Praktiker: Angebot liegt auf dem Tisch
Lange Zeit hat alles daraufhingedeutet, dass Praktiker zur Sanierung um in Hochzinsdarlehen des US-Finanzinvestors Anchorage nicht herumkommt. Doch jetzt könnte sich das Blatt wenden: Großaktionärin Isabella de Krassny hat dem Konzern ein neues Finanzierungskonzept unterbreitet.
De Krassny, die über Maseltov und die österreichische Privatbank Semper Constantia 15 Prozent an Praktiker kontrolliert, will mit Hilfe von Investoren gut informierten Kreisen zufolge Praktiker rund 100 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Das gute für die Anleger: In diesem Fall könnte die angekündigte Kapitalerhöhung niedriger ausfallen als zunächst erwartet. Anchorage hätte Praktiker 85 Millionen zur Verfügung gestellt. Dafür wollte der US-Investor geschätzte 17 Prozent Zinsen. Das Konzept von de Krassny dürfte für Praktiker deutlich attraktiver sein - und damit letztlich auch für die Aktionäre.
Gewerkschaften könnten mitziehen
Auch von Seiten der Gewerkschaft Verdi dürfte es keine Einwände gegen ein Alternativkonzept geben, sollte dieses ebenfalls belastbar sein. Ein Sprecher bestätigt bereits vor einigen Tagen im Gespräch mit dem AKTIONÄR, dass sich die Gewerkschaft nicht sperren würde. Es käme einzig auf die Belastbarkeit des Finanzierungskonzepts an. Dies würde jedoch von einem Wirtschaftsprüfer geprüft werden. Sollte dies der Fall sein, dann könnte der Sanierungstarifvertrag auch bei diesem Konzept zum Tragen kommen.

Der Fall Praktiker bleibt spannend. Die Aktie ist derzeit die heißeste Turnaround-Wette auf dem deutschen Aktienmarkt. Gelingt es dem Konzern, einen Teil der Filialen erfolgreich auf Max Bahr umzuflaggen und geht auch das Konzept für die restlichen Praktiker-Filialen auf, dann strebt der Konzern tatsächlich in eine bessere Zukunft. Zunächst müssen jedoch der Vorstand und der Aufsichtsrat über die weitere Finanzierung entscheiden. Zudem wird auch eine Personalie in den kommenden Tagen in den Blickpunkt rücken: Bleibt Interimsvorstand Kay Hafner auch weiterhin an der Konzernspitze, oder wird es auch hier eine Überraschung geben. Er war nur für drei Monate als Vorstandsvorsitzender bestellt, nachdem sich der Konzern von Thomas Fox getrennt hat. Diese Bestellung läuft Mitte August aus.
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