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Nanogate wächst in neue Dimensionen hinein

Markus Horntrich

Die Nanotechnologie-Firma Nanogate machte in den letzten Monaten mit zahlreichen Großaufträgen auf sich aufmerksam. Die Firma hat mittlerweile die kritische Größe erreicht, um auch künftig kräftig zu wachsen. Die Gründe für den Erfolg erläutert Vorstandschef Ralf Zastrau im Interview mit dem AKTIONÄR.

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Kürzlich konnte die Nanogate AG einen Millionenauftrag von Jaguar und Land Rover vermelden. Heute folgte die Meldung über den Start der Serienproduktion für Chrysler. Meilensteine, die das Systemhaus für Nanooberflächen in größere industrielle Dimensionen hievt als bisher. Zwischen 2007 bis 2009 pendelten die Umsätze noch um die 10-Millionen-Euro-Marke, im laufenden Jahr will Vorstandschef Ralf Zastrau einen Umsatz von mindestens 30 Millionen Euro und eine EBITDA-Marge von mehr als zehn Prozent erreichen. Die Gründe für den Erfolg erläutert Zastrau im Interview mit dem AKTIONÄR.

DER AKTIONÄR: Herr Zastrau, die Zeit der so genannten Basisarbeit scheint jetzt vorbei zu sein. Wo sehen Sie den Grund dafür, dass Nanogate ein Großauftrag nach dem anderen zufliegt?

Ralf ZastrauRalf Zastrau: Nanogate hat sich international als ein führendes Systemhaus für innovative Hochleistungsoberflächen etabliert. Wie kaum ein anderer Anbieter decken wir die gesamte Wertschöpfungskette ab und verfügen gemeinsam mit unseren Beteiligungen über jahrelange Erfahrung gerade auch bei Großserien sowie über ein umfangreiches Anwendungs-Portfolio. Diese Positionierung öffnet uns die Türen zu großen und lukrativen Verträgen.

Im Automobilbau waren Sie mit Großaufträgen in den letzten Monaten besonders erfolgreich. Warum gerade in dieser Industrie?

Gerade die Autohersteller können mit innovativen Oberflächen und Materialien wichtige Wettbewerbsvorteile generieren. Denn wir bieten als Systempartner den Herstellern wie Audi oder BMW das One-Stop-Shopping und statten Oberflächen mit neuen Funktionen aus. Beispielsweise liefern wir veredelte Scheinwerfergläser an einen führenden Automobilzulieferer zum Einsatz bei den Premiumherstellern Jaguar und Land Rover. Nanogate-Technologie sorgt dabei für eine innovative und nachhaltige Antibeschlag-Beschichtung. Aber auch viele weitere Anwendungen haben wir in der Pipeline.

Und wie sind Sie im Maschinenbereich positioniert?Motorkomponenten Ventil

Dies ist ebenfalls ein wichtiges Standbein, etwa im Bereich Druckmaschinen oder . mit Beschichtungen für Wärmetauscher von Bosch. Wie auch im Automobilbereich profitieren wir hier von mehrjährigen Verträgen und äußerst attraktiven Renditen. Insgesamt ist also der Automobil- und Maschinenbau eine wichtige Ertragsquelle für Nanogate und diese Positionierung werden wir kontinuierlich ausbauen.

Werfen wir einen Blick zurück: Was waren die entscheidenden Beweggründe dafür, dass Sie sich mehrheitlich an der GfO AG beteiligt haben?

Mit der Beteiligung an GfO bietet Nanogate eine integrierte Produktpalette für Hochleistungsoberflächen, die durch Nanotechnologie neue respektive verbesserte Funktionen und Eigenschaften erhalten. Der Fokus von GfO liegt auf Beschichtungen für komplexere Geometrien bei Kunststoff oder Metall unter Reinraumbedingungen. Aus unserer Sicht ist die GfO hier in Europa führend und verfügt auch aufgrund ihrer jahrzehntelangen Historie über ein umfassendes Technologieverständnis. Zudem ist die  GfO zum Beispiel Marktführer in Europa für Hochleistungs-Antibeschlag-Systeme. Diese kommen unter anderen in Xenon- und LED-Scheinwerfersystemen bei Automobilen zum Einsatz. Mit der Beteiligung kann Nanogate also auf eine einzigartige und langjährige Material- und Werkstoff-Kompetenz kombiniert mit dem umfangreichen Prozess- und Produktions-Know-how von GfO zurückgreifen. Das Unternehmen verwendet eigens entwickelte und patentierte Herstellungsverfahren, darunter auch eine europaweit einzigartige Inkjet-Technologie, die es ermöglicht, selektive Beschichtungen ohne Abdeckmasken durchzuführen. In Summe war also die Beteiligung an der GfO für uns ein entscheidender Schritt, uns vom Nanotechnologie-Enabler zum Systemhaus weiterzuentwickeln.

Auch die Eurogard B. V. konnten Sie zu äußerst attraktiven Konditionen erwerben. Liegen die Chancen für Nanogate heute mehr im externen Wachstum?

Nanogate ist schon aus seinen Kernkompetenzen heraus auf Wachstum programmiert und möchte international seine führende Position kontinuierlich ausbauen. Hierbei spielt sowohl hohes organisches Wachstum als Wachstum durch Akquisitionen eine Rolle. Letzteres wird die Nanogate AG jedoch nur sehr selektiv unter genauer Betrachtung des strategischen und operativen Nutzens, der Integrationsfähigkeit oder von Bewertungsfragen umsetzen. Im Fall unseres Erwerbs der Eurogard war diese Konstellation jedoch exzellent. Eurogard gilt in Europa als führendes Oberflächenunternehmen bei flachen Geometrien und verfügt ,ähnlich wie die GfO sowie ferner als ehemaliges Oberflächenzentrum von GE Plastics, über ein für Nanogate extrem wertvolles Know how und Marktzugang. In Summe werden also auch Eurogard und GfO unsere Markterschließung beschleunigen. Mit beiden Unternehmen haben wir uns als das international führende, integrierte Systemhaus etabliert und decken nun gemeinsam die gesamte Wertschöpfungskette ab - von der Materialentwicklung bis zur Produktion in der Großserie.

Anlässlich der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen 2011 hat Nanogate bekanntgegeben, sich in den Auslandsmärkten stärker positionieren zu wollen. Welche Pläne haben Sie hier?

Schon heute steuert das internationale Geschäft knapp die Hälfte zum Umsatz bei. Dabei ist Nanogate selbst bislang nur in den Niederlanden und in Deutschland mit Produktionsstätten präsent - unsere Kunden wie beispielsweise aus der Automobilbranche sind jedoch weltweit aktiv. Daher werden wir in den nächsten Monaten Konzepte entwickeln und prüfen, wie wir uns international stärker positionieren. Das gilt sowohl für Europa als auch für Asien und Amerika. Mittel- und langfristig kann es strategisch wie finanziell lukrativ sein, auch in diesen Märkten mit einer eigenen Fertigung vertreten zu sein.

Wie groß wird der Umsatz- und Ergebnisbeitrag der neu erworbenen Beteiligung Eurogard im zweiten Halbjahr voraussichtlich sein ?

Eurogard wird im zweiten Halbjahr bei einem positiven Ergebnis mehrere Millionen Euro zum Konzernumsatz beisteuern. Wir sind zufrieden. Aus Wettbewerbsgründen möchten wir uns da nicht konkreter äußern.

Wann werden Sie mit einer neuen Guidance kommen, nachdem Sie schon Ende August verkündet haben, dass Sie die bisherige Umsatzprognose mit 30 Millionen Euro deutlich übertreffen werden können?

Momentan fühle ich mich mit dieser Aussage weiterhin sehr wohl. Ich kann sie noch nicht weiter konkretisieren. Sobald wir konkret absehen, wie stark unser Wachstum ausfallen kann, werden wir eine neue Prognose veröffentlichen. Sicher ist: Wir verzeichnen derzeit ein stark steigendes Interesse an unseren Systemen. Die Serienfertigung für Jaguar und Land-Rover ist einer der größten Aufträge unserer Firmengeschichte.

Was sind die spannendsten Projekte, die Sie derzeit bearbeiten?

Erhebliche Chancen sehen wir in zwei margenstarken Bereichen: Energieeffizienz und innovative Kunststoffe. Im Wachstumsfeld Energieeffizienz sind wir heute schon mit zahlreichen Systemen, etwa für Wärmetauscher von Bosch, gut positioniert. Daher rechne ich angesichts des globalen Trends zum Energiesparen mit zusätzlichen großen Aufträgen. Und für Unternehmen werden leistungsstarke Oberflächen immer mehr zum Differenzierungsmerkmal. Gerade optisch hochwertige Kunststoffe sind dazu besonders geeignet, für die es viele Einsatzfelder gibt. Überdies ist es möglich, andere Werkstoffe zu ersetzen und so beispielsweise Gewichtsvorteile zu erzielen. Besondere Aufmerksamkeit sehen wir hier, auch vor dem Hintergrund der aktuellen CO2- bzw. Energie-Diskussion im Bereich Mobilität -  also etwa bei Automobilen oder Flugzeugen. In Summe bietet Nanogate mit seinen zwei besonderen Kompetenzfeldern aus Energieeffizienz und innovativen Kunststoffen seinen Kunden leistungsstarke Anwendungen für wichtige Technologietrends von heute und morgen.

Können Sie schon einen Ausblick für das Jahr 2012 wagen?

Nanogate wird auch 2012 seinen Wachstumskurs fortsetzen, sofern die Konjunktur nicht abrupt einbricht. Wir sind aus mehreren Gründen optimistisch: Erstens profitiert Nanogate von seinem Expansionsprogramm der vergangenen Jahre. Mit den Beteiligungen an GfO und Eurogard haben wir uns fest als international führendes, integriertes Systemhaus für Nanooberflächen etabliert. Zweitens wächst der Markt für Hochleistungsoberflächen weiter dynamisch. Drittens wird Nanogate die Marktposition mit vorhandenen und neuen Systemen ausweiten.

Die Analysten schätzen einen fairen Wert in der Größenordnung von 22 bis 24 Euro je Aktie - Ihre Meinung dazu?

Unser Fokus liegt darauf, unsere Kunden- und Kooperationsbasis auszubauen und mit unseren Lösungen einen Mehrwert für die Produkte unserer Kunden zu generieren. Ich bin optimistisch, dass wir die anstehenden Aufgaben erfolgreich meistern. Das Unternehmen dürfte dann im Vergleich zur Branche eine gute Entwicklung nehmen. Wir erzielen im operativen Geschäft eine EBITDA-Marge von rund zehn Prozent, wachsen deutlich zweistellig, haben fast 100 Patente und liefern marktfähige Produkte. Die Auftragsbasis liegt konzernweit im mittleren zweistelligen Millionenbereich. Alle diese positiven Faktoren dürften sich mittelfristig im Kurs niederschlagen.

Hat die NanoTec Beteiligungen GmbH, an der Sie selbst beteiligt sind, in den letzten Monaten Ihre Beteiligungen an Nanogate aufgestockt?

Ja, das Management und ich haben uns maßgeblich an der erfolgreichen Kapitalerhöhung im Sommer beteiligt.

Wo sehen Sie im Jahr 2015 die Nanogate stehen?

Nanogate will den profitablen Wachstumskurs fortsetzen und schneller als der Markt für Hochleistungsoberflächen zulegen. Mittelfristig haben wir unser Ziel fest vor Augen: Wir wollen die Umsatzmarke von 50 Millionen Euro übertreffen und eine EBITDA-Marge von nachhaltig mehr als 20 Prozent erwirtschaften. Bis 2015 werden wir auf dem Weg dorthin ein gutes Stück voran gekommen sein. Dazu sollen weitere Aufträge in Millionenhöhe beitragen, die wir in den nächsten Jahren an Land ziehen wollen. Gegenwärtig laufen eine große Anzahl von vielversprechenden Gesprächen.

Herr Zastrau, vielen Dank für das Gespräch.

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