Michael Herrmann
Qiagen hat seine Halbjahreszahlen veröffentlicht. Analysten sehen Licht und Schatten in der Bilanz. Sowohl Umsatz als auch Gewinn des Biotech-Unternehmens lagen unter den Erwartungen. Die Aktie bleibt dennoch interessant.
Der Diagnostikspezialist Qiagen konnte mit dem veröffentlichten Halbjahresbericht nicht überzeugen. Das Unternehmen hat im zweiten Quartal zwar ein prozentual zweistelliges Gewinnwachstum verbucht, das Betriebsergebnis sank aber wegen höherer Abschreibungen und Vertriebskosten um neun Prozent auf 42,8 Millionen Dollar. Analysten hatten im Durchschnitt mit einem leichten Anstieg auf 47,4 Millionen Dollar gerechnet hatten. Vor allem aber blieb der Umsatzanstieg um neun Prozent auf 262,7 Millionen Dollar hinter den Markterwartungen zurück.
Unterschiedliche Analystenreaktion
Die Analysten reagierten recht unterschiedlich auf den vorgelegten Halbjahresbericht. Für Daniel Wendorff von der Commerzbank liegt das bereinigte Ergebnis je Aktie über den Markterwartungen und auf dem Niveau seiner Prognose. Allerdings würden die Risiken zunehmen. Sollten zum Beispiel die Patientenzahlen in den USA weiter sinken, sei die Bestätigung des bisherigen Jahresziels gefährdet. Cornelia Thomas, Analystin bei der WestLB, bewertet die Aussichten Qiagens dagegen unverändert positiv und stuft die Aktie Aktie weiterhin als "Buy" ein.
Chevreux stuft Qiagen ab
Cheuvreux-Analyst Oliver Reinberg nahm die Aktien dagegen von der "Selected List" und stuft sie nun mit "Outperform" ein. Die Qualität der operativen Entwicklung habe seine Erwartungen nicht erfüllt, da der Gewinn je Aktie die Schätzungen lediglich aufgrund eines besseren Finanzergebnisses und niedrigerer Steuerbelastungen übertroffen hat. Weil er zudem von einem schwachen dritten Quartal ausgeht, hat er den Titel abgestuft, obwohl er das Wachstumsprofil des Biotech-Unternehmens weiterhin gut finde. Das Kursziel belässt er allerdings bei 19 Euro.
Unterstützung sollte halten
DER AKTIONÄR hält dagegen an seiner Einschätzung fest, denn an der langfristigen Wachstumstory hat sich durch die aktuellen Zahlen nichts geändert. Qiagen verfügt durch die Weltmarktführerschaft weiterhin über eine herausragende Position im Zukunftsmarkt Molekulare Diagnostik. Zudem könnte sich das Geschäft mit personalisierter Medizin, wo Qiagen jüngst mehrere Kopperationen abgeschlossen hat, in den nächsten Jahren als Wachstumstreiber erweisen.
Der "Top-Tipp konservativ" der Ausgabe 30/10 des AKTIONÄRs könnte aufgrund der durchwachsenen Halbjahresbilanz zwar kurzfristig weiter unter Druck stehen, bleibt aber eine Empfehlung des AKTIONÄRS. Die jüngsten Kursverluste haben die Aktie in die Nähe der Unterstützung im Bereich von 13,75 Euro gebracht. Diese hat sich in der Vergangenheit aber als tragfähig erwiesen und sollte auch dieses Mal halten. Dennoch wichtig: Stoppkurs bei 13,50 Euro setzen beziehungsweise beibehalten. Das Kursziel des AKTIONÄRs lautet weiterhin 21 Euro.