Rösler würgt Solarworld, Q-Cells, Conergy – im Sinne von RWE und E.on

Florian Söllner

Solar-Pionier Franz Alt schießt scharf gegen die Pläne von Philipp Rösler. Dieser arbeitet weiter fleißig daran, die gerade vor dem Durchbruch stehende Photovoltaik auszubremsen. Doch noch besteht Hoffnung.

Der Solarbranche geht es an den Kragen. "Es wird ein Modell des würgenden Deckels" geschaffen, so Energieexperte Hans-Josef Fell. Gemeint sind die Pläne von FDP-Chef Philipp Rösler, den "atmenden Deckel" abzuschaffen. Statt eines Zubaus von 7,5 GW im Jahr 2011 soll der Sollzubau wieder in einem Zielkorridor von 1.000 bis 1.500 MW jährlich liegen. Bis 2020 dürften demnach lediglich 33 GW Solarkraft neu installiert werden.

"Wenn Deutschland den Rösler-Deckel einführt, wäre das ebenso, als würden wir auf den deutschen Autobahnen ein 30-Stundenkilometer-Limit einführen", so Eicke Weber vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme. Er fordert: "Wir brauchen einen Ausbau der Photovoltaik auf 50 bis 70 Gigawatt, wenn wir die Abschaltung der Kernkraftwerke ausgleichen und auch die schlimmsten Kohlekraftwerke abschalten wollen." Ein Deckel würde nur RWE oder E.on dienen, die beginnen würden, sich wegen der Photovoltaik große Sorgen zu machen. Auch Solar-Pionier Franz Alt wirft Rösler "schlichte Klientel-Politik im Sinne der alten Energiewirtschaft" vor.

Ringen geht weiter

Noch sind die Positionen des Bundesumwelt- und -wirtschaftsministerium weit voneinander entfernt. Der Umwelt-Flügel bringt eine weitere Absenkung der Einspeisevergütung zum ersten April 2012 und danach monatliche Degressionsschritte ins Spiel. Maximal soll die Absenkung der Förderung jedoch jährlich 24 Prozent betragen. Der Wirtschaftsflügel will radikaler in das System eingreifen und bei mehr Zubau automatisch die Vergütung reduzieren. "In der Hauptstadt wird weiter gerungen", so Wolfgang Hummel vom Berliner Zentrum für Solarmarktforschung. Ende Februar soll es einen offiziellen Entwurf der Position des Bundesumweltministeriums geben.

Solarworld: Chart-Entscheidung

DER AKTIONÄR sieht die Gefahr (siehe auch "Rösler unliberal"), dass sich der Wirtschaftsflügel in wesentlichen Positionen durchsetzt. Vor wenigen Wochen erlitten bereits der italienische und spanische Solarmarkt empfindliche Förder-Rückschläge.

Besonders für den deutschen Markenführer Solarworld ist ein intakter Heimatmarkt sehr wichtig. Anleger sollten sich hier auf lange Sicht weiterhin zurückhalten. Kurzfristig ist die Chart-Marke bei vier Euro bedeutend - wird das Niveau verteidigt, hätte sich das Bild zumindest vorübergehend wieder aufgehellt. Bei Q-Cells ist die Situation viel klarer: Das Papier sollte unbedingt verkauft werden. Auch Conergy  ("Nur ein Strohfeuer") bleibt ein Underperformer.

China erwacht

Doch es gibt auch Lichtblicke im Solarsektor. Anders als in Europa boomt in China der Zubau. 2012 könnten bereits fünf GW verbaut werden - nach 1,1 GW im Jahr 2011. Damit könnte Asien einen schwächelnden deutschen Markt kompensieren. Profiteur wäre vor allem der besonders günstig produzierende - die Kosten liegen rund 30 Prozent niedriger -  Modulhersteller Trina Solar. Risikobewusste Anleger können hier auf einen Rebound spekulieren.

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