Michael Herrmann
Trotz einer starken Halbjahresbilanz standen die Aktien des Energieversorgers RWE zuletzt deutlich unter Druck. Der Grund: Konzern und Anleger äußern sich skeptisch über die Folgen des Konzepts der Bundesregierung zur Zukunft der Kernenergie. Analysten raten mit Investments abzuwarten. Doch sind wirklich schwere finanzielle Folgen für RWE zu befürchten?
Mit der Veröffentlichung der Halbjahresbilanz hat der Energieversorger RWE zuletzt die Erwartungen übertroffen. Konzernchef Jürgen Großmann warnte dabei aber gleichzeitig vor den wachsenden politischen Risiken und Belastungen und meinte damit vor allem die für Ende September vorgesehene Entscheidung über den verlängerten Betrieb der deutschen Atommeiler. Dass die Energieversorger dabei wirklich finanziell schwer leiden müssen, ist aber zumindest zu bezweifeln, denn die Energiewirtschaft hat in der Vergangenheit schon oft genug bewiesen, dass sie gut mit der Bundespolitik verhandeln kann.
Einmalzahlung statt Prämie
Im Gespräch ist derzeit etwa eine Einmalzahlung der Energieversorger für die nächsten zehn Jahre, die in etwa der von der Bundesregierung geplanten Prämienbelastung von 2,5 Milliarden Euro pro Jahr entspricht. Diese Lösung hätte gleich mehrere Vorteile für die Energiekonzerne. Zum einen würden weitere Zahlungen damit unwahrscheinlich. Das Geld wird zudem wahrscheinlich nicht einfach in den Bundeshaushalt fließen, sondern für den Aufbau erneuerbarer Energien verwendet werden, an dem die Energieversorger wiederum beteiligt sind. Hierzu passt die jüngste Ankündigung RWEs mehr Windkraftwerke in NRW bauen zu wollen.
Analysten raten zum Abwarten
Analysten raten Anlegern nach den jüngsten Aussagen der Bundesregierung bei RWE dennoch zum Abwarten. Michael Schäfer, Analyst von Equinet, verweist beispielsweise auf die weiterhin vorherrschende Verwirrung um die Zukunft der Kernenergie. Er rät deshalb, vor einem möglichen Investment zunächst die, für den 28. September vorgesehene, Veröffentlichung des Konzepts der Bundesregierung abzuwarten.

Aktie bleibt ein langfristiger Kauf
DER AKTIONÄR hält an seiner positiven Einschätzung zur RWE-Aktie fest. Risikobereite Anleger könnten das aktuelle Kursniveau als Einstiegschance nutzen, denn aus charttechnischer Sicht hat sich im Bereich von 52 Euro zuletzt ein relativ stabiler Boden ausgebildet. Ein Stoppkurs knapp unterhalb der charttechnisch wichtigen Marke von 52 Euro sollte das Investment dennoch absichern.
Konservative Anleger sollten wegen der großen Verunsicherung der Märkte dagegen den Ausgang der Verhandlungen zwischen Energieversorgern und Bundesregierung abwarten. Sollten RWE & Co. erneut einen guten Deal auszuhandeln, dürfte der Weg nach oben frei sein und die nächste charttechnische Herausforderung im Widerstandsbereich um die 56 Euro schnell fallen.