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Postbank-Chefvolkswirt: "Notenbank hat Risiko von Übertreibungen verringert"

Michael Schröder

Die Europäische Zentralbank (EZB) will mit unbegrenzten Anleihenkäufen notleidenden Euro-Ländern unter die Arme greifen. Die US-amerikanische Notenbank Fed öffnet ebenfalls erneut ihre Schleusen und bringt ein weiteres milliardenschweres Anleihekaufprogramm auf den Weg. Ist das Thema Schuldenkrise damit nun vom Tisch?

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In den vergangenen Wochen hat sich einiges getan an den Finanzmärkten. DER AKTIONÄR sprach mit Dr. Marco Bargel, Chefvolkswirt bei der Postbank, über die Auswirkungen der Liquiditätsschwämme der Notenbanken und fragte nach, wie Anleger nun reagieren sollten.

DER AKTIONÄR: EZB und Fed haben die Geldschleusen geöffnet. Das Verfassungsgericht sagt Ja zum ESM. War das nun der große Wurf? Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation?

Ziehen Sie dieses Icon auf eine BildflächeDr. Marco Bargel: Die Staatsschuldenkrise ist damit natürlich nicht gelöst. Am Sparen führt insbesondere in den hochverschuldeten Euro-Ländern kein Weg vorbei. Der ESM und das Ankaufprogramm der EZB verschaffen den betroffenen Staaten aber Zeit, um die dringend notwendigen Reformen umzusetzen. Durch die möglichen Interventionen der Notenbank hat sich außerdem das Risiko von Übertreibungen am Kapitalmarkt verringert. Hochverschuldeten Euro-Ländern bleibt der Zugang zur Finanzierung am Markt nun eher offen. Die Wahrscheinlichkeit weiterer steuerfinanzierter Hilfsprogramme über den Rettungsschirm dürfte sich damit verringern. Ohne Preis sind die Interventionen der EZB aber auch nicht zu haben: Auf lange Sicht drohen höhere Inflationsraten und somit eine Besteuerung durch die Hintertür.

Die Eurokrise belastet die Konjunktur. Die wirtschaftliche Dynamik lässt spürbar nach. Wann nimmt der Wachstumsmotor wieder an Fahrt auf? 

Die Bremsspuren, welche die Staatschuldenkrise hinterlässt, zeigen sich vor allem in den Exportzahlen. Deutschland führt deutlich weniger in die europäischen Nachbarstaaten aus als vor Ausbruch der Krise. Ein gewisses Gegengewicht bildet der private Konsum, der sich dank anhaltend guter Arbeitsmarktzahlen bis zuletzt recht erfreulich entwickelt hat. Positive Impulse kommen auch von den Bauinvestitionen, die vom niedrigen Zinsniveau profitieren. Mehr als Stagnation ist im zweiten Halbjahr aber nicht zu erwarten. Anfang kommenden Jahres dürfte sich die Konjunktur dann allmählich erholen. Die Wachstumsraten werden aber in den kommenden Jahren vergleichsweise bescheiden ausfallen, da von den meisten Euro-Ländern wegen der notwendigen Kürzung der Staatsausgaben und sinkender Löhne weiterhin keine positiven Impulse für den deutschen Außenhandel zu erwarten sind.

DAX und Co sind zuletzt deutlich angestiegen. Wie sollten Anleger reagieren?

Das politische Umfeld hat nach dem ESM-Urteil des Bundesverfassungsgerichts und der Entscheidung der EZB Anleihen anzukaufen für kräftigen Aufwind gesorgt. Das fundamentale Umfeld für Unternehmen bleibt angesichts rezessiver Tendenzen in vielen Euro-Ländern dagegen schwierig. Wir rechnen in den kommenden Monaten daher mit Rückschlägen, wenn die wirtschaftlichen Daten wieder stärker in den Fokus der Marktteilnehmer rücken. Die weiterhin moderate Bewertung der Aktien sollte allzu starke Kursausschläge nach unten allerdings verhindern. Angesichts anhaltend niedriger Zinsen bleiben insbesondere dividendenstarke Titel für Anleger interessant.

Vielen Dank für das Gespräch!

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