Florian Söllner
Die ehemalige Vorzeige-Internetstar Myhammer hat sich verzettelt. Jetzt soll eine Umstrukturierung verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen. Die Aktie ist weiter im Abwärtstrend.
Großer Rückschlag für Myhammer. Nach einer eindrucksvollen Wachstumsstory - Myhammer ist innerhalb weniger Jahre zum größten deutschen Portal für die Vermittlung von Handwerksdienstleistungen aufgestiegen - wollten die Berliner zu viel. Jetzt ist es offiziell: Die groß angekündigte Expansion in die USA ist gescheitert. Das Geschäft werde eingestellt, teilte Myhammer nun mit. Das ebenfalls zur Disposition gestandene UK-Geschäft wird hingegen fortgeführt. DER AKTIONÄR begrüßt diesen sauberen Schnitt. Nun ist es jedoch entscheidend möglichst schnell die zu hohen Fixkosten wieder zu begrenzen, um die Bilanz stark zu halten.
DER AKTIONÄR hatte vor wenigen Tagen Firmenchef Berger-de Leon gefragt. Ist die Neuaufstellung ohne zusätzliche Liquidität (oder sogar Kapitalerhöhung) durchführbar?
Berger-de Leon: Wir rechnen aufgrund der Restrukturierungsmaßnahmen mit einem außerordentlichen Aufwand, der Ergebnis und Liquidität der MyHammer-Gruppe einmalig - voraussichtlich im hohen sechsstelligen Bereich - belasten wird. Wir prüfen daher verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten. Dabei ist besonders darauf hinzuweisen, dass wir über einen strategischen Investor verfügen, der bereits in der Vergangenheit maßgebliche Beiträge zur Unternehmensfinanzierung geleistet hat, MyHammer auch aktuell unterstützt und nach wie vor die grundsätzliche Bereitschaft geäußert hat, das Unternehmen weiter zu fördern.
Gibt es im deutschen Markt noch Wachstumspotenzial? Falls ja, wie wird dieses angegangen?
Der für MyHammer adressierbare Markt für Handwerksaufträge besitzt allein im deutschsprachigen Raum ein Volumen von rund 170 Milliaren Euro. Davon wird aktuell ein Anteil von unter einem Prozent bei MyHammer ausgeschrieben. Dies bedeutet, dass wir mit MyHammer noch großes Potenzial für weiteres Wachstum haben. Nach erfolgreichem Abschluss der Neuausrichtung wollen wir mittelfristig in unseren Kernmärkten Deutschland und Österreich weiter wachsen - und das profitabel.
Wann ist der Break-even möglich?
Der Break-Even ist für uns ein wichtiges Ziel. Wann wir diesen erreichen hängt letztlich aber von vielen Faktoren ab, wie z. B. der Entwicklung der zahlreichen, neu eingeführten Funktionen und Monetarisierungsmodelle, dem Marktumfeld und der künftigen Ausrichtung unseres Unternehmens. Auch weitere Investitionen in sich bietende Wachstumsmöglichkeiten in unseren Kernmärkten können Einfluss auf die Planung haben. Daher treffen wir hierzu zum jetzigen Zeitpunkt noch keine konkrete Aussage. Insbesondere nach dem geplanten Abschluss der Neuausrichtung im dritten Quartal 2011 werden wir die Situation besser beurteilen können.

Auf die Watchlist
Zwar schrieb die Internetfirma zuletzt hohe Verluste. Doch mit der Fokussierung auf den deutschsprachigen Raum dürften künftig deutlich positive Ergebnisse möglich sein. Der der Gesellschaft aus dem Portalgeschäft zurechenbare Umsatz beläuft sich derzeit auf über zehn Millionen Euro jährlich. Dem gegenüber steht gerade einmal eine Marktkapitalisierung von 14 Millionen Euro. Aus fundamentaler Sicht ist die reinrassige Internet-Aktie auf diesem Niveau bereits wieder sehr spannend.
Ein Risiko ist jedoch noch der zuletzt hohe Cash-Verbrauch und die deutlich angeschlagene Charttechnik. Anleger können sich die Aktie auf die Watchlist setzen, aber erst wieder Positionen eingehen, wenn a) Details zur weiteren Finanzierung bekannt werden und b) der Abwärtstrend im Chart geknackt wird. Zumindest das Überwinden der 1-Euro-Marke und der 38-Tage-Linie sollte abgewartet werden.