Carsten Englert
Für Porsche könnte diese Woche sehr ereignisreich werden. Ganz oben auf der Agenda steht weiterhin das Thema Katar, aber auch der dreifache Hexensabbat am Freitag. Das Thema VW-Optionen regt derweil die Fantasie der Medien an.
Für Porsche könnte diese Woche sehr ereignisreich werden. Ganz oben auf der Agenda steht weiterhin das Thema Katar, aber auch der dreifache Hexensabbat am Freitag. Das Thema VW-Optionen regt derweil die Fantasie der Medien an.
Wie die Financial Times Deutschland (FTD) berichtet, steht der Einstieg des Emirates Katar auf wackligen Beinen. Großaktionär Ferdinand Piëch habe bei einem Familientreffen in Österreich Zweifel an dem Einstieg gesät, obwohl dort eine Vorentscheidung zum Einstieg fallen sollte. Piëch stößt sich daran, dass das Emirat 25 Prozent plus eine Stimme haben möchte und somit über eine Sperrminorität verfügen würde.
Piëch allein zu Hause
Kippt der Deal tatsächlich noch, dürfte das die Porsche-Aktie wieder unter Druck bringen. Allerdings ist es fraglich, ob es soweit kommt. Zum einen hat Piëch alleine nicht die nötige Mehrheit, um den Deal zu kippen. Zum anderen hat Porsche mittlerweile per Pressemitteilung klar dementiert, dass das Familientreffen überhaupt stattgefunden habe. Vorerst ändert sich daher nichts an der Einschätzung des AKTIONÄRS in diesem Punkt.
Wichtiger Freitag
Freitag, der 19. Juni könnte für Porsche ein bewegender Tag werden. Einerseits werden die Zahlen für die ersten zehn Monate des Geschäftsjahres 2008/09 veröffentlicht. Die Analysten von der französischen BNP Exane erwarten da nichts Gutes. Sie rechnen mit einem Umsatzrückgang um 12,6 Prozent auf 5,36 Milliarden Euro.
Viele Optionen
Interessant wird es auch durch den sogenannten dreifachen Hexensabatt, an welchem jede Menge Optionen fällig werden. Die Frage, wie sich die auslaufenden VW-Optionen auf Porsche auswirken, ist allerdings nicht so leicht zu beantworten, da keine Details bekannt sind. Klar scheint nur, dass Porsche VW-Kaufoptionen in Höhe von etwa 24 Prozent der Stammaktien hält. Da es sich jedoch um OTC-Optionen handelt, ist vollkommen unbekannt, in welcher Höhe genau und welche Bedingungen (Basispreis, Cash-Settlement oder physische Lieferung?) diese haben. Daher kann nur spekuliert werden: Bekäme Porsche die Aktien geliefert, muss es diese zum vereinbarten Preis kaufen. Hätte Porsche den Basispreis beispielsweise bei 100 Euro festgelegt (die Spekulationen in den Medien reichen von 100 bis 130 Euro), müsste Porsche somit nun gut neun Milliarden Euro berappen. Es scheint fraglich, ob Porsche diese Summe in der derzeitigen Lage mit bereits gut neun Milliarden Euro Schulden aufbringen könnte. Das Unternehmen hat in früheren Stellungnahmen jedoch bereits betont, dass es die Aktien nicht unbedingt abnehmen müsse. Also scheint auch ein Barausgleich (Cash-Settlement) möglich und sogar wahrscheinlich. Angenommen, der Basispreis befände sich bei 130 Euro, würde Porsche in diesem Fall bei VW-Kursen über 130 Euro (plus Optionsprämie) einen Gewinn machen. In einer vereinfachten Rechnung (ohne Optionsprämie) würde Porsche dann bei einem VW-Kurs von 200 Euro gute fünf Milliarden Euro Gewinn machen.
Analysten-Meinung
Christian Breitsprecher, Analyst bei dem Privatbankhaus Sal. Oppenheim, hat sich in einem Beitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) zu dem Thema geäußert. Er geht davon aus, dass Porsche über 24 Prozent des Stammkapitals Call-Optionen besitzt, aber auch gleichzeitig und in gleicher Höhe Verkaufsoptionen geschrieben hat. Zudem geht Breitscheider davon aus, dass die Basispreise für beide Papiere bei 130 Euro liegen. Notiert VW nun bei Fälligkeit über 130 Euro, verfallen die Put-Optionen wertlos, Porsche hat also die Optionsprämie eingestrichen. Hat sich Porsche nun gleichzeitig für den Barausgleich bei den Kaufoptionen entschieden, streicht Porsche nochmals einen dicken Gewinn ein. Ganz anders stellt sich die Lage dar, wenn die VW-Aktie unter 130 fällt. Dann verbucht Porsche einen Verlust in Höhe der bezahlten (Call-)Optionsprämien und durch den Barausgleich für die Put-Optionen, den Porsche dann leisten muss. Je weiter VW unter die 130-Euro-Marke fällt, desto teurer würde es für Porsche werden.
Die alles entscheidende Frage
Die wichtigste Frage ist dabei: Handelt es sich um Covered Calls oder Naked Calls, also haben die Banken die Aktien für die 24 Prozent bereits im Depot (covered) oder nicht (naked). Wenn ja, dürften sie die Aktien wieder auf den Markt bringen, wenn sich Porsche für den Barausgleich entscheidet. Dadurch würde der VW-Kurs wohl massiv unter Druck kommen und das Negativszenario mit Milliardenverlusten für Porsche könnte eintreten. Dass sich die Banken jedoch in vollständiger Höhe eingedeckt haben, erscheint sehr unwahrscheinlich, da dann keinerlei Aktien mehr für den Handel zur Verfügung stünden: der Free float beträgt derzeit lediglich 24 Prozent. Die Wahrheit wird daher wie so oft irgendwo in der Mitte liegen. Die VW-Aktie dürfte etwas unter Druck kommen, am Ende wird wohl dennoch ein stattlicher Gewinn für Porsche dabei rausspringen. Über die Höhe lässt sich jedoch nur spekulieren. Sicher scheint jedoch, dass die Porsche-Aktie am Freitag steigen dürfte solange sich die Verluste bei VW in Grenzen halten.
Dabeibleiben!
DER AKTIONÄR geht weiterhin davon aus, dass der Deal mit dem arabischen Staatsfond zu Stande kommen wird. Sollte sich der VW-Kurs am Freitag halbwegs über Wasser halten, dürfte es einer Initialzündung für die Porsche-Aktie gleich kommen. Anleger, die der Empfehlung des AKTIONÄRS gefolgt sind, sollten daher investiert bleiben und den Stoppkurs bei 42 Euro beachten. Auch ein Neueinstieg dürfte sich für risikobereite Anleger lohnen.
