Frank Phillipps
Die im letzten Jahr getätigten Zukäufe tragen erste Früchte: Eine Qiagen-Tochter kooperiert zukünftig mit dem Pharma-Giganten Pfizer. Gemeinsam sollen therapiebegleitende Tests für Patienten mit Hirntumoren entwickelt werden. Ein weiterer Schritt auf dem Weg zur personalisierten Medizin.
Nur wenige Tage vor der Präsentation der Geschäftszahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2009 (am Montag, den 08.02, nach Börsenschluss in den USA) wartet Qiagen mit einem Paukenschlag auf: Die 100-prozentige Qiagen-Tochter DxS wird zukünftig mit dem US-Pharma-Giganten Pfizer zusammenarbeiten. Pfizer entwickelt derzeit ein neuartiges Medikament zur Behandlung von Gehirntumoren, sogenannter Glioblastome multiforme. Der experimentelle Wirkstoff mit dem Forschungsnamen PF-04948568 durchläuft derzeit die zweite von drei Phasen der klinischen Entwicklung. In Kooperation mit DxS will Pfizer nun einen Test entwickeln, mit dem sich Patienten identifizieren lassen, die sich besonders gut für die Behandlung mit der Pfizer-Arznei eignen. Dabei steht der medizinische Bedarf an neuen Arzneien zur Behandlung von Glioblastomen außer Frage: Weltweit werden jährlich rund 25.000 neue Fälle diagnostiziert. Das Glioblastom ist damit die häufigste bösartige Tumorerkrankung bei Erwachsenen.
Die passende Medizin
Bei dem Pfizer-Wirkstoff handelt es sich um eine neue Klasse von Medikamenten, die auch als "Krebsimpfstoff" oder Immuntherapie bezeichnet werden. Das Mittel zielt darauf ab, Signale zu blockieren, die von einer mutierten Form des sogenannten EGF-Rezeptors ausgesendet werden. Die Signale werden für das unkontrollierte Wachstum und die Vermehrung von Krebszellen verantwortlich gemacht. Der neue Test soll Patienten mit ebendieser Mutation aufspüren.
"Wir freuen uns sehr über den Vertragsabschluss mit Pfizer", sagte Stephen Little, Vice President Personalized Healthcare bei Qiagen. "Dies ist ein weiterer wichtiger Schritt zur Verbreitung der personalisierten Medizin. Diese Vereinbarung ist eine weitere Bestätigung unserer wissenschaftlichen und operativen Möglichkeiten, mit denen wir bei der Auswahl der richtigen Patienten für die richtigen Medikamente helfen können", so Little weiter.

Überraschung?
Finanzielle Details zum Pfizer-Deal nannte Qiagen zwar nicht, dafür werden die Hildener in der kommenden Woche Einzelheiten zum Verlauf des Geschäftsjahres 2009 berichten. Die Analysten erwarten hier im Durchschnitt einen Umsatz von 996 Millionen Dollar und einen Gewinn von 0,84 Dollar je Aktie. DER AKTIONÄR spekuliert hier auf eine positive Überraschung, bleibt bei seiner "Kaufen"-Einschätzung und behält sich vor, das aktuelle Kursziel von 17,50 Euro im Nachgang zu den Zahlen neu zu definieren.