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Medigene: Der nächste Hammer

Frank Phillipps

Vom Regen in die Traufe: Medigene setzt seinen Entwicklungschef vor die Tür und verschiebt den Start wichtiger klinischer Studien. Die jüngsten Maßnahmen dürften sich kaum vertrauensbildend auswirken und die Aktie weiter belasten.

Es ist noch gar nicht so lange, da gedieh bei den Aktionären von Medigene ein zartes Pflänzchen namens Hoffnung. Da hatte Medigene-Finanzchef Dr. Thomas Klaue im Interview mit dem AKTIONÄR angedeutet, die Verhandlungen über eine Partnerschaft für EndoTAG-1 stünden kurz vor dem Abschluss (siehe Medigene: "Wir sind in Gesprächen"). Das war im August dieses Jahres.

Und es kam sogar noch besser: Anfang Oktober wurde der Bann über Rhudex, den zweiten Blockbuster-Kandidaten im Portfolio von Medigene, aufgehoben. Die Tests waren im Juli 2008 gestoppt worden, nachdem ein Studienteilnehmer in Großbritannien einen Herzinfarkt erlitten hatte und daran verstorben war. Den Untersuchungen der britischen Behörden zufolge sei jedoch kein kausaler Zusammenhang zwischen dem Todesfall und der Verabreichung von Rhudex nachweisbar. Die Ampeln für die Fortsetzung der Studie schienen damit auf grün zu stehen.

Studien werden verschoben

Doch die Hoffnung war auf Sand gebaut. Denn wieder aufgenommen wurden die Studien mit Rhudex bislang ebenso wenig wie eine Partnerschaft für EndoTAG-1 abgeschlossen und die entscheidende Phase-III-Studie gestartet wurde. Und Anleger sollten damit auch nicht so bald rechnen. Wie Medigene heute völlig überraschend mitteilte, sollen vor der Wiederaufnahme der Rhudex-Studien weitere präklinische Tests durchgeführt werden, "um die Bandbreite der therapeutischen Dosierungen zu präzisieren und dadurch das klinische Entwicklungsprogramm zu optimieren". Die klinischen Studien sollen frühestens im vierten Quartal 2010, vielleicht auch erst 2011 wieder aufgenommen werden - und damit ein Jahr später als geplant.

Auch in Sachen weiterer Entwicklung von EndoTAG-1, der Hoffnungsträger in Sachen Bauchspeicheldrüsen- und Brustkrebs müssen sich Patienten und Aktionäre in Geduld üben. Weil Medigene den Herstellungsprozess von Gefriertrocknung auf Sprühtrocknung umstellen will, verzögert sich der Start der Phase-III-Studie bis ins erste Halbjahr 2011. Vorausgesetzt natürlich, dass bis dahin ein finanzstarker Partner gefunden wurde. Denn mit nicht einmal zehn Millionen Euro an Cash kann Medigene trotz einer Eigenkapitalzusage von weiteren 25 Millionen Euro die teuren Studien nicht stemmen. Die Gesamtentwicklungszeit soll sich laut Medigene durch die Verzögerung übrigens nicht ändern.

Alle Macht für Mathias

Seinen Hut nehmen muss überraschend auch Dr. Axel Mescheder. Sechs Jahre lang hatte Mescheder den Bereich Forschung und Entwicklung verantwortet. Nun wird er begleitet von warmen Worten vor die Tür gesetzt. Die Forscher und Entwickler berichten nun direkt dem Vorstandsvorsitzenden Dr. Frank Mathias. Dabei gilt der promovierte Pharmazeut in der Branche eigentlich eher als Marketing-Fachmann denn als Forscher.

Verräterischer Aktienkurs

Wer die Medigene-Story schon länger verfolgt, dem hätte eigentlich schon seit Mitte Oktober klar sein können, dass sich Unheil über Martinsried zusammenbraut. Denn seitdem geht es mit dem Aktienkurs steil bergab. Obwohl sich die Aussichten für die beiden Hoffnungsträger vermeintlich verbessert hatten, gab die Notierung um mehr als 30 Prozent nach. Der Sinkflug war nicht die erste extreme Kursbewegung, der eine wichtige Meldung folgte. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Finger weg!

DER AKTIONÄR war bei der Aktie von Medigene Mitte November infolge der enttäuschenden Drittquartalszahlen mit einem kleinen Gewinn von vier Prozent ausgestoppt worden und hatte von einem Neueinstieg abgesehen. Zum Glück, denn wenn Montag die Börse öffnet, dürfte Medigene abermals eine heftige Quittung dafür bekommen, die Aktionäre enttäuscht zu haben. Anleger sollten die Aktie daher vorerst weiterhin meiden.

Und zwar mindestens so lange, bis Dr. Frank Mathias eine überzeugende Strategie für die Zukunft Medigenes vorstellt. Die Gelegenheit dazu hat er schon zeitnah beim Analystentag am 15. Dezember, von dem DER AKTIONÄR berichten wird.

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