MIFA: Mit Grace und Steppenwolf zum Tour-Sieger
Die MIFA AG hat in den letzten Monaten ein erstaunliches Tempo vorgelegt. Kauf der Rad-Edelschmiede Grace, inklusive dem Vertag zur Produktion des Smart-E-Bikes und im Anschluss die Übernahme der Premium-Rad-Schmiede Steppenwolf. Anlegern bietet sich nach wie vor eine hochinteressante Chance, am boomenden Markt für E-Bikes zu profitieren.
Sein Lachen ist wirklich ansteckend. Wenn er einmal loslegt, dann gibt es kein Halten mehr. Peter Wicht ist wirklich einzigartig, nicht nur was seinen Humor betrifft, sondern auch was den Aufbau seiner Firma, der MIFA Mitteldeutsche Fahrradwerke AG in Sangerhausen bei Halle, angeht.
Vom Billigheimer ...
„Nahezu alles was hier an Maschinen arbeitet ist gebraucht", sagt Wicht. Der MIFA-Vorstand hat still gelegte KUKA-Roboter aus der Produktion von Automobilherstellern befreit und für die Fahrradproduktion umgebaut. Zudem hat er ganze Lackieranlagen ersteigert oder sogar ein Hochregal von einem konkurrierenden Fahrradhersteller. „Ein Schnäppchen war das", so Wicht. Um die Firma effizienter zu machen, spart der Unternehmenslenker an allen Ecken und Enden. Ein Ziel zumindest hat er dadurch schon erreicht. Die MIFA ist sicherlich einer der effizientesten Fahrradhersteller überhaupt. Die Stärken der MIFA liegen in der Produktionskompetenz sowie bei Logistik und Service. "Dies sieht man nicht zuletzt daran, dass MIFA trotz der Produktion am Standort Deutschland niedrigste Lohnstückkosten aufweist", erklärt Tim Kruse, Analyst von Montega Research gegenüber dem AKTIONÄR.
... zur High-Tech-Schmiede
Die Firma ist im Wandel. Vom Ostdeutschen Billigheimer-Image hat man sich längst entfernt. Einen großen Anteil daran hatte die Übernahme der Berliner Fahrradschmiede Grace. Die Berliner bieten innovative und hochwertige E-Bikes im gehobenen Preissegment an. Damit ist der MIFA der Sprung zum Anbieter im Premiumsegment gelungen. Ein geschickter Schachzug. So kann Deutschlands absatzstärkster Fahrradproduzent seine Marge deutlich nach oben schrauben. Die Kombination aus Preisführerschaft, Automatisierungstechnik und Innovationskraft bietet ein gesichertes Wachstum, insbesondere bei der jungen Zielgruppe der Generation Apple. Ebenfalls positiv: Die Hauptstädter hatten sich bereits im Vorfeld einen Auftrag von Daimler gesichert. Jetzt werden die modernen Smart-E-Bikes in Sangerhausen gebaut. Dazu wurde eine eigene Produktionsstätte aufgebaut. Höchste Anforderungen wurden von Daimler gestellt - kein Problem für Wicht und sein Team.

Schönes Portfolio
Durch Grace und die Smart-Bikes steht MIFA noch mehr im Rampenlicht. Da kam Wicht der Deal mit Steppenwolf gerade recht. Der Münchner Premiumhersteller wurde kurzerhand auch noch mit geschluckt. Die MIFA fertigt nicht mehr nur günstige Räder für Real oder Aldi, sondern ist innerhalb kürzester Zeit zum einem echten Allrounder geworden. Mit Grace, den Smart-E-Bikes und Steppenwolf hat man sich ein starkes Portfolio aufgebaut. Abgerundet wird die Produktpalette durch die über 700.000 Fahrräder für Großkunden wie Real oder Aldi. Das sollte sich in den kommenden Quartalsbereichten positiv bemerkbar machen.
Luft nach oben
Seit dem Einstieg in das Segment der E-Bikes 2011 konnte die Gesellschaft überproportionale Absatzsteigerungen in diesem Bereich verzeichnen. Daran dürfte sich nichts ändern - ganz im Gegenteil. "MIFA hat sich eine starke Wettbewerbsposition im Volumengeschäft erarbeitet. Entsprechend sollte die Gesellschaft einer der wesentlichen Ansprechpartner für Großaufträge im Bereich E-Bike sein", so Analyst Kruse. Wettbewerber Derby Cycle wurde von der niederländischen Pon vor rund einem Jahr geschluckt. Die Übernahme folgte zu 28 Euro, was einem zehnfachen des EBIT entsprach. DER AKTIONÄR geht davon aus, dass MIFA im Jahr 2013 Umsätze von rund 155 Millionen Euro einfahren wird. Das EBIT wird auf 9,3 Millionen Euro veranschlagt. Das würde einer EBIT-Marge von sechs Prozent entsprechen. Kurzum: Überträgt man die Konditionen der Derby-Cycle-Übernahme auf die Bewertung von MIFA, so wird die Aktie sicherlich nicht mehr lange unter zehn Euro notieren - im Gegenteil. Anleger können daher Kurse unter 8,00 Euro weiter zum Einstieg nutzen und sich in Zukunft über die gute Entwicklung der Aktie freuen.
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