Michael Herrmann
RWE befindet sich derzeit in einer massiven Umbauphase. Der Konzern plant die Umwandlung in eine Europäische Aktiengesellschaft. Branchenkenner nehmen die Nachricht positiv auf. Die Aktie kann sich aber (noch) nicht nachhaltig von den Tiefstständen lösen.
Nach der angekündigten Herausnahme aus dem Stoxx Europe 50 stand die Aktie von RWE gestern erneut unter Druck. Auch die Ankündigung zukünftig verstärkt in Offshore-Windparks investieren zu wollen verhalf ihr nicht zu Kursgewinnen. Heute gab der Energieversorger Pläne für einen umfangreichen Konzernumbau bekannt.
Transformation in Societas Europea (SE)
Die Aktien von RWE stehen wegen eines Presseberichts im Blick. Wie das Handelsblatt berichtet, soll der Energiekonzern in eine Europäische Aktiengesellschaft, auch Societas Europea (SE) genannt, umgewandelt werden. RWE-Chef Jürgen Großmann will dadurch unter anderem den Einfluss der kommunalen Aktionäre schmälern. Der Aufsichtsrat soll den Umbau bereits auf seiner nächsten Sitzung am 22. und 23. September in Budapest zu beschließen.
Neugründung einer "Deutschland AG"
Das Heimatgeschäft will der Konzern in einer darunter hängenden "Deutschland AG" bündeln. Als Hülle der neuen Tochter fungiert die RWE Rheinland Westfalen Netz AG, in der bereits die regionalen Netz sowie Beteiligungen an Stadtwerken und Regionalversorgern gebündelt sind. Unter ihrem Dach sollen unter anderem die RWE Vertrieb AG, die für das Stammgebiet an Rhein und Ruhr verantwortlich ist, sowie die RWE Effizienz GmbH, in der Zukunftsgeschäfte wie Elektromobilität oder Hausautomatisierung gebündelt sind, angehängt werden. Ausgenommen ist dagegen die Stromerzeugung. Sie soll weiterhin bei RWE Power verbleiben.
Halbierung der Mitarbeiterzahl geplant
Auch für die Beschäftigten stehen mit dem geplanten Umbau größere Veränderungen an. Die neue Deutschland AG wird zwar laut RWE-Chef Jürgen Großmann einen großen Teil der Beschäftigten aus der Konzernholding aufnehmen, deren Mitarbeiterzahl von derzeit rund 800 Mitarbeitern soll aber halbiert werden, um den Konzern schlanker zu machen.
Positives Händlerfeedback
Erste Stimmen zum geplanten Konzernumbau fielen positiv aus. Durch die Umfirmierung in könne der große Einfluss der Kommunen, ein häufiger Kritikpunkt ausländischer Investoren, geschmälert werden. Sollte RWE solche Umbaupläne wirklich vorantreiben, dürfte das entsprechend positiv am Markt aufgenommen werden. Generelles Problem der Versorger und damit auch von RWE sei aber weiterhin die Unsicherheit über die Ausgestaltung der anstehenden Neuregelung der AKW-Laufzeiten.

Aktie bleibt Langzeitinvestment
DER AKTIONÄR hat bereits mehrfach darauf hingewiesen, dass vor allem langfristig orientierte Anleger die historisch günstige Bewertung im Auge behalten sollten und das aktuelle Kursniveau trotz des Damoklesschwerts der ungeklärten Laufzeitenfrage eine interessante Einstiegsgelegenheit darstellt. Die Aktie von RWE „kämpft" derzeit um die wichtige Unterstützung im Bereich von 52 Euro. Nach den deutlichen Verlusten in den vergangenen Wochen sollte sich der Titel in diesem Bereich aber stabilisieren und im Anschluss einen Gegenbewegung starten. Das erste Ziel würde dann im Bereich um 56 Euro liegen.