Praktiker: Viel zu hoch bewertet?
Die Aktionäre der Baumarktkette Praktiker müssen ein hohes Rückschlagsrisiko in Kauf nehmen. Das meinen zumindest die Analysten der DZ Bank. Auch nach Abschluss der jüngsten Finanzierungsverhandlungen halten sie das Papier für zu hoch bewertet und sehen ein Rückschlagspotenzial von rund 30 Prozent.
„Wir rechnen nicht nur für das laufende Geschäftsjahr 2012, sondern auch für das Geschäftsjahr 2013 mit einem Verlustausweis im Konzern", heißt es in einer aktuellen Studie der DZ Bank. Aus der bevorstehenden Kapitalerhöhung dürfte weiterer Abgabedruck resultieren. Das Votum von Analyst Herbert Sturm bleibt „Verkaufen" mit einem fairen Wert von 1,00 Euro.
Auch Berenberg rät zum Verkauf
Ins gleiche Horn stößt auch die Berenberg Bank. Die Privatbank hat die Einstufung für Praktiker auf „Sell" mit einem Kursziel von 1,10 Euro belassen. Die Zahlen der Baumarktkette zum dritten Quartal hätten die Erwartungen verfehlt, schrieb Analystin Anna Patrice in einer Studie vom Freitag. Die Expertin hält auch die aktuellen Unternehmensziele für das Geschäftsjahr 2013, denen zufolge der Umsatz stabil und die Gewinne anziehen sollen, für zu ambitioniert. Der Restrukturierung mit neuem Fokus auf Max Bahr komme nun entscheidende Bedeutung zu.
Zweifelsohne muss man den beiden Analysten zustimmen: Die Zahlen für das dritte Quartal sind alles andere als gut gewesen. Aber der Markt hatte auch nicht wirklich mit guten Zahlen gerechnet. Vielmehr spiegeln sich in den Zahlen die langwierigen Finanzierungsverhandlungen wider. Und dass der Restrukturierung mit Fokus auf Max Bahr entscheidende Bedeutung zukommt, das ist - mit Verlaub - keine wirklich neue Erkenntnis. Die Frage ist: Können Anleger damit rechnen, dass diese Restrukturierung Erfolg hat.

DER AKTIONÄR sieht die Chancen durchaus als gut an, dass der Plan aufgeht. In Norddeutschland ist die Marke Max Bahr ohnehin relativ bekannt, in Süddeutschland hingegen dürfte ein höherer Marketingaufwand auf Praktiker zukommen, um das Label bekannt zu machen. Doch durch das höherpreisige Segment dürfte es dem Konzern gelingen, auch die Marge wieder deutlich zu verbessern. Erste Erkenntnis dürfte dabei in rund einem Jahr sichtbar werden. Dass im kommenden Jahr unter dem Strich noch einmal ein Verlust anfallen könnte, ist mit Blick auf die Umstellung von noch mehr als 100 Filialen durchaus möglich. Allerdings sollte es spätestens ab dem dritten Quartal 2013 nach Ansicht des AKTIONÄRs zu einer signifikanten Ergebnisverbesserung kommen.
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