NoggerT: "Ich kann mir nichts besseres vorstellen"
In den Hochzeiten des Neuen Marktes verfolgten knapp 20.000 Anleger seinen Empfehlungen. Während seit den 90er Jahren viele Trader und Anleger entnervt das Handtuch geworfen haben, hat sich NoggerT zu einem Profi-Trader entwickelt. Im Interview mit dem AKTIONÄR verrät er, wie sein aktuelles Trading aussieht und gibt Tipps für Einsteiger.
Herr Afzalyar, Sie traden seit den 90er-Jahren unter dem Synonym NoggerT. Wann haben Sie sich entschieden, vom Traden zu leben?
Ich bin da quasi reingerutscht. Anfangs wollte ich nur spekulieren, erwischte aber einen guten Zeitpunkt. Die von mir gekauften Aktien am Neuen Markt sind alle gestiegen und mir blieb fast nichts anderes übrig, als dabeizubleiben. Die Ernüchterung folgte unmittelbar. Das war 1998 mit der Russlandkrise. Da habe ich schnell begriffen, dass man noch schneller Geld verlieren als gewinnen kann. Meine Börsengewinne von zwei Jahren habe ich dann binnen weniger Wochen verloren. Daraufhin setzte ich mich hin und untersuchte die Verluste. Am Ende bin ich gestärkt aus dieser Krise herausgekommen.
Viele Neulinge verbinden ja mit dem Trading den Traum von immensen Gewinnen und der großen Unabhängigkeit. Ist der Traderberuf wirklich so traumhaft?
Nach fast 15 Jahren ist es für mich immer noch etwas ganz Besonderes. Aber als Trader macht man viele Höhen und Tiefen mit. Es gibt Zeiten, in denen kaum Geld reinkommt oder man sogar viel Geld verliert. Dafür braucht man ein dickes Fell. Aber ich persönlich könnte mir nichts anderes mehr vorstellen.
Finanz-, Schulden- und Eurokrise beherrschen die Märkte. Haben Sie Ihren Trading-Stil an diese Umstände anpassen müssen?

Prinzipiell muss ich als Daytrader noch vorsichtiger werden. Jeder Politiker-Kommentar kann für extreme Kursausschläge sorgen. Steigt die Volatilität, reduziere ich meine Positionsgrößen und setze meine Stopps auch enger. Ich habe auch meine Haltedauer angepasst: Langfristige Momentumtrades über mehrere Tage sind aktuell zu riskant. Mein Fokus liegt jetzt vermehrt auf kurzfristigeren Bewegungen.
Es scheint, dass im Trading aktuell sehr viel Nachwuchs aufkommt. Haben es die Einsteiger heute leichter als noch zu den Zeiten, als Sie mit dem Handeln anfingen?
Nein, heute ist es viel schwerer. Die Märkte sind unruhiger und teilweise unkalkulierbar. Auch ist die Technik weiter fortgeschritten. Als ich angefangen habe, war ich mit einem Internetanschluss auf Augenhöhe mit den Großinvestoren. Heute entscheiden Millisekunden. Vor allem in den letzten Jahren ist das Volumen drastisch zurückgegangen, was die Tradeauswahl stärker begrenzt.
Von Vorteil ist es, dass man dank CFDs und den Turbozertifikaten deutlich weniger Kapital braucht als noch vor zehn Jahren.
Vielen Anlegern macht die große Schwankungsbreite zu schaffen. Wie sehen denn Ihre Ergebnisse der letzten zwölf Monate aus?
Prinzipiell sind große Schwankungen für Trader von Vorteil. Ich bin mit den Ergebnissen durchaus zufrieden. Ich habe deutlich weniger gehandelt, aber dafür effizienter. Bis auf einen Monat waren alle grün.
Was würden Sie einem Trading-Neuling raten? Wie sollte sie oder er das Ganze angehen?
Sie oder er sollte sich eine Strategie aussuchen oder überlegen. Diese gilt es mindestens sechs Monate via Papiertrading zu überprüfen. Erst wenn eine Trefferquote von über 66 Prozent erreicht wurde, sollte mit echtem Geld gehandelt werden. Jeder Anfänger wird dann merken, dass seine Trefferquote drastisch sinkt, weil jetzt viel mehr Emotionen im Spiel sind, die das Handeln beeinflussen. Auch sollte er weiterhin sein Trading-Tagebuch führen und die Verlusttrades in Ruhe analysieren. Denn nur aus Verlusten lernt man.
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