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Morphosys-Vorstand: "Großes Interesse an MOR103"

Bastian Galuschka

Die Morphosys-Aktie schoss zuletzt innerhalb weniger Tage kräftig nach oben. Der rasante Kursaufschwung kommt nicht von ungefähr. Denn die ersten Daten von MOR103 können sich sehen lassen. Das positive Momentum der Aktie dürfte anhalten. Detaillierte Daten von MOR103 wie auch anderer Programme werden noch 2012 veröffentlicht. DER AKTIONÄR fragte nach.

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Über die Daten von MOR103 und die Aussichten des Wirkstoffs gegen Rheuma sprach DER AKTIONÄR mit Morphosys-Entwicklungsvorstand Dr. Arndt Schottelius.

DER AKTIONÄR: Mit Abbott, Amgen, Pfizer und Johnson & Johnson ist die Konkurrenz im Markt für Rheuma-Medikamente gewaltig. Wie unterscheidet sich Ihr Ansatz von denen der Konkurrenz?

Dr. Arndt Schottelius: MOR103 unterscheidet sich zum einen durch den Mechanismus. Es wirkt spezifisch auf die Makrophagen, die Fresszellen, als eine der Hauptzellen in dem Entzündungsgeschehen der Rheumatoiden Arthritis. Die Makrophagen wiederum sind Hauptproduzenten von einzelnen Zytokinen wie TNF-alpha, IL-1 oder IL-6. Die Produkte der Konkurrenz setzen jeweils nur an einem dieser Zytokine an, bekannt sind TNF-alpha-Blocker wie Humira. Mit unserem Ansatz können wir gleich eine ganze Reihe an Zytokinen bearbeiten.

Zum anderen setzt die Wirkung bei MOR103 im Vergleich zu den bereits zugelassenen Anti-Rheumatika sehr schnell ein. Bereits nach vier Wochen haben wir placebo-adjustiert Werte gesehen, die deutlich höher liegen als die aktueller Standardtherapien und auch höher sind als die aktuell in der Entwicklung befindlicher Wirkstoffe. Wenn wir länger als vier Wochen behandeln würden, ist auch vorstellbar, dass diese Werte noch höher ausfallen werden.

Sie sprechen den ACR20-Wert an. Was verbirgt sich genau dahinter?

ACR ist die Kurzform von American College of Rheumatology. Dieses Institut hat neun Kriterien festgelegt, an denen eine Besserung des Patienten gemessen wird. Dazu gehört zum Beispiel eine Verminderung der Gelenkschwellung, eine Verminderung des Gelenkschmerzes oder auch eine Verminderung von Entzündungswerten im Blut. Bei fünf dieser neun Kriterien muss eine Verbesserung um 20 Prozent vorliegen, dann ist der Test erfolgreich. Bei ACR50 oder ACR 70 sind es entsprechend 50 oder 70 Prozent Verbesserung.


Wie wollen Sie MOR103 strategisch positionieren?

Der erste ganz große Bedarf liegt sicherlich bei Patienten, bei denen die aktuellen TNF-alpha-Blocker mit der Zeit an Wirksamkeit verlieren. Nach zwei Jahren Behandlung sind hiervon bis zu 50 Prozent der Patienten betroffen. MOR103 könnte hier die Funktion einer Zweitlinientherapie übernehmen. Natürlich kann man auch über eine Erstlinientherapie nachdenken. Hier bin ich aber noch vorsichtig, da die Daten erst noch in späten Studien bestätigt werden müssen. So oder so hat MOR103 aber absolutes Blockbuster-Potenzial.

Der Konkurrent Galapagos hat in den vergangenen Monaten mit positiven Daten seines JAK-1-Inhibitors GLPG0634 und einem 1,35 Milliarden Dollar schweren Lizenzdeal mit Abbott von sich reden gemacht. Hat MOR103 ähnliches Potenzial?

Ziehen Sie dieses Icon auf eine BildflächeAbsolut. Die ACR20-WeZiehen Sie dieses Icon auf eine Bildflächerte von GLPG0634 waren absolut zwar höher als die von MOR103, allerdings waren in den Studien von Galapagos auch deutlich höhere ACR20-Werte in der Placebogruppe feststellbar. Bereinigt man die Ergebnisse um diesen Effekt, schneidet MOR103 sogar besser ab als GLPG0634. 

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass die Patienten bei Galapagos schwerer erkrankt waren. Wir haben uns bei der Rekrutierung hingegen auf Patienten mit milder bis moderater Rheumatoider Arthritis konzentriert. Wenn man aber mit einer niedrigeren Basis anfängt, also nur leichten Symp­tomen, ist es schwerer, ein höheres Delta, also eine Verbesserung von in unserem Fall 20 Prozent der ACR, zu zeigen. Unter diesem Aspekt halten wir MOR103 für absolut konkurrenzfähig.

Was sind die nächsten Entwicklungsschritte?

Die nächsten Schritte wären eine Phase-IIb-Studie mit 250 bis 300 Patienten, gefolgt von voraussichtlich zwei Phase-III-Studien mit je 1.000 Patienten. Das sind aber sehr teure Studien und auch nicht unsere Kragenweite. Daher suchen wir einen Partner und werden diese Suche auch aktiv vorantreiben. Das Interesse von Big Pharma an MOR103 ist sehr groß

Herr Schottelius, vielen Dank für das Gespräch.

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