Bastian Galuschka
Das Zahlenwerk des Aachener Biotech-Unternehmens beinhaltete wenig Überraschungen. Der Blick der Anleger richtet sich jetzt auf die nächsten Meilensteine in 2010. Und hierbei sollen vor allen Dingen Kooperationen eine große Rolle spielen.
Paion hat im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Umsatz von 1,5 Millionen Euro erzielt (Vorjahr: 3,2 Millionen Euro). Der Verlust bewegte sich mit 13,0 Millionen Euro nahezu auf Vorjahresniveau. Zum Ende des Jahres 2009 verfügten die Aachener über liquide Mittel von 22,9 Millionen Euro. Da Paion noch ein rein forschendes Biotech-Unternehmen ist, spielen die nackten Umsatzzahlen eine eher untergeordnete Rolle.
Vorstandschef zufrieden
Viel wichtiger ist aus Bewertungssicht ein Blick auf die Pipeline. Und da konnte Paion einige wichtige Fortschritte vermelden, wie Vorstandschef Dr. Wolfgang Söhngen zufrieden zusammenfasste: "Wir blicken auf ein sehr erfolgreiches Jahr 2009 zurück, in dem wir unseren größten Werttreiber CNS 7056 in drei erfolgreich abgeschlossenen klinischen Studien vorangebracht und dabei das Wirkprinzip belegen konnten. Damit haben wir das Interesse der Pharmabranche für dieses Produkt weiter gesteigert. Die laufenden Phase-III-Studien mit Desmoteplase, die von Lundbeck durchgeführt werden, legen das Fundament für die künftige Wertsteigerung mit diesem Produkt. Der deutliche Anstieg des Aktienkurses, verbunden mit einem kräftigen Anziehen der Handelsumsätze, ist ein Beleg dafür, dass der Kapitalmarkt unsere erfolgreiche Geschäftsstrategie honoriert."
Pipeline entscheidend vorangebracht
Paions Hauptwerttreiber ist neben der auslizensierten Schlaganfall-Behandlung Desmoteplase derzeit das Narkosemittel CNS 7056, das eine Phase-IIa-Studie in 2009 erfolgreich abschließen konnte. Somit wurde die Grundlage für eine erfolgreiche Auslizensierung gelegt, eines von Paions Hauptzielen in 2010. Berücksichtigt man das von Experten angesetzte Umsatzpotenzial von 500 Millionen Dollar, dürfte das Interesse seitens der Pharmaindustrie nicht unerheblich sein. Ein genaueres Zeitziel für einen Abschluss nannte Paion aber nicht.
Allerdings gibt es bezüglich Desmoteplase Neuigkeiten. So hat der dänische Partner Lundbeck heute gemeldet, dass eine Phase-II-Studie zur Behandlung von ischämischem Schlaganfall in Japan gestartet wurde. Somit wurde das Desmoteplase-Forschungsprojekt um eine weitere Studie vergrößert. Lundbeck testet das von Paion einlizensierte Produkt derzeit auch in zwei Phase-III-Studien, deren Ergebnisse im Spätsommer 2011 vorliegen sollen. Sollte Desmoteplase im zweiten Anlauf positive Studienresultate liefern und die Zulassung erhalten, würde Paion am Vermarktungserfolg des Medikaments durch Meilensteinzahlungen und einer prozentual zweistelligen Umsatzbeteiligung teilhaben. Das Umsatzpotenzial von Desmoteplase beziffern Experten auf 600 Millionen Dollar.
Partnerverhandlungen auch bei M6G
Was Paions Phase-III-Substanz, das Schmerzmittel M6G, anbelangt, scheinen diesbezüglich die Partnerverhandlungen schwieriger als geplant zu verlaufen. Bereits im vergangenen Jahr hatte Paion einen Abschluss angestrebt, dieser blieb aber bislang noch aus. Im dritten Quartal hat das Unternehmen Feedback von der FDA bezüglich M6G erhalten, in dem das restliche Prüfungsprogramm für die Zulassung in den USA festgelegt wurde und die Substanz als "New Chemical Entity" angesehen wurde. Der Online-Musterdepotwert rechnet daher mit neuen Impulsen in den laufenden Partnerverhandlungen.
Um 14.00 Uhr wird Paion eine Telefonkonferenz über die Geschäftszahlen und die wesentlichen Meilensteine in 2009 sowie die Ziele für 2010 abhalten. DER AKTIONÄR wird an dieser teilnehmen und - sollten sich neue Erkenntnisse ergeben - darüber berichten.