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Mologen: "Das Interesse ist deutlich gestiegen"

Bastian Galuschka

Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit ist die Biotech-Aktie Mologen in diesem Jahr nach oben geklettert. DER AKTIONÄR sprach mit dem Finanzvorstand Jörg Petraß.

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Mit einem Kursplus von über 20 Prozent seit Jahresbeginn zählt die Mologen-Aktie zu den aktuellen deuschen Biotech-Highflyern 2010. Für den AKTIONÄR Grund genug, beim Finanzvorstand Jörg Petraß nachzuhaken.

DER AKTIONÄR: Herr Petraß, Mologen hat eine bewegte Vergangenheit vorzuweisen. Wiederholt wurde in den vergangenen Jahren die Strategie angepasst, ein Ausflug in die arabischen Länder war nur von kurzer Dauer. Sehen Sie sich mittlerweile strategisch gut aufgestellt?

Jörg Petraß: Mit unserer aktuellen Pipeline sind wir sogar sehr gut aufgestellt. Wir haben uns von Beginn an als forschendes Biotech-Unternehmen verstanden. In dieser Hinsicht hat sich unsere Strategie nicht geändert. Um unsere Forschungsaktivitäten zu finanzieren, wollten und wollen wir uns nicht nur auf den Kapitalmarkt verlassen. Denn unser Ziel ist es schließlich, unsere Produktkandidaten auszulizenzieren, oder wie in dem von Ihnen angesprochenen Fall, selbst zu vermarkten. Leider war das Projekt in Arabien nicht erfolgreich und wir haben es beendet - auch solch ein Schritt gehört dazu. Unser Hauptaugenmerk gilt aber seit jeher unserer DNA-basierten Krebstherapie MGN1703. Hier haben wir bereits sehr gute Fortschritte vorzuweisen und werden zeitnah mit der klinischen Phase-II-Studie starten.

Ihre Forschungsbasis stellen die Technologieplattformen MIDGE und dSLIM dar. Können Sie unseren Lesern in einfachen Worten erklären, was hinter diesen Ansätzen steckt?

Der technologische Ansatz von Mologen basiert auf der Aktivierung des Immunsystems und unterscheidet sich damit erheblich von anderen Technologien - insbesondere im Hinblick auf die Verträglichkeit. Beide Technologien basieren auf DNA-Strukturen und lassen sich aufgrund ihrer speziellen Struktur und Komplexität in zahlreichen medizinischen Anwendungen sowohl therapeutisch als auch prophylaktisch einsetzen.

Das durch unsere dSLIM-Technologie aktivierte Immunsystem ist in der Lage, Krebszellen zu bekämpfen. Unsere aussichtsreichsten Produktkandidaten, das Darmkrebsmedikament MGN1703 und die Gentherapie gegen Nierenzellkrebs MGN1601, basieren auf dieser innovativen Technologie beziehungsweise nutzen diese. Unsere MIDGE-Technologie wird als DNA-Vektor bezeichnet. Dieser enthält nur die für die eigentliche Wirkung des Medikaments notwendige Information. Diese Technologie setzen wir für die Entwicklung von Impfstoffen gegen schwere Infektionskrankheiten wie beispielsweise Leishmaniose ein.

Bislang befindet sich noch kein Produktkandidat in der klinischen Phase II. Bezüglich des Medikamentenkandidaten MGN1703 könnte sich dies in der Indikation metastasierter Darmkrebs bald ändern. Wie sieht hier der weitere Zeitplan aus?

Unsere Krebstherapie MGN1703 startet kurzfristig in die Phase II - die entscheidende klinische Testphase für eine erfolgreiche Auslizensierung. Nachdem das Medikament in der vorangegangenen Phase-Ib-Studie bereits hervorragende Verträglichkeit bewiesen hat, wird in der klinischen Phase-II-Studie nun die Wirksamkeit des Medikaments bei der Behandlung von metastasiertem Darmkrebs untersucht.

Anfang März haben wir von der zuständigen deutschen Gesundheitsbehörde, dem Paul-Ehrlich-Institut, sowie von der österreichischen Behörde, dem Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen, die Genehmigung für die Durchführung der Phase-II-Studie erhalten. Nun rechnen wir zeitnah mit einer Zustimmung der Ethikkommissionen, um schon bald mit der Behandlung des ersten Patienten beginnen zu können.

Wollen Sie die Entwicklung von MGN1703 alleine vorantreiben oder suchen Sie nach einem Partner?

Wir wollen die Phase-II-Studie mit MGN1703 allein durchführen. Gleichzeitig sind wir natürlich auf Partnersuche für diesen Produktkandidaten, denn eine Phase-III-Studie und alle weiteren Entwicklungsschritte und notwendigen Marketingaktivitäten sollen bereits mit einem Partner durchgeführt werden.

Wie laufen die Gespräche?

Wir sind mit mehreren großen Firmen im Gespräch. Und dank der nun vorliegenden, wirklich sehr guten Daten aus der Phase-Ib-Studie ist das Interesse bei unseren Gesprächspartnern bereits deutlich gestiegen.


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Welches Marktpotenzial trauen Sie MGN1703 zu?

Weltweit werden über eine Million neue Fälle von Dick- und Enddarmkrebs pro Jahr diagnostiziert. Damit gehört Darmkrebs zu den am häufigsten auftretenden Krebserkrankungen! Leider ist er auch die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache in den westlichen Industrieländern. Damit ist MGN1703 ein sehr aussichtsreicher Blockbuster-Kandidat mit einem Marktpotenzial von über einer Milliarde Euro. Sollten sich das Medikament und die Technologie der Mologen wie erwartet auch in dieser klinischen Phase beweisen, sind wir außerdem in der Lage, die hier angewandte Technologie auch für die Behandlung anderer solider Tumore - wie Brust- oder Prostatakrebs - einzusetzen.

Welche anderen Produktkandidaten befinden sich noch in Ihrer Pipeline? Wann sind hier News zu erwarten?

Auch mit anderen Medikamenten haben wir wichtige Fortschritte erzielt: Für unsere zellbasierte Gentherapie zur Behandlung von fortgeschrittenem Nierenkrebs MGN1601 haben wir im November 2009 einen Antrag zur Genehmigung einer klinischen Studie der Phase I/II eingereicht. Die Sicherheitsdaten und erste, vorläufige Wirksamkeitsdaten zu MGN1601 werden bereits nach Ablauf der ersten Therapie- und Beobachtungsphasen vorliegen. Wir werden erfreulicherweise also schon bald mit einem weiteren Produktkandidaten in die klinische Prüfung gehen können. MGN1601 hat von der Europäischen Kommission bereits den "Orphan Drug Status" erhalten, der eine zehnjährige Vermarktungsexklusivität innerhalb der Europäischen Union ermöglicht.

Auch bei der Entwicklung unseres MIDGE-basierten DNA-Impfstoffes gegen die Leishmaniose beim Menschen hat sich einiges getan: Als Mitglied eines internationalen Projekt-Konsortiums haben wir in den Jahren 2009 bis 2011 eine finanzielle Förderung für die Entwicklung eines DNA-Impfstoffes gegen diese Infektionskrankheit erhalten. Das Projekt mit einer Laufzeit von drei Jahren wird mit insgesamt drei Millionen Euro unterstützt.

Welche Ziele haben Sie sich für das Jahr 2010 gesteckt?

Wir sind sehr optimistisch für 2010! Die geplanten Fortschritte in den klinischen Entwicklungsprogrammen sollen den Wert der Produktpipeline weiter erhöhen: Dazu gehören der Start der klinischen Studie der Phase II zur Untersuchung der Wirksamkeit des Krebsmedikaments MGN1703 bei der Behandlung von metastasiertem Darmkrebs sowie der Start einer klinischen Studie der Phase I/II zur Untersuchung der Sicherheit und Wirksamkeit des Krebsmedikaments MGN1601 bei der Behandlung von fortgeschrittenem Nierenkrebs. Darüber hinaus werden wir die Aktivitäten im Rahmen des internationalen Projektkonsortiums zur Entwicklung einer prophylaktischen und therapeutischen Impfung gegen Leishmaniose fortführen.

Unsere Unternehmensstrategie ist darauf ausgerichtet, durch die Erforschung und Weiterentwicklung der innovativen Produktpipeline mittel- und langfristig hohe Renditen zu erzielen. Um dies zu erreichen, sind auch in 2010 aufwandswirksame Maßnahmen und Investitionen erforderlich.

Mithilfe einer Kapitalerhöhung haben Sie im Januar Ihre Kasse um 3,6 Millionen Euro aufgebessert. Wie lange sind Sie nach jetzigem Stand durchfinanziert?

Wir freuen uns sehr über das große Vertrauen unserer Aktionäre in das Unternehmen und unsere Produktpipeline. Die erfolgreiche Durchführung von Kapitalerhöhungen in diesem schwierigen Börsenumfeld hat uns darin erneut bestätigt. Alle geplanten Aktivitäten und klinischen Studien sind damit bis ins Jahr 2011 finanziell abgesichert.

Mologen wird an der Börse aktuell mit rund 100 Millionen Euro bewertet. Einige deutsche Mitbewerber, die bereits über Phase-II- beziehungsweise Phase-III-Produkte verfügen, liegen zum Teil deutlich darunter. Ist diese Bewertungsdiskrepanz in Ihren Augen gerechtfertigt?

Mologen ist eines der wenigen Biotechnologieunternehmen weltweit, das über eine verträgliche DNA-basierte Krebstherapie im klinischen Stadium verfügt. Für die Bewertung der Mologen an der Börse sind in erster Linie die Potenziale des Unternehmens relevant. Hier entscheiden Technologie und Marktpotenzial der Produktkandidaten. An einer Bewertungsdiskussion möchten wir uns allerdings nicht beteiligen.

Wo wollen Sie mit Mologen in fünf Jahren stehen?

Wir erwarten, dass unser Krebsmedikament MGN1703 sowie unsere zellbasierte Gentherapie MGN1601 in fünf Jahren erfolgreich am Markt etabliert sind. Sie sollen Patienten helfen und ohne belastende Nebenwirkungen das Fortschreiten der Krebserkrankung länger aufhalten, als dies mit bisherigen Krebsmedikamenten möglich ist. Auch unsere MIDGE-basierten DNA-Impfstoffe sollen bis dahin erfolgreich klinisch gestestet werden. Mithilfe unserer intensiven Forschungsaktivitäten wollen wir mittelfristig über eine diversifizierte Pipeline für Medikamente zur Behandlung von Krebserkrankungen verfügen.

Herr Petraß, vielen Dank für das Gespräch.

Die Einschätzung des AKTIONÄRS zur Mologen-Aktie können Anleger in der aktuellen Printausgabe 12/10 nachlesen. Diese ist auch als ePaper hier online abrufbar.

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