Norbert Sesselmann
Q-Cells geht in die Offensive: Der einstige Solarzellenspezialist verkauft ab sofort auch fertige Sonnenstromanlagen zu einem günstigeren Preis als die heimischen Wettbewerber Conergy und Solarworld. Steht nun endlich eine Trendwende bevor?
Der neue Q-Cells-Vorstandschef Nedim Cen baut seinen Konzern derzeit massiv um. Nun will er sogar seinen Wettbewerbern Solarworld und Conergy Marktanteile abjagen. Der Konzern möchte sich nicht weiter nur auf die reine Herstellung von Solarzellen spezialisieren sondern auch eigene Solarmodule zu einem günstigen Preis anbieten.
Billiger als deutsche Markenprodukte
"Unsere Module werden preislich in einem attraktiven Bereich liegen", betonte Nedim Cen der Financial Times Deutschland in einem Interview. Natürlich werden die Q-Cells-Module teuerer sein als die chinesischen Module. Aber mit den Preisen will der Vorstand in der Mitte zwischen den chinesischen Produkten und einem deutschen Markenprodukt liegen. Zudem will Q-Cells sich künftig direkt an den Endkunden wenden und damit die kostentreibenden Zwischenhändler umgehen.
Von Hochtechnologie zur Massenware
Mit der reinen Herstellung von Solarzellen, einem Vorprodukt der Solarmodule, lässt sich nicht mehr genug Geld verdienen. Während der Prozess einst Hochtechnologie war, sind Solarzellen in den vergangenen Jahren zur billigen Massenware geworden. In Zukunft möchte Q-Cells mit Solarzellen nur noch etwa 30 Prozent der Erlöse erwirtschaften. Die neuen Module baut der Konzern nicht selber, sondern lässt diese von einem Auftragsfertiger in Malaysia herstellen. Auf der Branchenmesse "Intersolar" in zwei Wochen stellt das Unternehmen erstmals seine Module vor.

Weiterhin meiden
Ob die Rechnung aufgeht, bleibt ungewiss, denn auch der Modulmarkt ist hart umkämpft. Hier drücken ebenfalls die chinesischen Konkurrenten die Preise. Nach dieser angekündigten Neuausrichtung kann die Aktie heute zu Handelsbeginn knapp drei Prozent zulegen, nachdem das Papier gestern im Zuge einer Herabstufung stark unter die Räder kam. Charttechnisch schaut es bei der Aktie alles andere als sonnig aus. Der Kurs der Aktie stürzte innerhalb von zwei Jahren von 100 Euro auf fünf Euro ab. Hier auf eine mittelfristige Trendwende zu spekulieren wäre nach Ansicht des AKTIONÄRS zu riskant. Der Abwärtstrend ist völlig intakt. Erst ab einem Kursniveau von zehn Euro würde sich die Situation allmählich aufhellen. Auf diesem Kursniveau könnte dann eine Trendwende bevorstehen. Bis dorthin gilt: Finger weg!