3D-Spezialist für BMW und Ferrari: "Es brummt wieder"
Der 3-D-Softwarepartner von Ferrari, BMW oder Airbus steht vor der Gewinnung neuer Großaufträge. So günstig gab es die Aktie lange nicht. DER AKTIONÄR hat den CEO Ludwig Fuchs gesprochen.
Der kleine aber feine Nebenwerte Realtime Technology steht vor einem Comeback. Im operativen Geschäft ist die Dynamik bereits zurückgekehrt, wie Firmenchef Ludwig Fuchs (Bild) im folgenden Interview mit dem AKTIONÄR verriet.
DER AKTIONÄR: Herr Fuchs, RTT ist im Geschäftsjahr 2011 mit zehn Prozent gewachsen. Bei RTT ist man mehr gewohnt. Blick nach vorne: Ist die Nachfrage wieder stärker geworden?

Ludwig Fuchs: Ja. Es brummt wieder. Wir stellen aktuell absolut eine Belebung fest. So verzeichnen wir etwa in den USA Hochauslastung. Auch in Europa ist sehr viel los.
Gerade größere und komplexere Projektthemen werden derzeit von unseren Kunden sehr massiv angenommen.
Mit Spannung blickt der Markt nach dem Einstieg von Siemens auf daraus resultierende Umsätze. Wie geht es voran?
Die Kooperation mit Siemens verläuft gut. Die erste gemeinsam entwickelte Softwareversion geht in diesen Tagen an den Markt. Diese war bereits bei großen Automobilherstellern im Produktivbetrieb beziehungsweise im Test und hat sich bewährt.
Was genau kann die neue Software?
Unser Kernvisualisierungsprodukt RTT DeltaGen läuft bisher rein auf Desktops. Damit können Designer Daten laden und 3-D-Analysen betreiben. Die Neuheit ist nun, dass dieses Produkt in die Siemens-PLM-Plattform Teamcenter integriert wurde. Damit müssen sich die Daten nicht mehr auf dem PC befinden, sondern es kann firmenweit und plattformübergreifend zugegriffen werden. So erhalten Designer von Autobauteilen automatisch Updates, sobald sich am Gesamtprojekt Spezifikationen ändern.
Zudem können Bibliotheken angelegt werden. Das hilft, wenn gleiche Lacke oder Navigationsgeräte in mehreren Modellen verwendet werden und passend heruntergeladen werden können.
Wie bedeutend ist dieser neue Partner für RTT?
Die Siemens-Kooperation hat einen großen strategischen Wert für uns. Dieses Jahr trägt sie noch wenig zu den Gesamterlösen bei. Doch in zwei bis drei Jahren erwarten wir hieraus bereits sehr relevante Millionenumsätze.
Was haben Sie sich 2012 ansonsten noch vorgenommen?
Die Weiterentwicklung im Bereich Automotive bleibt eines unserer Hauptthemen. Hier gibt es auf der Softwareseite - nicht nur mit Siemens - noch viele Chancen für uns. Prägend sind auch sehr große Projekte im Bereich Konfiguratoren. Prominentes Thema ist „Future Retail", also die Weiterentwicklung der Showrooms von Autoherstellern. Wir arbeiten bereits an der neuen Generation, welche Multimedia und 3-D zu einem beeindruckenden Erlebnis verknüpft.
Ein wichtiger Trend ist der Aufbau global nutzbarer Datenbanken mit visuellen Assets. Ziel ist es, dass weltweit Mitarbeiter, Werbeagenturen oder Händler auf die Daten und Modelle zugreifen können.
Nicht nur Automobilhersteller sind an RTT-Produkten interessiert ...
Genau. Wir sind kurz vor der Gewinnung asiatischer Elektronikhersteller als Neukunden. Es tut sich auch einiges im Fashion-Bereich. Neben unserem Sport-Stammkunden Adidas haben wir in den USA neue Kunden gewonnen. Auch in China finden wir reges Interesse vor.
Wie ist der Stand des Aktienrückkaufprogramms?
Wir haben bereits erste Aktien zurückgekauft. Das Programm ist gestartet und läuft weiter.
Unterm Strich bleibt RTT also auf Wachstumskurs?
Absolut. Wir sehen eine sehr gute Nachfrage und sind insgesamt sehr positiv für den Geschäftsverlauf im Jahr 2012 gestimmt. Wir streben auch künftig zweistellige organische Wachstumsraten an. Die EBIT-Marge soll dabei über zehn Prozent betragen.
Vielen Dank für das Gespräch.
Mehr zur Bewertung der Aktie lesen Sie im Artikel "Mehr als 1.000 Worte".
Dieses Interview ist in der AKTIONÄR-Ausgabe 18/2012 erschienen.
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