Jochen Kauper
Fernsehen war gestern, denn das allein reicht ProSiebenSat.1 längst nicht mehr. Die Sendergruppe will allen voran mit Onlinespielen und Musik bis zum Jahr 2015 über 400 Millionen Euro zusätzliche Umsätze generieren. Die Aktie bietet die richtige Show für das Depot und hat weiteres Potenzial.

„Unser Ziel ist es, bis 2015 einen organischen Umsatzzuwachs mit digitalen Entertainmentprodukten wie Web-TV, Video-on-Demand, Musik und Online-Games sowie Commerce-Plattformen von über 400 Millionen Euro zu erzielen", so Christian Wegner, neuer Vorstand für New Media und Diversifikation, gegenüber dem Handelsblatt. Zum Vergleich: Im Geschäftsjahr 2010 erwirtschaftet ProSiebenSat.1 im diesem Geschäftsbereich rund 185 Millionen Euro. Ein sehr ehrgeiziges Ziel, welches sich die Vorstandsmannschaft gesetzt hat.
Im Aufwärtstrend
ProSiebenSat1-Vorstand Thomas Ebeling hat in 2012 also viel vor. 2011 hat ProSiebenSat.1 den Marktanteil in Deutschland leicht ausgebaut. Im Vergleich zum Vorjahr legte die Sendergruppe von 28,5 auf 28,9 Prozent zu. Sat.1 erzielte einen Marktanteil von 10,6 Prozent, ProSiebenSat.1 11,7 Prozent, Kabel Eins 6,1 Prozent und Sixx 0,5 Prozent. „2011 war ein erfolgreiches Jahr für unsere Senderfamilie", so Andreas Bartl, Vorstand TV Deutschland.
Wachstum im Netz
Wegner weiter: „Wir wollen als Fernsehunternehmen noch unabhängiger von der Werbekonjunktur werden". Dazu beitragen sollen unter anderem strategische Partnerschaften mit Spiele-Hersteller wie Electronic Arts oder etwa Elektronik-Giganten wie Sony. So will man unter anderem auch im Bereich der lukrativen Online-Spiele bald eine führende Marktstellung erreichen. Kurzum: Man will die Abhängigkeit vom deutschen Werbemarkt verringern. Um diese Umsatzverluste auszugleichen, will der Sender in anderen Geschäftsfeldern kräftig zulegen. Dazu gehören etwa Online-Spiele, Internetportale oder Bezahlfernsehen sowie die Entwicklung und Produktion von weiteren TV-Formaten. Bereits Mitte Januar hatte das im MDAX notierte Unternehmen die europaweiten Exklusivlizenzen von acht attraktiven Online-Spielen erworben.
Großes Potenzial
Dabei will der Konzern auch durch kleine Übernahmen vorwärts kommen. Zentrale Säule bei ProSiebenSat1 wird aber dennoch das Fernsehgeschäft bleiben. Der Umsatzbeitrag soll allerdings in den nächsten vier Jahren auf rund 50 Prozent zurück gehen.

Mutige schlagen zu
Die neue Strategie liefert frische Impulse und macht das Papier von ProSiebenSat.1 weiter interessant. Im laufenden Jahr konnte die Aktie bereits über 20 Prozent gutmachen. Damit nicht genug: Analyst Frank Neumann vom Bankhaus Lampe etwa traut der Aktie in den nächsten Monaten durchaus den Sprung bis auf 22,00 Euro zu. Auch DER AKTIONÄR bleibt bei seiner positiven Einschätzung für das Papier von ProSiebenSat.1. Die Aktie sollte in einem positiven Börsenumfeld bald die Marke von 20,00 Euro erreichen.