Markus Horntrich
Die Veröffentlichung der Bilanz für das Geschäftsjahr ist für OpenLimit kein Ruhmesblatt. Andererseits war die schweizerisch-deutsche Softwarefirma in Sachen elektronischer Personalausweis in den letzten 18 Monaten sehr erfolgreich. Firmenchef Marc Gurov zieht im Interview mit dem AKTIONÄR Bilanz.
OpenLimit veröffentlichte vor wenigen Tagen seinen Geschäftsbericht 2009. Der Gesamtertrag war mit 9,6 Millionen zwar um drei Prozent besser als 2008, dennoch musste der Softwarespezialist einen Verlust von 0,8 Millionen Euro ausweisen. Höhere Personalaufwendungen in Verbindung mit Aktienoptionen und höhere Abschreibungen waren die Hauptgründe für den Verlust. OpenLimit-Chef Marc Gurov zieht im Interview mit dem AKTIONÄR Bilanz.
DER AKTIONÄR: Herr Gurov, die Aktien-basierten Vergütungen für 1,4 Millionen Schweizer Franken sind zwar nicht liquiditätswirksam, haben aber dennoch einen Einfluss auf die Gewinn- und Verlustrechnung gehabt. Was sind die Hintergründe für diese große Position?
Marc Gurov: Mit dem Aktienoptionsprogramm haben wir einen zusätzlichen Vergütungsanreiz geschaffen, um Keymitarbeiter stärker an uns zu binden, sowie auf langfristiges Wachstum hinzuarbeiten. Das ist insbesondere für ein Unternehmen unserer Grösse wichtig, wo der Wegfall von Leistungsträgern ein Vakuum hinterlassen könnte. Wir haben ein hochmotiviertes Team und das Optionsprogramm honoriert die geleistete Arbeit und lässt diese am Erfolg des Unternehmens partizipieren. Wir haben generell in vielen Gesprächen mit Analysten und Investoren in den vergangenen Jahren immer wieder die Frage gestellt bekommen, wie wir die Keymitarbeiter an uns binden. Wir haben nun die Lösung und bei Ausübung aller Optionen auch einen Kapitalzufluss von 4,7 Millionen Schweizer Franken. Im 1. Quartal wurden auch bereits 500.000 Optionen ausgeübt. Das zeigt uns, dass ein reges Interesse an dem Programm besteht.
OpenLimit hat 2009 neue Mitarbeiter eingestellt. Welche zusätzlichen Kosten haben Sie hier zu verkraften und wie wird sich diese Position voraussichtlich im neuen Jahr entwickeln?
Per Jahresende hatten wir 55 Mitarbeiter inklusive Management. Betrachtet man die Leistung in 2009 - den Zuschlag für das Bürgerclient-Projekt zum neuen Personalausweis in Deutschland, dessen flächendeckender Rollout im November 2010 erfolgt, die strategische Partnerschaft mit Siemens oder die kooperative Entwicklung von SecDocs mit Fujitsu, ein Produkt, dessen Vertrieb durch Fujitsu international erfolgen wird - dann sind wir sehr stolz darauf, was wir mit diesem Team erreicht haben. Die akquirierten Partnerschaften und Projekte, welche auch planbare Umsätze für die nächste vier Jahre bedeuten, müssen natürlich abgearbeitet werden. Wie man sich vorstellen kann, ist das eine Herausforderung, die man einer OpenLimit allerdings zutraut.
Waren die Kosten dafür nicht außerordentlich hoch?
Betrachtet man die zusätzlichen Kosten in 2009 von 448.000 Franken an Personalaufwand exklusive Optionen, dann sieht man, dass wir diesbezüglich nur eine moderate Steigerung hatten. Ich vermute, dass die Aktionäre sich eher beschweren würde, wenn wir den Zuschlag für das Bürgerclient-Projekt nicht bekommen hätten, dafür aber auf ein Wachstum der Mitarbeiter verzichtet hätten. Für die Zukunft gilt: Wir können nicht gleichzeitig an Personalaufwand sparen und wachsen. Sobald der Markt mit dem Rollout des Bürgerclients, SecDocs und anderen Projekten wächst, werden wir in Zukunft sehr attraktive Margen erwirtschaften, davon bin ich überzeugt. Anders ausgedrückt, unsere Kosten werden steigen, aber nicht in demselben Maße wie die Umsätze, das heißt wir werden nach meiner Einschätzung ein skalierbares Geschäftsmodell mit steigenden Gewinnen zeigen können.
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Welchen Verkaufserfolg stufen Sie höher ein - den mit dem so genannten "Bürgerclient" für den elektronischen Personalausweis oder das Agreement mit Fujitsu?
Das ist eine schwierig zu beantwortende Frage, denn es ist abhängig von der Perspektive. Das Bürgerclient-Projekt ist wichtig, um das Henne-Ei-Problem im Markt zu lösen. Mit vielen Bürgerclients werden Unternehmen und Behörden Servertechnologien kaufen, um mittels medienbruchfreier Prozesse Geld zu sparen. Das Wichtige an dem Bürgerclient-Projekt ist demnach für uns das damit einhergehende Upsellpotenzial sowie der Vertrauensdurchbruch. Man traut also einer OpenLimit zu, Technologien zu entwickeln, die letztendlich allen Bürgern/Kunden zur Verfügung gestellt werden. Das ist sicherlich auch ein wichtiger Faktor für Fujitsu gewesen, die Entscheidung zu treffen, SecDocs, ein Produkt für die Langzeitspeicherung, das auf den OpenLimit-Middleware-Technologien aufbaut, zu entwickeln und dann anschliessend international zu vertreiben.
Das Bürgerclient-Projekt ist demnach ein Durchbruch für uns und die Entwicklung mit Fujitsu und anderen Partnern der Weg um den Marktbedürfnissen für Servertechnologien nachzukommen.
In welcher Bandbreite wird das Umsatzvolumen voraussichtlich im laufenden Jahr liegen?
Wir gehen von einem Umsatzwachstum von 30 Prozent gegenüber 2009 aus.
Wie wird OpenLimit voraussichtlich das erste Quartal abschließen?
Da müssten Sie sich bitte noch bis zum 4. Mai gedulden. Wir gehen von einem guten Wachstum für das Jahr 2010 aus und das 1. Quartal folgte dieser Planung. Auch in diesem Jahr werden die Quartalsergebnisse voraussichtlich dem Verlauf des letzten Jahres folgen, wobei wir in 2010 davon ausgehen, dass spätestens im 4. Quartal wir die Gewinnzone für das Jahr erreichen.
OpenLimit erwartet für 2010 einen positiven Abschluss im Gesamtjahr - welchen Posten müssen Sie aktivieren, um dieses Ergebnis zu erreichen?
Wir haben in den vergangenen Jahren unsere Eigenleistungen aktiviert. Das ist in der Softwarebranche eine übliche Praxis, insbesondere weil wir viel Aufwand in die Entwicklung unserer Basistechnologien, das wichtigste Aktiva, investiert haben. Die Aktivierung von Eigenleistungen ist auch in 2010 geplant. Die Aktivierung der Eigenleistungen wird über fünf Jahre abgeschrieben und damit wahrscheinlich kürzer als die gesamt Nutzungszeit.
Haben Sie noch weitere vielversprechende Aufträge in der Pipeline oder ist jetzt vorläufig einmal Konsolidierung angesagt, um die guten Verkaufserfolge des Jahres zu verarbeiten?
Unsere Pipeline wächst monatlich stetig. Es gibt jedoch bei unseren Projekten immer eine größere Vorlaufzeit. Generell gehen wir aber von steigenden Umsätzen aus, da kann man also nicht von einer Konsolidierung sprechen.
Herr Gurov, vielen Dank für das Gespräch.

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