Metro: Ernüchterung statt Euphorie
Anleger reagierten gestern hocherfreut auf die Zahlen des Handelskonzerns Metro. Die Aktie war klarer Spitzenreiter im DAX. Bei den Analysten stoßen Zahlenwerk und Ausblick auf weniger Gegenliebe. Sie haben ihre Kursziele für Metro teils erheblich gesenkt.
Der neue Metro-Chef Olaf Koch hatte gestern mit der Präsentiation der Zahlen für 2011 sowie mit der Ankündigung, die Produktivität steigern zu wollen, gute Laune bei den Anlegern ausgelöst. Die Aktie setzte sich daraufhin an die Spitze des DAX. Der Optimismus des Konzernchefs in allen Ehren: Konkrete Pläne, wie dies erreicht werden soll, konnte er nicht vorweisen. Bei den margenschwachen Problemtöchtern Kaufhof und Real gilt weiterhin die Devise: könnte verkauft werden, könnte aber auch im Konzern bleiben.
Streit mit Streit beenden
Darüber hinaus will Koch die Preise senken und die Expansion beschleunigen, was zu zusätzlichen Kosten führen wird. Dass dabei gleichzeitig Gewinn und Profitabilität gehalten oder gar gesteigert werden, ist mehr als zweifelhaft. Außerdem gab Koch die Devise aus, dass die internen Streitereien beendet werden sollen. Gleichzeitig gab er aber auch bekannt, dass die rechtliche Auseinandersetzung mit den Media-Saturn-Gründern konsequent fortgeführt wird. Auch bei Real brodelt es. Spartenchef Joel Saveuse kündigte gestern seinen Rückzug an.
Kursziel um vier Euro gesenkt
Bei den Analysten kamen die Zahlen alles andere als gut an. Die HSBC hat Metro von "Neutral" auf "Underweight" abgestuft und das Kursziel von 32 auf 28 Euro gesenkt. Vor allem das Lebensmittelgeschäft habe laut Analyst Jerome Samuel die Prognosen dennoch verfehlt. Angesichts des Rücktritts von Joel Saveuse sei nicht mit einer zur Beruhigung zu rechnen. Metro stehe weiterhin vor schwierigen Monaten. Samuel hat seine Gewinnschätzungen je Aktie um 14 Prozent gekürzt.
Kursziel 22,50 Euro
Noch skeptischer ist die Citigroup. Ihr Analyst Alastair Johnston hat das Kursziel für Metro von 25 auf 22,50 Euro gesenkt. Der Handelskonzern habe in diesem Jahr noch eine holprige Wegstrecke vor sich. Eine Erholung des operativen Geschäfts sei schwer vorherzusehen. Der Analyst rät daher zum Verkauf der Aktie. Johnston hat seine Gewinnschätzungen je Aktie für das laufende sowie für das kommendes Jahr gekürzt.

Keine Lösungen für die vielen offenen Baustellen
DER AKTIONÄR hat bereits erwähnt, dass Metro mit einer Reihe von ungelösten Problemen kämpft. Neben schwelenden Konflikten mit Großaktionären muss der neue Chef auch die zuletzt schwächelnde Cash&Carry-Sparte neu beleben. Ganz zu schweigen von den anhaltenden Problemen bei der Elektroniktochter Media-Saturn. Auch der Kaufhof-Verkauf wurde zuletzt auf Eis gelegt. Statt Lösungswege aufzuzeigen, verliert sich der neue Chef Olaf Koch in Durchhalteparolen. DER AKTIONÄR geht deshalb weiter davon, dass die Aktie ein Abwärtspotenzial bis 20 Euro hat.
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