wäre natürlich für Sky Deutschland dann auch die Fantasie da, weil Murdoch wahrscheinlich überall die gleiche Strategie verfolgt." Eine Rechnung, die aus vielerlei Gründen zu einfach erscheint.

BSkyB ist profitabel, Sky alles andere als das

BSkyB ist erfolgreich. Das Unternehmen erwirtschaftet Gewinne. Im Jahr 2009 betrug der operative Gewinn 401 Millionen Britische Pfund, das Ergebnis je Aktie 14,5 Pence. Der Umsatz stieg um zehn Prozent auf 2,873 Milliarden Pfund. Das sind Werte, die einem Investor wie Rupert Murdoch Freude bereiten. Insgesamt zählt der Konzern, der in Großbritannien und Irland aktiv ist, 9,7 Millionen Kunden. Die Kündigungsrate (9,6 Prozent im Geschäftsjahr 2009) ist nicht einmal halb so hoch wie jene von Sky Deutschland (21,6 Prozent im vierten Quartal 2009). Unterschiede bestehen zudem im operativen Erfolg. Sky Deutschland verbrannte vergangenes Jahr auf EBITDA-Basis 262,7 Millionen Euro, mit einer schwarzen Null rechnen Analysten inzwischen  nicht vor 2012.

Der Preis ist heiß, zu heiß

Die Spekulation, Murdoch könne Sky Deutschland kurzfristig von der Börse nehmen, hinkt auch an einem anderen, ganz wesentlichen Punkt: Sky Deutschland bringt inzwischen knapp 1,1 Milliarden Euro auf die Börsenwaage. Wollte Murdoch den Schritt tatsächlich wagen, müsste er tief in die Tasche greifen. Und auf eine Verzinsung seines Investments müsste er auf Jahre verzichten, schließlich sind die Münchener weit davon entfernt auch nur einen müden Penny zu verdienen. Welchen Grund sollte Murdoch, der derzeit einige Baustellen innerhalb seines Konzerngefüges (etwa MySpace) voranzutreiben hat, sich nun auch noch an Sky Deutschland abzuarbeiten?

Kapitaldecke wird immer dünner

Sollte das Interesse Murdochs hingegen tatsächlich ernsthaft sein, dürfte er einen Umweg wählen. Sky Deutschland musste sich im vergangenen Jahr immer wieder Geld über Kapitalerhöhungen besorgen. Immer wieder schmolz das Liquiditätspolster zusammen. Bei der letzten Maßnahme ließ das Unternehmen andere Aktionäre sogar außen vor. Einzig News Corp zeichnete neue Aktien im Wert von 110 Millionen Euro. Offenbar bestand hier keinerlei Chance, Geld von anderen Investoren zu erhalten. Der Ausgabepreis je Aktie war mit 2,25 Euro hoch. Muss Sky sich wieder frisches Geld besorgen, wäre wieder News Corp gefragt - dann allerdings wahrscheinlich zu einem weitaus niedrigeren Preis.

Spekulationen laufen ins Leere

Die Gerüchte um eine bevorstehende Mehrheitsübernahme von Sky Deutschland durch Rupert Murdoch dürften bald wieder in den Hintergrund rücken. Ihr Wahrheitsgehalt dürfte gegen null tendieren. Von einem Investment auf der Long-Seite ist aufgrund der bestehenden Probleme im operativen Geschäft der Sky Deutschland AG abzuraten.

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