Michael Schröder
Das Vertrauen der Anleger in die Schuldenpolitik der Staaten und die Entwicklung der Weltwirtschaft hat in den letzten Wochen spürbar gelitten. Einige Volkswirte sprechen bereits von einer drohenden Rezession. Doch wie bewerten die Vorstände der heimischen Small- und MidCaps die aktuelle Situation? DER AKTIONÄR fragte nach.
DER AKTIONÄR sprach mit Ernst Homolka, Vorstand der Nemetschek AG, über die aktuelle Situation an den Finanzmärkten und mögliche Auswirkungen auf sein Unternehmen.
DER AKTIONÄR: Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation an den Finanzmärkten?
Ernst Homolka: Unberechenbarkeit ist wohl das Stichwort. Die allgemeine Verunsicherung ist angesichts der Schuldenkrise und der Art, wie die Politik damit umgeht, auch durchaus nachvollziehbar. Aber leider neigen die Finanzmarktakteure auch zu Herdentrieb und Übertreibung.
Sehen Sie die Gefahr einer Rezession?
Die Gefahr ist nicht von der Hand zu weisen. Goldman Sachs hat soeben die Wachstumsprognosen weltweit gesenkt - wobei auch für die Analysten offen ist, ob die Weltwirtschaft nur eine Schwächephase durchlaufen wird oder ob eine echte Rezession droht. Unsere Branche verzeichnet bisher keine Wachstumsschwäche.
Wie groß wären die Auswirkungen für Ihr Unternehmen?
Auch wir wären gegen eine Rezession nicht gefeit, aber ein Blick auf unsere Entwicklung in der letzten Wirtschaftskrise zeigt, dass Nemetschek ein vergleichsweise krisenfestes Unternehmen ist. Dank der zahlreichen Wartungsverträge mit unseren Kunden sind fast 50 Prozent unserer Umsätze wiederkehrend - das ist sicheres Geschäft. Unser Vertrieb ist weitgehend indirekt organisiert, entsprechend flexibel sind die Vertriebskosten. Dass wir zudem in der Lage sind, im Krisenfall kurzfristig zu reagieren und die Kosten konzernübergreifend um rund zehn Prozent zu reduzieren, haben wir bereits im Krisenjahr 2009 bewiesen. Damit konnten wir die EBITDA-Marge 2009 weitgehend stabil halten.

Was erwarten Sie vor diesem Hintergrund im laufenden Gesamtjahr?
Für das laufende Geschäftsjahr sehe ich bislang keinen Grund, unsere Prognose in Frage zu stellen - das heißt, wir gehen vorerst weiter davon aus, dass wir rund zehn Prozent wachsen und eine EBITDA-Marge von rund 24 Prozent erreichen werden.
Wie sehen Ihre mittelfristigen Planungen aus?
Auch mittelfristig haben wir uns vorgenommen, um rund zehn Prozent jährlich zu wachsen. Allerdings bleibt abzuwarten, wie sich die Weltwirtschaft in 2012 entwickelt.
Vielen Dank für das Gespräch!