Steffen Eidam
Durchatmen bei Air Berlin. Der Milliardär Leonard Blawatnik setzt seine Pläne in die Tat um und steigt mit knapp 19 Prozent bei der Fluglinie ein. Firmenlenker Hunold glaubt an ein langfristiges Interesse und hofft nun endlich wieder in Ruhe planen zu können. An der Börse wird die Nachricht positiv aufgenommen.
Durchatmen bei Air Berlin. Der Milliardär Leonard Blawatnik setzt seine Pläne in die Tat um und steigt mit knapp 19 Prozent bei der Fluglinie ein. Firmenlenker Hunold glaubt an ein langfristiges Interesse und hofft nun endlich wieder in Ruhe planen zu können. An der Börse wird die Nachricht positiv aufgenommen.
Deutschlands zweitgrößte Fluglinie ist in den letzten Monaten in heftige Turbulenzen geraten. Dabei ist der hohe Ölpreis längst nicht das einzige Problem, mit dem die Airline fertig werden muss. Während die Integration der übernommenen Konkurrenten DBA und LTU noch längst nicht abgeschlossen ist, hängt Air Berlin bei einer weiteren Übernahme in der Warteschleife. So wird das Bundeskartellamt demnächst seine Prüfungsfrist für die geplante Übernahme des Ferienfliegers Condor wohl zum vierten Mal verlängern. An der Börse hat man nach mehreren Gewinnwarnungen zudem viel Kredit verspielt. Gestern setzte die Deutsche Bank dann noch einen oben drauf, indem sie die Aktie auf „hold“ zurückgestuft und gleichzeitig das Kursziel von 16 auf 9 Euro zurückgenommen hat. Ryanair-Chef O’Leary prophezeite den Deutschen unlängst sogar den Bankrott. Es scheint so, als käme der neue Großaktionär Leonard Blawatnik gerade noch rechtzeitig an Bord.
Aufatmen dank Blawatnik
Der russischstämmige Milliardär hat sich über seine Gesellschaft Access Industries einen Anteil von 18,94 Prozent an Air Berlin gesichert und steigt somit zum größten Einzelgesellschafter des Unternehmens auf – noch vor der Deutschen Bank, die mit gut 15 Prozent beteiligt ist. Ursprünglich stammen die von Blawatnik erworbenen etwa zwölf Millionen Aktien aus dem Besitz der Beteiligungsgesellschaft Vatas des Finanzinvestors Robert Hersov. Dieser blätterte im Januar immerhin rund zwölf Euro je Air-Berlin-Aktie hin, jetzt gibt er sie zum Kurs von 7,94 Euro (im Wert von rund 100 Millionen Euro) wieder ab.
Die Führung von Air Berlin erhofft sich vom Einstieg Blawatniks wieder mehr Ruhe in der Aktionärsstruktur. Laut Firmenlenker Joachim Hunold soll es sich bei Blawatnik um einen Investor handeln, „der offensichtlich Interesse an einem langfristigen Engagement hat“.
Mutige Anleger gehen an Bord
Mit dem Einstieg des Russen dürfte der Sinkflug der Aktie enden. Air Berlin möchte durch die Optimierung des Streckennetzes sowie der Straffung der Vertriebsstrukturen im laufenden Jahr bis zu 100 Millionen Euro einsparen, gleichzeitig soll der Betriebsgewinn auf bis zu 120 Millionen Euro ansteigen. Beide Ziele sind erreichbar, jedoch eignet sich die Aktie aufgrund des hohen Ölpreises und der ungewissen Entwicklung in der Luftfahrtbranche nur für risikobewusste Anleger. Das nächste Kursziel liegt bei zehn Euro.