Leon Müller

Der Münchener Bezahlsender Sky Deutschland hat zur Hauptversammlung am 23. April 2010 geladen. Wichtigster Tagesordnungspunkt aus Sicht der Aktionäre: 11b - die Schaffung eines neuen Genehmigten Kapitals 2010. Droht dem Markt nun eine neue Aktienschwemme, wie es sie schon 2009 gegeben hat? Und was hätte sie für Auswirkungen auf den Aktienkurs?
Harmlos klingt, was zur Belastungsprobe für den Aktienkurs werden könnte. In der Einladung der Sky Deutschland AG zur Hauptversammlung am 23. April heißt es unter Tagesordnungspunkt 11b: "Der Vorstand wird ermächtigt, das Grundkapital der Gesellschaft bis zum 22. April 2015 mit Zustimmung des Aufsichtsrats durch Ausgabe neuer auf den Namen lautender Stückaktien gegen Bar- und/oder Sacheinlagen einmalig oder mehrmals um bis zu insgesamt 269.580.929 Euro zu erhöhen (Genehmigtes Kapital 2010)." Ein Blick auf den Aktienkurs zeigt: Keiner interessiert sich für diese Passage. Die Aktie steigt. Aber wie lange noch?
Kapitalmarkt als Melkkuh
Der in der Einladung zur Hauptversammlung enthaltene Hinweis darauf, wie Sky Deutschland sich in Zukunft zu finanzieren gedenkt, lässt tief blicken. Es ist exakt das gleiche Muster, wie es schon in der Vergangenheit zu beobachten war: Wirft das operative Geschäft keine Gewinne ab, muss über die Ausgabe neuer Aktien Kapital eingesammelt werden. Der Kapitalmarkt wird zur Melkkuh. Schon heute sind nach mehreren Kapitalerhöhungen in den Jahren 2009 und 2010 bereits 539.161.858 Aktien im Umlauf. Ende 2008 waren es lediglich 112 Millionen Anteilsscheine. Ihre Zahl hat sich damit binnen etwas mehr als einen Jahres in etwa verfünffacht!
Börsenwert und operative Entwicklung laufen auseinander
Dass die Zahl der ausstehenden Aktien sich seit Ende 2008 vervielfacht hat, ist an und für sich kein Grund zu Missmut. Dass der Börsenwert im gleichen Zeitraum von etwa 132 Millionen Euro auf jetzt 1,131 Milliarden Euro gestiegen ist allerdings sehr wohl. Denn diese wundersame Wertsteigerung - immerhin hat der Börsenwert um 760 Prozent zugelegt - ist keinesfalls einhergegangen mit Verbesserungen im operativen Geschäft. Schon allein das ist Grund genug, dass die Aktie wesentlich tiefer als vor einem Jahr, nicht höher notieren sollte.
Blutrote Zahlen für 2009 - Besserung vorerst nicht in Sicht
Wie es um den Konzern tatsächlich steht, zeigt ein Blick auf die Jahreszahlen 2009. Sky Deutschland erzielte Erlöse in Höhe von 902,1 Millionen Euro und damit deutlich weniger als noch im Vorjahr, als 941,1 Millionen Euro durch die Kassen gingen. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) ging von minus 57,0 Millionen Euro im Vorjahr auf minus 262,7 Millionen Euro zurück. Allein im vierten Quartal verlor das Unternehmen 81,6 Millionen Euro nach 44,5 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Besonders dramatisch war die Entwicklung beim Nettogewinn, beziehungsweise im Falle von Sky Deutschland beim Nettoverlust. Dieser summierte sich auf Gesamtjahressicht auf 676,5 Millionen Euro. Damit verbrannte der Konzern jeden Tag rund 1,85 Millionen Euro oder jede Stunde 77.226 Euro.
Kurshalbierung das Minimum
DER AKTIONÄR rät von einem Investment auf der Long-Seite bei Sky Deutschland ab. Aktionäre müssen sich auf eine neuerliche Aktienschwemme gefasst machen. Die Gerüchte um eine bevorstehende Mehrheitsübernahme von Sky Deutschland durch Rupert Murdoch dürften bald wieder in den Hintergrund rücken. Ihr Wahrheitsgehalt dürfte gegen null tendieren. Selbst im Falle einer Kurshalbierung wäre das Unternehmen viermal so hoch bewertet wie Ende 2008. Finger weg!