Frank Phillipps
DER AKTIONÄR sprach mit Qiagen-Finanzvorstand Roland Sackers über Rekordzahlen, neue Diagnostik-Trends und
die Aussichten des TecDAX-Unternehmens für 2010.
Rekordzahlen bei Qiagen: Der Diagnostik-Spezialist hat 2009 zum ersten Mal in seiner Geschichte die Umsatzmilliarde geknackt und auch beim Gewinn ordentlich zugelegt. DER AKTIONÄR sprach mit Qiagen-Finanzchef Roland Sackers über den Trend zur personalisierten Medizin und die Ziele des TecDAX-Konzerns für 2010.
DER AKTIONÄR: Herr Sackers, Qiagen hat zum ersten Mal in seiner Firmengeschichte mehr als eine Milliarde Dollar Umsatz in einem Jahr erzielt. Wie schätzen Sie die Zahlen für 2009 ein?
Roland Sackers: Wir haben 2009 mit der Umsatzmilliarde in der Tat eine historische Marke erreicht. Fast noch wichtiger aber sind für uns andere Kennzahlen wie das mit 22 Prozent überproportional starke Gewinnwachstum oder unser organisches Umsatzwachstum, das mit 13 Prozent in der Industrie seinesgleichen sucht. Alles in allem war 2009 mit das stärkste Jahr der bisherigen Firmengeschichte, wir sind sehr zufrieden mit den Ergebnissen.
Welche waren die Hauptwachstumstreiber im abgelaufenen Jahr?
Auf der Kundenseite kam das stärkste Wachstum erneut aus der molekularen Diagnostik, wo wir eine große Nachfrage im Bereich von Präventionstests und Tests zum Nachweis von Infektionskrankheiten gesehen haben. Hier kommt uns zu Gute, dass wir mit unseren Plattformen mittlerweile alle Anwendungsfelder und Laborgrößen abdecken können. Bei den Regionen entwickelt sich Asien mit 39 Prozent Umsatzwachstum sehr stark, China sogar mit über 90 Prozent. Auf Asien entfallen bereits 12 Prozent der Gesamtumsätze, und der Markt hat noch eine geringe Penetrationsrate.
Für 2010 stellen Sie einen Gewinn zwischen 0,90 und 0,96 Dollar je Aktie in Aussicht, nachdem 2009 bereits ein Plus von 0,93 Dollar unter dem Strich stand. Warum so verhalten?
Bereinigt um die Verwässerungseffekte aus der Kapitalerhöhung vom letzten Herbst entspricht das einem Wachstum zwischen 8 und 16 Prozent, das halte ich für sehr ordentlich. Vielleicht haben sich einige Marktbeobachter bereits daran gewöhnt, dass wir seit Jahren Quartal für Quartal hervorragende Zahlen präsentieren. Gemessen an den gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen und den Prognosen anderer Unternehmen kann sich unser Ausblick mehr als sehen lassen.
Denken Sie darüber nach, einen Teil als Dividende an die Aktionäre auszuschütten?
Wir beschäftigen uns regelmäßig mit dem Thema, bislang sehen unsere Aktionäre in der Mehrzahl die Erträge aber lieber in das weitere Wachstum des Unternehmens investiert - und ich denke, wir haben das in uns gesetzte Vertrauen in der Vergangenheit nicht enttäuscht.
Der Sektor Molekulare Diagnostik war 2009 mit einem Umsatzanteil von fast 50 Prozent einmal mehr der wichtigste Bereich von Qiagen. Welche Highlights würden Sie hervorheben und wie sieht Ihre Prognose für das laufende Jahr aus?
2009 war das Jahr einiger strategisch enorm wichtiger Weichenstellungen in diesem Bereich. Wir haben unsere Position in der personalisierten Medizin konsequent ausgebaut und sind mit über 15 Pharma-Partnerschaften und rund 20 Tests nun der führende Anbieter in diesem Segment. Auch bei unseren Produkten für die Prävention und Profilierung, also der Früherkennung und Diagnose von Krankheiten, konnten wir unsere Marktposition weiter stärken.
Positiv hervorzuheben ist sicherlich das große Umsatzplus bei unseren Instrumenten, denn jedes verkaufte Gerät gewährleistet langfristig die kontinuierliche Nachfrage nach unseren Kits mit Verbrauchsmaterialien. Entsprechend erwarten wir in der Diagnostik auch zukünftig eine positive Entwicklung, zumal innerhalb der nächsten 18 Monate die Einführung zahlreicher neuer Produkte mit großem Potenzial ansteht. Darüber hinaus können wir unsere Produkte dank einer neuen Technologie künftig auch für die Vor-Ort-Testung, also Bereiche wie die Notfallmedizin, adaptieren.
Sie sprechen die personalisierte Medizin an. Was genau verbirgt sich dahinter?
Ganz einfach: Eine bessere Behandlung zu niedrigeren Kosten, indem medizinische Therapien anhand von Erbinformationen stärker auf individuelle Patientengruppen angepasst werden. Dies erleben wir aktuell sehr stark in der Onkologie. Dort gibt es bereits eine Reihe von Medikamenten, die nur bei Patienten mit einem bestimmten genetischen Profil wirken. Mit unseren Tests können Sie diese Patienten bestimmen und sicherstellen, dass unnötige oder gar schädliche Therapien vermieden werden, die überdies die Gesundheitssysteme viel Geld kosten.
Wie schätzen Sie die Wachstumsraten in diesem Sektor ein?
Das Segment ist sehr dynamisch, durch wissenschaftlichen Fortschritt und neue Medikamente eröffnen sich praktisch jeden Tag neue Möglichkeiten. Der Trend wird mittlerweile auch von Zulassungsbehörden und Pharma forciert. Qiagen hat vor Kurzem eine Kooperation mit Pfizer zur Entwicklung eines neuen Tests für Patienten mit Hirntumoren auf den Weg gebracht und die exklusive Lizenz für ein Gen erworben, dem eine Schlüsselrolle bei der Behandlung vieler Krebsarten zugeschrieben wird. Ich halte daher Prognosen, die für die Zukunft im Schnitt ein jährliches Wachstum in der Größenordnung von 20 Prozent ausweisen, für nicht übertrieben.
Aktuell stehen Ihnen Cashreserven von rund 826 Millionen Dollar zur Verfügung. Wie wollen Sie dieses Geld einsetzen?
Das Geld dient vor allem dazu, unsere strategische Flexibilität zu sichern. Der Fokus liegt für uns auf organischem Wachstum, weshalb wir in 2010 einen hohen zweistelligen Millionenbetrag in klinische Studien investieren werden. Akquisitionen machen nur dort Sinn, wo sie dieses organische Wachstum stützen und gewinnerhöhend wirken. Unser Fokus dürfte dabei auf der weiteren geografischen Expansion oder der Ergänzung unseres Technologie- und Testportfolios liegen.

Kursziel wird erhöht
Die erfolgreiche Geschäftsentwicklung, die sich auch in Krisenzeiten weitestgehend konjunkturunabhängig vollzieht, wird durch die Entwicklung des Aktienkurses in den letzten Monaten nicht ausreichend reflektiert. DER AKTIONÄR bestätigt seine Kaufempfehlung für das Papier und erhöht sein Kursziel von 17,50 Euro auf nun 19 Euro.